tz-Mietertag

Sechs Tipps für die Wohnungsübernahme

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Evi und Dieter Amereller zeigen ein Foto von dem alten Ofen, den sie entsorgen sollten, weil er nicht im Protokoll stand.

München - Bei einer Wohnungsübergabe steckt der Teufel im Protokoll. Das zeigt das Beispiel des Ehepaars Amereller und der Streit um einen asbestverseuchten Ofen. Die tz hat die wichtigsten Punkte, auf die es bei der Wohnungsübergabe ankommt, zusammengestellt.

Als Evi Amereller vor vier Jahren in Laim in ihre Wohnung zog, stand darin ein alter Ofen. Als sie jetzt mit ihrem Mann Dieter innerhalb des Hauses in eine andere Wohnung umziehen wollte, verlangte der Vermieter, dass sie den alten, asbestverseuchten Ofen entfernen. „Nach unseren Erkundigungen kostet das 1000 Euro. Unser Vermieter, die Münchner Baugenossenschaft, sagt, es koste 400 Euro, aber auch das ist viel Geld“, sagt IT-Berater Dieter Amereller (47).

Nachbarn bezeugen, dass der Ofen schon in der Wohnung stand

„Unsere Nachbarn können bezeugen, dass der Ofen schon in der Wohnung stand“, sagt Mieter Amereller. Aber im Übergabeprotokoll von 2010, das Evi Amereller unterschrieb, steht, dass die Wohnung ohne Heizung vermietet wird. Darauf beruft sich die Münchner Baugenossenschaft.

Als jetzt Mitte April der Termin für die Wohnungsübergabe kam, weigerte sich die Genossenschaft, die Übernahme durchzuführen und kündigte an, die Entsorgungskosten und die Miete für den ganzen April einzuklagen, sagt der Mieter.

„Ich glaube nicht, dass die Klage erfolgreich wäre, wenn Nachbarn bezeugen, dass der Ofen bei Einzug schon drinnen war“, meint Mietrechtsexpertin Anja Franz vom Mieterverein München. Auch wenn im Mietvertrag steht, die Wohnung sei unbeheizt, sei es lebensfremd zu behaupten, die Amerellers hätten 2010 einen alten Asbestofen installiert.

Münchner Baugenossenschaft: "Ein ärgerlicher Fall"

Die tz sprach mit Markus Gruber, dem Vorsitzenden der Münchner Baugenossenschaft, die in Laim 853 Wohnungen vermietet. „Ein ärgerlicher Fall“, sagte der, schließlich bekommen die Amerellers im selben Haus eine renovierte Wohnung zum Quadratmeterpreis von 5,50 Euro. „Die Voraussetzung für so günstigen Mieten ist, dass die Mieter bei Auszug ihre Wohnung komplett ausräumen“, sagt Gruber. Nun aber habe die Münchner Baugenossenschaft den Ofen auf ihre Kosten entfernt. „Für uns hat sich die Sache erledigt“, sagt Gruber.

Die Amerellers sind froh. Sie werden das nächste Mal genau aufpassen, wenn sie ein Übernahmeprotokolls unterschreiben. Wir haben die wichtigsten Punkte, auf die es ankommt, zusammengestellt.

Susanne Sasse

Sechs Tipps: So klappt die Wohungsübergabe

  • 1. Beim Einzugsprotokoll sollte der Mieter ganz pingelig darauf achten, dass alle noch so kleinen Mängel darin festgehalten sind. Am besten ist es, den Zustand der Wohnung beim Einzug mit Fotos zu dokumentieren. Auf den Fotos sollte das Aufnahmedatum aufgedruckt sein. Zudem empfiehlt Mietrechtsexpertin Anja Franz vom Mieterverein München, Zeugen mitzunehmen. „Zeugen können alle Personen sein, die nicht mit im Mietvertrag stehen, also auch Lebenspartner, Eltern etc.“, sagt Franz.
  • 2. Zieht der Mieter wieder aus und legt der Vermieter ihm ein Übergabeprotokoll vor, sollte der Mieter nie unterschreiben, wenn Sachen drin stehen, die er anders sieht, sagt Franz. „Denn das Übergabeprotokoll ist der Beweis für den Zustand der Wohnung bei der Über­gabe. Wenn da ein Mangel drinsteht und der Mieter unterschreibt, dann gilt der Mangel als vom ihm zugestanden“, sagt Franz.
  • 3. Je weniger beim Auszug in einem Übergabeprotokoll steht, desto besser ist das für den Mieter. Klar, die Zähler­stände müssen rein. Aber steht sonst nichts drin, gilt die Wohnung als ordnungsgemäß übergeben. „Der Vermieter kann dann auch später nicht mehr kommen und sagen, etwas sei kaputt – außer, es ist wirklich ein ganz versteckter Mangel, den er auch bei großer Sorgfalt vorher nicht entdecken konnte“, sagt Franz.
  • 4. Weigert sich der Vermieter, beim Auszug des Mieters ein Übergabeprotokoll anzufertigen und die Wohnung abzunehmen, sollte der Mieter mit einem Zeugen und Fotos den Zustand der Wohnung und die Zählerstände dokumentieren und dann dem Vermieter das Protokoll zusammen mit den Wohnungsschlüsseln einwerfen – dies auch im Beisein von Zeugen. Wichtig ist, dass dies innerhalb der Kündigungsfrist passiert, damit der Vermieter nicht weiter Miete verlangen kann.
  • 5. Wichtig ist es auch immer, das Übergabeprotokoll vom Auszug mit dem beim Einzug erstellten zu vergleichen. Wenn der Mieter Schäden verursacht hat, sollte er sie angeben und so Streit vermeiden. „Ehrlich währt am längsten“, sagt Franz.
  • 6. Gibt es kein Übergabeprotokoll, hat der Vermieter nach dem Auszug des Mieters sechs Monate Zeit, Mängel anzumelden. Danach sind sie verjährt.

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