Prozess um Messerattacke von Chemnitz: Urteil ist gefallen

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Tipps für Kautionsstreitigkeiten

Ärger beim Auszug: Das müssen Sie beachten

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Ausg’macht is ausg’macht, sagen Mieterin Carina Zubanovic (l.) und ihre Mutter

München - Immer wieder kommt es beim Auszug von Mietern zu Streitigkeiten über die Kaution. Die tz stellt einen konkreten Fall vor und erklärt, was Sie beachten müssen.

Was ist, wenn Mieter und Vermieter vor dem Auszug Vereinbarungen über die Kaution treffen, bevor der Vermieter die Wohnung gesehen hat? Ist das verbindlich?

Marianne Mudrich findet: ja! Die Münchnerin hatte für ihre Tochter Carina Zubanovic eine Mietkaution in Höhe von 2118 Euro für eine Wohnung in München ausgelegt. Ihre Tochter zog am 1. März aus, doch Mudrich hat bis heute ihre Kaution nicht zurück: „Wir haben ausgemacht, dass die Vermieterin die Wohnung streichen lässt und dafür eine Monatsmiete, 830 Euro, einbehält.“ Doch dann erklärt die Vermieterin, die Kosten der Malerarbeiten gingen über die „üblichen“ hinaus. Das zusätzliche Geld müsste der Mieter zahlen: „Die Wohnung ist derart verraucht, dass der Maler erst den Nikotinbelag isolieren muss.“ Zudem sei die Tapete nicht „fachgerecht“ angebracht und zu viele Löcher in den Wänden. Mudrich kontert: „Es wurde nur in der Küche geraucht – und das bei offenem Fenster, da muss kein Nikotinbelag isoliert werden.“

Zudem fragte ihre Tochter bei der Vermieterin nach, ob sie die Löcher zuspachteln solle. Nein, das mache der Maler. „Wir haben den Schlüssel fristgerecht übergeben und konnten gar nicht mehr in die Wohnung“, so Mudrich.

Zunächst war man sich einig: Am 10. Februar hatte die Vermieterin geschrieben, dass die Mieterin zum 1. März ausziehen solle, aber das Mietverhältnis bis Ende März weiterliefe und bis dahin Miete gezahlt werden müsse. „Im Gegenzug übernehmen wir die Malerarbeiten.“ Der Rest der Kaution werde überwiesen und nur ein Rest für eventuelle Nebenkostennachzahlung einbehalten. „Daran muss sie sich doch jetzt halten“, so Mudrich.

Ja, sagt Anja Franz, Rechtsexpertin beim Mieterverein München. „Wenn der Mieter mit dem Vermieter vereinbart hat, dass die Malerarbeiten vom Vermieter übernommen werden und der Mieter dafür eine Monatsmiete bezahlt, dann muss sich der Vermieter an dieser Vereinbarung festmachen lassen.“ Auch dann, wenn er die Wohnung vor Abschluss der Vereinbarung nicht besichtigt hat. „Dann hat er eben die Katze im Sack gekauft, wenn er nachher damit unzuzfrieden ist, ist das nicht das Problem des Mieters.“

Die tz rief bei der ehemaligen Vermieterin an, und diese erklärte, sie werde den Rest der Kaution abzüglich der inzwischen vorliegenden Nebenkostenabrechnungen überweisen.

Das müssen Sie beachten

Bei jedem dritten Mietverhältnis droht spätestens bei der Rückzahlung Ärger. Folgende Punkte sollten die Mieter beachten:

- Legt der Vermieter bei Einzug ein Übergabeprotokoll vor, sollte man dieses nur unterschreiben, wenn keine Mängel vorhanden sind. Ansonsten muss der Mieter beim Auszug all die Mängel zahlen, für die er gar nichts kann.

- Wer auszieht, sollte die Wohnung mängelfrei übergeben. Dann hat er Anspruch auf Rückzahlung der Mietkaution. Alles, was unter „normale Abnutzungserscheinungen“ fällt (etwa bis zu 20 Dübellöcher pro Raum, leichte Kratzspuren im Parkett oder leichte Verschmutzung des Teppichs), stellt keinen Mangel dar und ist mit der Miete abgegolten.

- Mieter sollten ihren Auszug und die ordnungsgemäße Übergabe der Wohnung ebenfalls protokollieren. Wenn ein Übergabeprotokoll mit dem Vermieter nicht zustande kommt, kann der Mieter nach Auszug die Wohnung auch mit einem Zeugen besichtigen und deren Zustand fotografieren.- Wenn alles passt, sollte der Mieter den Vermieter schriftlich zur Rückzahlung der Kaution auffordern. Einer Rückzahlung steht dann nichts im Wege, wenn der Vermieter keine offenen Forderungen – etwa wegen Nebenkosten – mehr gegen den Mieter hat und die Mängelfreiheit bescheinigt wurde. Trotzdem lassen sich manche Vermieter Zeit. Das dürfen sie auch, sechs Monate lang. Diese dient dazu, etwaige versteckte Mängel aufzudecken. Wenn es allerdings offensichtlich keine Streitpunkte gibt, kann der Mieter auf eine schnelleren Rückzahlung bestehen. Zahlt der Vermieter nach einer schriftlichen Mahnung nicht, kann ihm der Mieter einen Mahnbescheid schicken oder gleich klagen. Allerdings sollten sich Mieter immer von einem Fachmann beraten lassen, sagt Anja Franz, Rechtsexpertin beim Mieterverein.

- Umgehen Sie die Doppelkaution: Der neue Vermieter will sie, der alte sitzt noch darauf. Hier hilft eine Mietkautionsbürgschaft zur Hinterlegung der Kaution. Der Mieter muss aber einen Jahresbeitrag an eine Kautionskasse zahlen.

Susanne Sasse

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