Tipps gegen den Rauswurf

Die Bauspar-Rausschmeißer: So wehren sie sich

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Wer alte Bausparverträge hat, steht oft gut da - auch wenn es gar nicht um den Hausbau, sondern um Zinsen geht.

München - Die Bausparkassen versuchen, ihre Kunden loszuwerden, die noch Altverträge mit 3,5 Prozent Zinsen und mehr haben. Das sind ihre Maschen und so können Sie sich wehren:

Die Landesbausparkasse LBS Bayern räumte am Montag bei ihrer Jahrespressekonferenz in München ein, dass sich nicht alle Kunden den Rausschmiss gefallen lassen: Rund 1100 Kunden haben Einspruch gegen die Kündigung ihres Vertrages erhoben. In den vergangenen Wochen hatte die LBS 26.000 ältere Bausparverträge gekündigt. „Spaß hat das nicht gemacht“, sagte dazu LBS-Vize Helmut Straubinger. Betroffen waren Verträge, die seit mehr als zehn Jahren zuteilungsreif sind, von den Kunden aber nicht in Anspruch genommen wurden. Auch die Konkurrenten wie Wüstenrot, Aachener oder BHW haben bereits Altkunden rauszuschmeißen versucht. Für die tz listet die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg die Maschen der Bausparkassen auf und gibt Tipps, wie und unter welchen Voraussetzungen Sie sich gegen solch einen Rauswurf wehren können.

  • Masche 1:

So hat es jetzt auch die LBS gemacht. Laut Verbraucherschützer Niels Nauhauser ist noch nicht letzt­instanzlich geklärt, ob dies rechtens ist. Entscheidend ist: Solange Verbraucher noch einen Darlehensanspruch haben, haben sie sehr gute Chancen, sich zu wehren. In einigen Bauspartarifen haben die Kunden nämlich sogar dann noch einen festen Darlehensanspruch (beispielsweise in Prozent der Bausparsumme), wenn die Bausparsumme erreicht ist. Wer eine Rechtsschutzversicherung habe oder die Kosten eines Verfahrens selber tragen könne, sollte sich Rat bei einem Anwalt holen. Eine andere, kostenlose Möglichkeit ist, die Schlichtungsstelle der jeweiligen Bausparkasse anzurufen.

  • Masche 2:
LBS-Vize Helmut Straubinger.

Einige Vertreter versuchen, Bausparer mit Prämien oder Sonderzahlungen in Alternativverträge zu locken. Die Verbraucherschützer sehen darin eine „dreiste Vorgehensweise in der Grauzone zur Falschberatung“. Denn in der Regel böten die neuen Verträge viel schlechtere Konditionen: Wer einen Bausparvertrag mit Bonuszinsen hatte, verliert nicht nur diesen Zinsvorteil, sondern muss zum Teil auch einen Teil der Guthabenzinsen zurückzahlen. „Dieser Verlust ist nichts anderes als eine extra Gebühr für die Bauspardarlehen, die aber nicht im Effektivzins enthalten ist“, so Nauhauser.

  • Masche 3:

Die Aussichten, sich zu wehren, sind laut Verbraucherzentrale „tendenziell gut, hängen aber vom Wortlaut des Vertrages ab“. Es gibt auch hier noch keine wegweisende Rechtsprechung.

  • Masche 4:

Die Bausparkassen behaupten oft, dass nach Erreichen des vertraglich vereinbarten Mindestsparguthabens jede weitere Sparleistung eine Sonderzahlung sei, die einer Zustimmung durch die Bausparkasse bedürfe. Hier können sich Kunden mit guten Erfolgsaussichten wehren, so die Verbraucherzentrale – „insbesondere, wenn es sich um Verträge handelt, die auch mit dem Argument einer attraktiven Bonusverzinsung als Geldanlage verkauft wurden“.

  • Der Verbrauchertipp:
  • Die Gefahr: Etliche Bausparkassen geraten dadurch in Schieflage, dass sie Altkunden in Zeiten der Niedrig-Zinsen relativ gute 3,5 Prozent zahlen müssen. So muss die LBS erstmals in ihrer Geschichte 50 der 630 Arbeitsplätze streichen. Die Finanzaufsicht Bafin wirbt laut Wirtschaftswoche deshalb im Bundesfinanzministerium dafür, das Bausparkassengesetz so zu ändern, dass Altsparern leichter gekündigt werden kann. Finanzminister Wolfgang Schäuble schrecke jedoch vor einer solchen „Generalermächtigung“ zurück.

tz-Stichwort Bausparen

Seit dem 19. Jahrhundert hat sich das Bauspar-Prinzip im Kern nicht verändert: Arbeiter und Angestellte schlossen sich damals zusammen, weil sie erkannten, dass der Traum vom Eigenheim gemeinsam einfacher zu verwirklichen ist. Wenn alle für sich sparen, dauert es nämlich Jahrzehnte, bis genügend Geld für eine Immobilie beisammen ist. Wenn aber alle in einen Topf einzahlen, verringert sich die Wartezeit, bis gebaut werden kann, für alle. Das Grundprinzip hat sich seither nicht geändert: Bereits beim Abschluss wird die Guthabenverzinsung sowie die Kreditverzinsung, die bei der Rückzahlung des Darlehens fällig ist, festgelegt. Das gibt Zinssicherheit auf Jahre im Voraus.

KR

Sparer mit gut verzinsten Altverträgen sollten versuchen, unterhalb der Grenze zu bleiben, bei der die gesamte Bausparsumme angespart ist. Denn bei einem voll besparten Vertrag kann man sich nur noch schwer gegen den Rauswurf wehren. „Soweit vertraglich zulässig, setzen Sie die monatlichen Beträge aus und lassen den Vertrag liegen“, so Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale NRW. Bausparkasse verweigert die Annahme weiterer Sparleistungen Bausparkasse verweigert Bonuszins bei übersparten Verträgen Bausparkasse lockt Kunden in „bessere“ Verträge Bausparkasse kündigt zehn Jahre nach Erreichen der Zuteilungsvoraussetzungen

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