5400 Münchner Wohnungen betroffen

Neuer Häuser-Gigant: Was bedeutet das für die Mieter?

+
Das Haus in der Zaubzerstraße in Bogenhausen gehört der  Deutschen Annington.

München - Es ist die Verlobung zweier Riesen. Die Deutsche Annington und die Gagfah, zwei der größten Immobilien-Unternehmen der Republik, wollen sich zusammenschließen.

Es ist die Verlobung zweier Riesen. Die Deutsche Annington und die Gagfah, zwei der größten Immobilien-Unternehmen der Republik, wollen sich zusammenschließen. Wenn’s klappt, entsteht ein Mega-Konzern – der zweitgrößte seiner Art auf dem europäischen Festland, zusammen 350.000 Wohnungen im Wert von 21 Milliarden Euro mit über einer Million Bewohnern. Und die Mieter machen sich Gedanken: Was wird aus uns? Ist das gut, schlecht, gefährlich – oder einfach egal? Beide Unternehmen wollen mit ersten Stellungnahmen beruhigen: „Mieter profitieren weiterhin von bezahlbarem Wohnraum und Investitionen in energetische Sanierung und Schaffung altersgerechten Wohnraums.“ Der Deutsche Mieterbund betonte zwar, es gebe keine Möglichkeiten für neue oder zusätzliche Mieterhöhungen. Der rechtliche Rahmen bleibt ja unabhängig von der Unternehmensgröße bestehen. Allerdings: Der Münchner Mieterverein fürchtet Nachteile für die Mieter (siehe unten). Und: Es geht bei uns um richtig viele Wohnungen! Zusammen beläuft sich der Bestand von Deutscher Annington und Gagfah in München auf rund 5400 Appartments mit geschätzt über 10.000 Bewohnern.

Das Geschäft ist noch nicht unter Dach und Fach. Vorher müssen die Kartellbehörden grünes Licht geben. Dann kann die Deutsche Annington Aktien der Gagfah kaufen. Kommt sie auf über 50 Prozent, ist die Sache durch. Die Idee: Durch den Zusammenschluss wollen die beiden Geld sparen (Synergien nutzen). Zudem erhofft man sich günstigere Kredite, wenn das Kombi-Unternehmen von Finanz-Spezialisten stärker eingeschätzt wird als die zwei einzelnen. Der Hauptsitz des Konzerns soll im Einzugsbereich der bisherigen Zentralen der Firmen liegen (Mülheim/Ruhr, Bochum).

Deutsche Annington: Rund 5000 Wohnungen in München

Die Deutsche Annington (der Name kommt von der britischen Schwesterfirma Annington Homes) hat ihre Wurzeln in Wohnungsgesellschaften und Genossenschaften, die für Arbeiter, Angestellte und Beamte der damaligen Reichsbahn erschwinglichen Wohnraum bauten. Nach einer Reihe von Zukäufen kommt das Unternehmen heute auf ­insgesamt rund 210.000 Wohnungen in Deutschland. Dazu gehören etwa 5000 in München – wie etwa in dem Haus an der Zaubzerstraße (­Bogenhausen).

Gagfah: Rund 400 Wohnungen in München

Die Gagfah ist aus der 1918 gegründeten Gemeinnützigen Aktien-Gesellschaft für Angestellten-Heimstätten hervorgegangen. Die Gagfah mit bundesweit 81.000 Wohnungen war 2004 von der BfA an den Finanzinvestor Fortress verkauft worden. Der neue Eigentümer stockte den Besitz auf (aktuell rund 141.000 Wohnungen), bevor er das Unternehmen 2006 an die Börse brachte und vor einigen Monaten wieder ausstieg. In München hat die Gagfah rund 400 Wohnungen, das Foto (von 2012) zeigt einen Block in Aschheim.

Das sagen die beiden Konzerne

Rolf Buch, Chef der Deutschen Annington, versichert: „Ich persönlich stehe dafür ein, dass die Neuausrichtung Wertsteigerung durch Mieterorientierung auch im zusammengeschlossenen Unternehmen konsequent weiter geführt wird.“ Gagfah-Chef Thomas Zinnöcker, der im neuen Unternehmen Buchs Vize werden soll, sagt: „Unseren Mietern kann ich versprechen, dass die Gagfah alle abgeschlossenen Vereinbarungen einhält und dass die gemeinsame Gesellschaft sich an ihrem Anspruch als sozial verantwortlicher Vermieter messen lässt.“ Wie der neue Immobilien-Gigant heißen soll, ist noch nicht raus. Die Konzernzentrale soll ihren Sitz im Ruhrgebiet haben.

Das sagt der Mieterverein

Anja Franz, Rechtsexpertin des Münchner Mietervereins, sagt: „Bei einer Fusion dieser Größenordnung wollen Konzerne immer Kosten sparen – und das geht zu Lasten der Mieter, die dann negative Konsequenzen fürchten müssen.“ Und Beatrix Zurek, Vorsitzende des Bayerischen Mieterbundes, sagt über den geplanten Zusammenschluss: „Ich bin skeptisch – zum Beispiel, was die Instandsetzung und das Ausschöpfen rechtlicher Möglichkeiten angeht.“ Hintergrund: Für Mieterhöhungen gibt es eine gesetzliche Obergrenze. Dem Vermieter bleibt es überlassen, ob er diesen Spielraum voll ausnutzt. Anja Franz meint: „Die Deutsche Annington und die Gagfah sind sicher nicht die Heilsarmee …“

T. Scharnagl, U. Heichele

Auch interessant

Meistgelesen

Darum drohen Ihnen bis zu 100.000 Euro Bußgeld, wenn Sie jetzt Hecken schneiden
Darum drohen Ihnen bis zu 100.000 Euro Bußgeld, wenn Sie jetzt Hecken schneiden
Putz-Trick für Toiletten: So haben braune Ablagerungen im Klo keine Chance
Putz-Trick für Toiletten: So haben braune Ablagerungen im Klo keine Chance
Wann und wie oft muss ich den Rasen düngen?
Wann und wie oft muss ich den Rasen düngen?
Abfluss frei: Dieser Geheim-Tipp macht es möglich
Abfluss frei: Dieser Geheim-Tipp macht es möglich

Kommentare