Mieter-Ratgeber

Angst vor der Zwangsräumung: Münchnerin soll umziehen

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Das Jobcenter verlangt, dass sie sich eine kleinere Wohnung sucht: Karina Celik-Steinert, die nach einer Hüftoperation arbeitsunfähig ist.

Ich bin verzweifelt und am Ende“, sagt Karina Celik- Steinert. Die 38-Jährige wird bald aus ihrer Wohnung in der Groffstraße ausziehen müssen.

Obwohl das Sozialgericht das Jobcenter München dazu verpflichtet hat, die Mietkosten zu übernehmen – aber nur noch bis Ende Mai... Der Grund für den ganzen Ärger ist, dass die Wohnung in Neuhausen für die Bezieherin von Arbeitslosengeld II nach den gesetzlichen Vorgaben zu groß ist. Denn vor drei Jahren zog Karina Celik-Steinerts Lebensgefährte aus – seitdem stehen ihr und dem Sohn statt der 70 Quadratmeter nur mehr 65 Quadratmeter zu.

Die Miete ist zu hoch

Für die 70-Quadratmeter- Wohnung verlangt der Vermieter 795 Euro Kaltmiete, mit Neben- und Heizkosten sind es 915 Euro. Bis Ende Mai muss die 38-jährige tz-Leserin eine kleinere und günstigere Wohnung gefunden haben – für höchstens 732 Euro Kaltmiete.

Hier wohnt die Münchnerin wohl nur noch bis Mai.

Für Karina Celik-Steinert stellt der bevorstehende Umzug ein kaum lösbares Problem dar – zumal ihr schwer geistig und körperlich behinderter Sohn jedes zweite Wochenende bei ihr verbringt und sie die Wohnung für ihn extra behindertengerecht ausgestalten hat lassen. Ihre Zukunftsängste scheinen sich auf den behinderten Buben zu übertragen: „Ich wurde schon von der Betreuerin in dem Heim, in dem er lebt, angesprochen, dass er jetzt immer so aufgeregt und nervös ist, wenn er nach den Wochenenden bei mir wieder ins Heim zurückkommt“, sagt die Mutter. Sie könne sich aber vor ihrem Kind nicht verstellen „Ich träume immer wieder davon, zwangsgeräumt zu werden – ich würde das nicht überleben“, sagt die ehemalige Altenpflegerin, die seit einer Hüftoperation nicht mehr arbeiten kann.

Suche bisher vergeblich

„Ich habe schon Anzeigen geschaltet und mich für zig inserierte Wohnungen beworben, aber es war alles vergeblich“, sagt die verzweifelte Mutter. Das Jobcenter hat ihre Bemühungen zwar anerkannt. Doch vor Gericht ließ die Behörde erklären, dass Karina Celik-Steinert nicht nachgewiesen habe, dass sie eine behindertengerechte Wohnung brauche. Ein entsprechendes Attest habe sie nicht vorgelegt.

Karina Celik-Steinert zeigte der tz bei unserem Besuch allerdings eine „Fachärztliche Bescheinigung zur Vorlage beim Wohnungsamt“, ausgestellt von der Heckscher Klinik, in der neben einem Grad der Behinderung von 100 Prozent ihrem Sohn auch die Merkzeichen B, H, RF attestiert sind. In diesem Attest steht ausdrücklich, dass die Wohnung für den Sohn behindertengerecht sein muss. Karina Celik-Steinert hat es jetzt nachgereicht.

Geholfen bei dem Gerichtsverfahren gegen das Jobcenter hat ihr eine Sozialarbeiterin der Inneren Mission. Auch mit dem evangelischen Pfarrer Ulrich Haberl (55) aus Neuhausen hat sie regelmäßig Kontakt. „Sie ist mir inzwischen sehr ans Herz gewachsen und ich hoffe, dass bald eine Lösung für sie gefunden wird“, sagt er. „Sie hat sich wirklich bemüht und steht völlig verloren da, ist überfordert.“ Nach dem langen Streit mit dem Jobcenter sei sie seelisch und körperlich sehr angeschlagen. Der Geistliche sagt, er mache sich große Sorgen, „dass sie die Drucksituation, der sie seit Monaten ausgesetzt ist, nicht mehr standhält“. Er hoffe, dass nicht noch etwas Schlimmes passiert, sondern dass die Belastungssituation bald beendet wird, „ihr und ihrem Sohn zuliebe“.

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Was steckt hinter den Makler-Beschreibungen?
"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Was steckt hinter den Makler-Beschreibungen? © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Lage in aufstrebendem Viertel" oder "Wohnanlage mit viel Entwicklungspotenzial": In ein paar Jahren mag es hier wunderbar sein. Doch jetzt rollen hier Bagger und Lkws – und danach wird das Leben teurer.
"Lage in aufstrebendem Viertel" oder "Wohnanlage mit viel Entwicklungspotenzial": In ein paar Jahren mag es hier wunderbar sein. Doch jetzt rollen hier Bagger und Lkws – und danach wird das Leben teurer. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Lage in unberührter Natur": Ideal für meditative Einsiedler, die von den Früchten der Erde leben wollen. Wer jedoch arbeiten, einkaufen oder auch mal zum Arzt muss, braucht unbedingt ein Auto. Zudem wird der Weiterverkauf der Immobilie schwierig.
"Lage in unberührter Natur": Ideal für meditative Einsiedler, die von den Früchten der Erde leben wollen. Wer jedoch arbeiten, einkaufen oder auch mal zum Arzt muss, braucht unbedingt ein Auto. Zudem wird der Weiterverkauf der Immobilie schwierig. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Verkehrsgünstig gelegen": Im Extremfall ist vor der Haustür der Hauptbahnhof mit dem entsprechenden Milieu. Oder es führt vor dem Gebäude eine Hauptverkehrsstraße und hinter dem Garten eine viel befahrene Eisenbahnstrecke vorbei.
"Verkehrsgünstig gelegen": Im Extremfall ist vor der Haustür der Hauptbahnhof mit dem entsprechenden Milieu. Oder es führt vor dem Gebäude eine Hauptverkehrsstraße und hinter dem Garten eine viel befahrene Eisenbahnstrecke vorbei. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Unverbaute Lage": Das sagt nur, wie jetzt der Blick aus dem Fenster ist – nicht, dass er auch immer frei sein wird.
"Unverbaute Lage": Das sagt nur, wie jetzt der Blick aus dem Fenster ist – nicht, dass er auch immer frei sein wird. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Seriöses Umfeld": Tagsüber ist wegen der Kundschaft der vielen Büros, Kanzleien und Praxen nebenan eifriges Parkplatzsuchen angesagt – abends riesige Langeweile, nachdem die Bürgersteige hochgeklappt wurden.
"Seriöses Umfeld": Tagsüber ist wegen der Kundschaft der vielen Büros, Kanzleien und Praxen nebenan eifriges Parkplatzsuchen angesagt – abends riesige Langeweile, nachdem die Bürgersteige hochgeklappt wurden. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Nur 20 Autominuten bis zur City": Die Betonung liegt auf Auto! Die Immobilie liegt außerhalb. Planen Sie mit Ampeln und Stau die doppelte Dauer ein, aber nicht die Existenz öffentlicher Verkehrsmittel!
"Nur 20 Autominuten bis zur City": Die Betonung liegt auf Auto! Die Immobilie liegt außerhalb. Planen Sie mit Ampeln und Stau die doppelte Dauer ein, aber nicht die Existenz öffentlicher Verkehrsmittel! © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Umgebung mit hohem Freizeitwert": Stellen Sie sich am Land auf Scharen von Wochenendausflüglern und wenig Parkplätze für ihren Besuch ein. Die Freizeit der anderen meint nicht unbedingt auch Ihre Erholung! In der Stadt könnte sich hinter dem Code ein Szeneviertel mit lauten Kneipen verstecken.
"Umgebung mit hohem Freizeitwert": Stellen Sie sich am Land auf Scharen von Wochenendausflüglern und wenig Parkplätze für ihren Besuch ein. Die Freizeit der anderen meint nicht unbedingt auch Ihre Erholung! In der Stadt könnte sich hinter dem Code ein Szeneviertel mit lauten Kneipen verstecken. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Gute Einkaufsmöglichkeiten direkt vor der Tür": Nebenan liegt eine Einkaufsstraße – mitsamt frühmorgendlichem Lieferverkehr.
"Gute Einkaufsmöglichkeiten direkt vor der Tür": Nebenan liegt eine Einkaufsstraße – mitsamt frühmorgendlichem Lieferverkehr. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Familienfreundliche Wohngegend": Hier quietschen die vielen Kinder tagsüber draußen vor Glück und quäken nachts aus ihren Zimmern. Nichts für ältere Interessenten auf der Suche nach einer ruhigen Lage.
"Familienfreundliche Wohngegend": Hier quietschen die vielen Kinder tagsüber draußen vor Glück und quäken nachts aus ihren Zimmern. Nichts für ältere Interessenten auf der Suche nach einer ruhigen Lage. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Individuelle Bauweise" oder "Individuelle Gestaltung der Wohnung": Dem Vorbesitzer mag der eigentümliche Bau und der Zuschnitt des Objekts zugesagt haben. Individuell sind daher für Sie möglicherweise vor allem die hohen Umbaukosten – oder Einschränkungen bei der Nutzung. Der Wiederverkauf ist schwierig.
"Individuelle Bauweise" oder "Individuelle Gestaltung der Wohnung": Dem Vorbesitzer mag der eigentümliche Bau und der Zuschnitt des Objekts zugesagt haben. Individuell sind daher für Sie möglicherweise vor allem die hohen Umbaukosten – oder Einschränkungen bei der Nutzung. Der Wiederverkauf ist schwierig. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Experimenteller Wohnungsbau": Da ging was ordentlich schief, weshalb das Objekt jetzt zum Verkauf steht. Obacht!
"Experimenteller Wohnungsbau": Da ging was ordentlich schief, weshalb das Objekt jetzt zum Verkauf steht. Obacht! © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Versetzte Wohnebenen": Hier ist eher ständiges steigen als sitzen gemeint – über viele Stufen! Schlecht für Kranke und Ältere.
"Versetzte Wohnebenen": Hier ist eher ständiges steigen als sitzen gemeint – über viele Stufen! Schlecht für Kranke und Ältere. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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"Gut erhalten": Gut heißt nicht sehr gut – also Geld für Renovierungen einplanen! © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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"Liebhaberobjekt": Sie werden es womöglich hassen! Denn die Immobilie ist stark renovierungs- und sanierungsbedürftig. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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"Teilrenoviert": Den frischen Anstrich gibt’s gratis zum Objekt, vielleicht auch die neuen Heizkörper. Aber sonst dürfen Sie alles selbst machen – und bezahlen. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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"Luxuriöse Sanierung": Mit dem überhöhten Preis der Immobilie und einzelnen, vor allem gut aussehenden Sanierungen will der Verkäufer vor allem sich selbst mehr Marmor in seinen vier Wänden leisten. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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"Flachdachbungalow": Sparen Sie schon mal. Denn bald könnte es hinein regnen. Oft steckt dahinter, dass eine Sanierung oder ein neues Dach nötig ist. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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"Biotop im Garten": Natur pur kann auch einen stinkenden Tümpel bedeuten – oder eine Lebensaufgabe für Hobbygärtner. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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"Unter Denkmalschutz": Denk vor allem an den Denkmalpfleger! Denn er ist der heimliche Herr im Haus: Ohne seine Zustimmung kann kaum etwas verändert werden.  © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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"Schnäppchen für Schnell­entschlossene": Hier liegt der absolute Laden­hüter. Und deshalb will der Verkäufer mit der Formulierung Zeitdruck aufbauen. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Mit frei werdender Einliegerwohnung": Das könnte Ansichtssache sein – fragen Sie lieber den Mieter, ob er das wirklich auch so sieht.
"Mit frei werdender Einliegerwohnung": Das könnte Ansichtssache sein – fragen Sie lieber den Mieter, ob er das wirklich auch so sieht. © Jens Schieren beck/dpa/tmn

Die tz fragte beim Wohnungsamt München und beim Jobcenter nach, ob nicht wenigstens bald eine behindertengerechte Sozialwohnung gefunden werden könnte. Beide Stellen betonten, dass ihnen sehr daran gelegen sei, eine „gute Lösung“ für Karina Celik-Steinert zu finden. „Wir müssen bedenken,dass eine Zwangsräumung mit anschließender Unterbringung in einer Pension im Endeffekt sogar viel teurer werden könnte“, sagt der Sprecher des Jobcenters.

Karina Celik-Steinert hofft, dass die Behörden die Aussichtslosigkeit ihrer Wohnungssuche anerkennen und sie unterstützen, statt ihr nur ständig Druck zu machen. „Ich bin völlig ratlos und packe das nervlich nicht mehr“, sagt die 38-Jährige.

Susanne Sasse

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