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Grafik zeigt Münchner Wohnungs-Debakel

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Von: David Costanzo

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Die Zahl der günstigen Wohnungen in München hat einen Tiefststand  erreicht. © fkn

München - Münchens größte Mietstudie offenbart einen alarmierenden Engpass: Die Preise türmen sich immer weiter auf und die Zahl der günstigen Wohnungen erreicht einen Tiefststand!

Früher lief das in München so: Die Preise für Wohnungen stiegen fünf Jahre und fielen fünf Jahre wieder, um dann wieder fünf Jahre zu steigen. Alle zehn Jahre erreichten die Mieten eine Spitze. Auch wenn sich die Welle zu immer neuen Rekorden aufschaukelte, konnten man sich auf den Abschwung verlassen. 1990 lief das so, 2000 auch – seit 2010 gilt das Naturgesetz aber nicht mehr. Die Preise türmen sich immer weiter auf und die Zahl der günstigen Wohnungen erreicht einen Tiefststand!

Ein Hilferuf nach bezahlbaren Bleiben: So steht es im neuen „Bericht zur Wohnungssituation“ des Planungsreferats, der nächste Woche im Rathaus vorgestellt wird und der tz vorliegt. „Wohnen in München muss bezahlbar bleiben“, schreibt Stadtbaurätin Elisabeth Merk im Vorwort. „Die Stadt München zieht alle Register, um den Anteil an preiswertem Wohnraum zu schützen und den Neubau zu fördern.“

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Nettomieten bei Wiedervermietung: (GRAFIK VERGRÖßERN)

Für die Vergangenheit spricht ihr eigener Bericht eine andere Sprache: „Ein wesentliches Kennzeichen der Entwicklung ist der Rückgang der preisgünstigen Wohnungen.“ Das betrifft zwar vor allem den luxussanierten und umgewandelten Bestand von Investoren auf dem freien Markt, aber auch die „Eingriffsreserve“ der Stadt. Dazu gehören Sozialwohnungen und die weiteren Wohnungen der städtischen Gesellschaften GWG und Gewofag, die auch nur für 6,25 Euro pro Quadratmeter kalt vermietet werden.

Der Bericht offenbart einen dramatischen Rückgang: „Die Zahl der Sozialmietwohnungen und sonstigen Belegrechtswohnungen der städtischen Gesellschaften ist von ca. 120 000 im Jahr 1980 auf heute nur noch rund 75 000 geschrumpft.“ Noch vor zehn Jahren waren fast 13 Prozent aller Apartments im Mietpreis gebunden, zuletzt waren es nicht einmal mehr zehn Prozent. Die Quote ist im Bundes-Vergleich aber immer noch hoch: Nur Hamburg hat mehr geförderte Bleiben.

Das Prinzip Sozialwohnung und der Grund für den Rückgang: In München gehört jede zweite Wohnung Unternehmen, die billige Baukredite vom Staat bekamen und im Gegenzug nur kleine Mieten verlangen. Wenn die Darlehen auslaufen, fallen die Wohnungen aus der Preisbindung. Das ist derzeit massenhaft der Fall – ohne dass genügend neue dazukommen.

Was tut die Stadt? Merk verweist auf das fünfte Wohnungsprogramm. Bis 2016 soll der Wohnungsbau mit 800 Millionen Euro gefördert werden – 1800 Sozialwohnungen sollen pro Jahr entstehen. Im Bericht heißt es: „Angesichts der aktuellen Ausgangssituation ist davon auszugehen, dass es einen sehr langen Atem braucht.“

David Costanzo

Nur noch 74 000 günstige Wohnungen

StadtbezirkeSozialwohnungenWeitere städtische Wohnungen
Altstadt-Lehel190259
Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt435211
Maxvorstadt448347
Schwabing West120645
Au-Haidhausen2124465
Sendling7901023
Sendling-Westpark18261503
Schwanthalerhöhe1855345
Neuhausen-Nymphenburg21163681
Moosach15421779
Milbertshofen-Am Hart44203663
Schwabing-Freimann3781108
Bogenhausen1092246
Berg am Laim15853402
Trudering-Riem301535
Ramersdorf-Perlach67464245
Obergiesing-Fasangarten9162175
Untergiesing-Harlaching6541077
Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln1250688
Hadern1619896
Pasing-Obermenzing2004481
Aubing-Lochhausen-Langwied156884
Allach-Untermenzing3249
Feldmoching-Hasenbergl15981589
Laim11431877
München44 24730 233
Quelle: Planungsreferat, Bericht zur Wohnungssituation 2010-2011

„Es gibt keine schnelle Lösung“

Alle zwei Jahre erscheint der „Bericht zur Wohnungssituation in München“ – kommende Woche steht im Rathaus die verspätete Version für die Jahre 2010 und 2011 auf der Tagesordnung. Auf über 130 Seiten beleuchten Stadtbaurätin Elisabeth Merk und ihr Planungsreferat alle Seiten des Marktes – Münchens größte Wohnstudie. Die Fakten und die Ursachen für die Lage:

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

- München ist attraktiv. Allein in den beiden Jahren des Berichtszeitraums wuchs die Zahl der Wohnberechtigten (inklusive Zweitwohnsitze) um 3,3 Prozent auf 1 437 267 Einwohner. Mittlerweile ist München sogar fast schon eine 1,5 Millionen-Stadt! Grund sind die Zua­groasten und die immer neuen Geburten-Rekorde. „München ist im Vergleich zu vielen anderen Regionen in Deutschland in einer beneidenswerten Situation“, heißt es im Bericht.

- Gleichzeitig war der Dämpfer der Finanzkrise in München nur von kurzer Dauer. Die Kaufkraft steigt – Ende 2011 verdiente ein Münchner im Durchschnitt 37,2 Prozent mehr als die Menschen im Rest der Republik. Tendenz steigend.

- Mit diesem Wachstum können die Wohnungen nicht mithalten. Im Berichtszeitraum wuchs der Bestand an Wohnungen nur um 0,9 Prozent auf 756 385. Hier zeigt sich in zwei Jahren schon eine Entwicklung, die langfristig zu den Horror-Mieten führte. Immer mehr Menschen konkurrieren um den bestehenden Wohnraum. Die Preise steigen! Im Zentrum werden leicht 15 Euro pro Quadratmeter kalt fällig.

- Die Kehrseite der Medaille: Die Zahl der Münchner mit Anspruch auf eine Sozialwohnung ist groß. „Die Vormerkzahlen sind in den letzen Jahren mit über 10 000 auf sehr hohem Niveau verblieben und es ist nicht absehbar, dass hier ein Rückgang erfolgt“, steht im Bericht. Die Not wird immer größer, denn der Anteil der Menschen mit der höchsten Dringlichkeitsstufe 1 nimmt stetig zu. Dabei wurden 2011 nur 3000 Sozialwohnungen neu vergeben! Damit zumindest die dringlichsten Fälle mittelfristig eine günstige Bleibe bekommen, brauche es mindestens 1300 neue Sozialwohnungen pro Jahr, davon 900 für die untersten Einkommensgruppen. „Kurzfristig wird sich keine schnelle Lösung abzeichen“, mahnt der Bericht. München – reiche Stadt mit armen Mietern.

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