Der große Nebenkostenvergleich

Bittere Wahrheit: So viel Lohn frisst unsere Miete

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Oft ein Schock: die Nebenkostenabrechnung.

München - Wie teuer ist Wohnen in München? Die Mieten seien zwar langsamer gestiegen als die Löhne, meint ein Experte. Überproportional gewachsen seien hingegen die Nebenkosten. Und bei beiden Posten kassieren Stadt und Staat kräftig mit.

Gleichzeitig knausert die öffentliche Hand bei denen, die sich die Mieten am wenigsten leisten können: In München zahlt der Staat immer weniger Wohngeld aus, obwohl es immer mehr Bedürftige gibt. Anlässlich der Jahreshauptversammlung des Münchner Haus + Grundbesitzervereins forderte ­Stürzer am Mittwoch die Einführing eines kommunalen Wohngeldes. Lesen Sie hier alle Fakten dazu:

Staat kassiert 1,1 Milliarden ab

Rudolf Stürzer.

Wenn Münchens Vermieter die Preise erhöhen, kassieren auch Stadt und Freistaat kräftig mit. Haus+Grund-Chef Rudolf Stürzer rechnet vor: „In München gibt es 600.000 Mietwohnungen mit insgesamt 45 Millionen Quadratmetern Fläche.“ Bei einer Durchschnittsmiete von elf Euro zahlen die Münchner rund sechs Milliarden Euro jährlich.

Davon kassiert der Staat über die Einkommenssteuer 1,1 Milliarden Euro mit. 15 Prozent davon bekommen die Stadt ausbezahlt, das sind 165 Millionen Euro! Den Rest teilen sich Bund und Bayern auf.

So verteuerte sich die 2. Miete.

Im Schnitt stiegen die Münchner Mieten um drei Prozent pro Jahr. Stürzer: „Das bringt dem Fiskus jedes Jahr Mehreinnahmen von über32 Millionen Euro.“ Andere Steuern hat Stürzer gar nicht berücksichtigt. Was ihm auffällt: „Wenn es um die Auszahlung von Wohngeld für Haushalte mit geringem Einkommen geht, knausert der Staat.“ In München wurden vergangenes Jahr 8,86 Millionen Euro an 7231 Haushalte am Wohngeld ausbezahlt, das heißt: Der Durchschnittsbetrag pro Haushalt sank von 170 auf 102 Euro im Jahr. Stürzer fordert darum die Erhöhung des Wohngeldes, da das nur 30 000 Haushalte beträfe (siehe unten).

Nebenkosten: So stark steigen sie

Anteil der Miete am Einkommen.

Ist Wohnen in München wirklich so teuer? Nach den Zahlen der Stadt ist der durchschnittliche Anteil der Miete am Einkommen der Bürger von 1993 bis 2013 von 30 Prozent auf 23 Prozent gesunken. Sprich: Die Einkommen stiegen stärker als die Mieten. Viel stärker sind hingegen die Nebenkosten gestiegen, bei denen Stadt und Stadtwerke kräftig kassieren. So verteuerte sich das Gas um 154 Prozent, aber auch die Grundsteuer wurde kräftig erhöht (siehe oben). Die Fernwärme, bei der die SWM das Monopol besitzen und bei der es keine Preistransparenz gibt, ist laut Haus+Grund-Chef Rudolf Stürzer am Teuersten. Er spricht von „Preistreiberei“. Die SWM erwirtschafteten Millionengewinne, die sie an die Stadt abführen. Zusätzlich würden durch Durchleitungsgebühren fürs Gas jährlich 100 Millionen Euro bezahlt. Stürzer: „Das heißt, dass der Gaskunde mehr zur Finanzierung öffentlicher Aufgaben herangezogen wird als der Ölkunde oder der, der mit Pellets heizt.“

So viel lassen die Mieten den Münchnern übrig

So hart trifft es niedrige Einkommen.

Ein Blick in die Statistik zeigt, dass sich die Münchner ihre Kaltmieten im Durchschnitt besser leisten können als die Berliner. Rund 23 Prozent des Einkommens müssen die Münchner für ihre Bleibe hinblättern. In Berlin sind es fast 30 Prozent! Ansonsten bewegt sich die Stadt etwa auf dem Niveau des Bundes und der Nachbarlandkreise. Nur in Augsburg und Nürnberg bleibt den Menschen mehr Geld. Was für München auffällt: Der Anteil der Miete am Gesamteinkommen wächst, je weniger Geld monatlich in die Kasse kommt. Während die Mietkosten bei einem Haushalt mit einem Einkommen über 6000 Euro keine 15 Prozent ausmachen, legen Geringverdiener mit einem Einkommen unter 1500 Euro über 40 Prozent ihrer Einkünfte für die Miete hin. Laut Haus+Grund-Chef Rudolf Stürzer handelt sich dabei um rund 30 000 Haushalte, denen die Stadt mit einem kommunalen Wohnungsgeld unter die Arme greifen könnte. Eine Preisspirale würde das nicht auslösen: „Dem Vermieter ist es egal, wie viel Geld Sie zur Verfügung haben, solange er die Miete bekommt.“

Johannes Welte

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