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Dieser Brief macht GBW-Mietern Angst

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Von: David Costanzo

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Was soll das? Marjeta Merdzo (76) hat Post von der GBW bekommen. © Jantz

München - Marjeta Merdzo (76) hatte es im Briefkasten, ihre Nachbarn an der Dülferstraße auch. Jetzt diskutiert das Hasenbergl: Was soll das neue Schreiben der GBW bedeuten?

Nachzahlung bei den Nebenkosten, Mieterhöhungen: Briefe vom Eigentümer bringen meist schlechte Nachrichten – erst recht im Fall der leidgeprüften GBW-Mieter, 11 000 Haushalte in und um München, 33 000 in Bayern. Jetzt macht ein neues Schreiben den Nachbarn Angst!

Marjeta Merdzo (76) hatte es im Briefkasten, ihre Nachbarn an der Dülferstraße auch. Jetzt diskutiert das Hasenbergl: Was soll das bedeuten?

Der erste Satz der GBW lautet wörtlich: „Wie Sie aus der Presse erfahren haben, hat die Bayerische Landesbank ihren Anteil an der GBW an die Pearl AcquiCo Eins GmbH & Co. KG und an die Pearl AcquiCo Zwei GmbH & Co. KG veräußert.“

Pearl? Eins? Zwei? Das ist Marjeta Merdzo neu. Bislang brüstete sich die Augsburger Patrizia AG, dass ihr Konsortium für fast 2,5 Milliarden Euro den Zuschlag erhalten habe. „Jetzt haben sie uns doch schon weiterverhökert“, sei ihr erster Gedanke gewesen. „Jetzt gibt es keine Chance, dass die Stadt uns retten kann!“

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Da hat sie die GBW aber in die Irre geführt: Denn die Gesellschaften mit den merkwürdigen Namen entsprechen dem Konsortium, das im April 2013 die GBW gekauft hat. Es gibt also nichts Neues, bestätigt der Mieterverein. Die GBW gab auf Anfrage der tz keine Stellungnahme ab.

Grund zur Beruhigung, aber auch zur Unruhe: „Dahinter steckt offenbar ein weitverzweigtes Netz an Gesellschaften bis ins Ausland“, sagt Mietervereinschefin Beatrix Zurek (SPD). Beteiligt sei etwa eine Blitz 13-308 GmbH.

Über diese Verwirrung geht der Inhalt des Schreibens unter: Eigentlich wollte die GBW mitteilen, dass sie drei Schutzklauseln jetzt endlich im Mietvertrag zusichert: Kündigungen wegen Eigenbedarfs oder etwa zum Abriss und Neubau sind auf zehn Jahre ausgeschlossen. Mieter ab einem Alter von 60 Jahren sind unkündbar. Luxussanierungen sind bis 2018 nicht möglich.

Die helfen den Bewohnern – aber laut Mieterverein ist der zusätzliche Schutz gering, weil Mieterhöhungen weiter ganz normal möglich sind. Marjeta Merdzo zahlt seit Januar 14 Prozent mehr – 745 Euro warm für 65 Quadratmeter.

David Costanzo

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