Dauerstreit in Milbertshofen

Der große Zoff um die Stromleitung

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Das Foto zeigt K. in seiner Küche mit der Herd-Zuleitung.

München - "Da bestand Lebensgefahr – theoretisch hätte ich beim Duschen jederzeit einen Stromschlag bekommen können", erklärt Konstantin K. aus Milbertshofen. Bei ihm tobt ein Dauerstreit um die Stromleitung.

Eigentlich wär’s ja ein Grund zur Freude gewesen – aber nicht für Taxifahrer Konstantin K. (67) … Er war schockiert, als sein Vermieter im vergangenen Winter nach einem jahrelangen Streit sein Bad sanieren ließ. Er sagt: „Über der Wasserleitung im Bad befand sich eine Starkstromleitung. Da bestand Lebensgefahr – theoretisch hätte ich beim Duschen jederzeit einen Stromschlag bekommen können.“ Seiner Meinung nach sind auch die anderen 15 Parteien in dem Mietshaus in Milbertshofen gefährdet, da in den 1970er-Jahren die Starkstromleitungen für die Elektroherde in jeder Wohnung durch das Bad verlegt worden seien.

Stimmt das und geht von einem Mietshaus tatsächlich Lebensgefahr aus, etwa durch beschädigte Stromleitungen, baufällige Balkone oder ähnliches, dann können besorgte Mieter die Lokalbaukommission einschalten, erklärt Bernd Plank, Sprecher des Kommunalreferats. Er sagt: „Die Experten schauen sich den Fall vor Ort an und erlassen im Ernstfall eine Sanierungsverfügung.“ Mietrechtsexpertin Anja Franz stellt klar, dass Vermieter ganz grundsätzlich verantwortlich und haftbar sind, falls einem Mieter etwas passiert und der Vermieter nichts unternommen hat, obwohl er Kenntnis von einem gefährlichen Mietmangel hatte. „Der Vermieter hat eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Mietern und muss dafür sorgen, dass sie keinerlei Gefahren ausgesetzt sind“, erklärt die Mieterschützerin.

Diese Fotos hat K. selbst während der Sanierung aufgenommen. Er sagt: „Sie zeigen Leitungen im Bad“.

Der Vermieter streitet im Fall von Konstantin K. allerdings ab, dass marodeStarkstromleitungen seine Mieter gefährden. „Wir verwahren uns gegen den Vorwurf, dass Lebensgefahr besteht. In den Bädern sind keine Starkstromleitungen.“ Für die tz war nicht zu klären, wer Recht hat. Das Mietshaus ist laut dem Eigentümer Baujahr 1964 und damit kein Neubau, aber es entspricht den Sicherheitsnormen. Seit langem bestünden Konflikte mit Mieter K.: „Wir haben da ordnerweise Korrespondenz.“ Das Bad sei nicht der einzige Streitfall: Ob Konstantin K. Anspruch darauf hat, eine neue Einbauküche zu bekommen, muss bald das Münchner Amtsgericht entscheiden, denn K. hat seinen Vermieter dort verklagt.

Diese Fotos hat K. selbst während der Sanierung aufgenommen. Er sagt: „Sie zeigen Leitungen im Bad“.

Er lebt bereits seit 40 Jahren in seiner 72-Quadratmeter-Wohnung in der Dülferstraße – dank seines alten Mietvertrags auch zu einer sehr günstigen Miete von monatlich 612 Euro warm. „Ich weiß, das ist günstig – aber trotzdem habe ich das Recht, dass der Vermieter die Wohnung in Stand hält. Die Küche ist seit Anbeginn drinnen und muss erneuert werden“, sagt er. Im Winter ließ der Vermieter auf sein Verlangen die Wohnung sanieren. K. bekam ein neues Bad, außerdem wurden Fenster und Türen gestrichen.

„Bei der Küche haben wir einen Strich gezogen, weil wir der Meinung sind, der Mieter hat selbst sehr dazu beigetragen, dass sie abgewohnt ist“, sagt der Vermieter …

Der Mieter hält dagegen, dass die Küche einfach zu alt sei und auch eine gute Pflege nichts geändert hätte. Wer von beiden in dieser Sache Recht hat, muss nun das Gericht entscheiden. „Mieter haben schon einen Anspruch, dass abgewohnte Bäder, Teppiche oder Küchen erneuert werden – aber pauschal kann man nichts sagen. Das sind immer Einzelfallfragen“, sagt Anja Franz.

Susanne Sasse

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