Fertighaus gleich Fertighaus?

Modernen Fertighäusern sieht man ihre Bauweise nicht mehr an, denn die Entwicklung bleibt und blieb nicht stehen.
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Modernen Fertighäusern sieht man ihre Bauweise nicht mehr an, denn die Entwicklung bleibt und blieb nicht stehen.

Auf der Beliebtheitsskala der Häuslebauer schießen Fertighäuser seit Jahren von Rekord zu Rekord. Das sorgt auch dafür, dass die Bauweisen sich vervielfältigen

Keine Frage: Die Zeiten, als jemand, der ein Fertighaus bauen wollte, schief angesehen wurde, sind ebenso passé wie die ziemlich einheitlichen und manchmal qualitativ schlechteren Designs vergangener Jahrzehnte. Kein Wunder, dass der Marktanteil von Fertighäusern mittlerweile bei knapp 20 Prozent liegt, Tendenz weiter steigend. Doch dieses Mehr resultiert aus und ist gleichzeitig Grund für eine Diversifizierung der Bauweisen. Klar, je mehr Fertighäuser entstehen, desto breiter muss die Angebotspalette sein, weil kein Kunde, der gerade einen sechsstelligen Betrag für „sein“ Haus ausgegeben hat, sehen möchte, wenn in seiner Straße zwei weitere identische Häuser errichtet werden. Hinzu kamen natürlich auch noch immense Verbesserungen bei der Materialtechnik, sodass wir heute nicht mehr von „dem“ Fertighaus sprechen können. Doch welche Typen gibt es denn mittlerweile? Das erklärt der folgende Artikel.

1. Das massive Fertighaus

„Ein Massiv-Fertighaus?“, wird sich nun mancher fragen. Ja, in der Tat. Die Bezeichnung ist schon korrekt, die Fragestellung resultiert daraus, dass es ein Missverständnis bei vielen Laien gibt. Denn „massiv“ bezeichnet nicht zwingend das Mauern Stein auf Stein – das gehört zwar auch dazu, aber Massivhäuser können durchaus auch in Fertigbauweise errichtet werden, mit Beton.

Dieses buchstäblich massive Material entstand im Fertighausbau aus dem Kundenwunsch heraus, die Schnelligkeit bisheriger Fertig-Konzepte mit der Langlebigkeit gemauerter Häusern zu verbinden. Damit das funktioniert, ist eine Reihe von Schritten notwendig. Diese beginnen nicht mit „klassischem“ Beton, wie er etwa in Brücken verwendet wird (denn das wäre in Sachen Haus-Stabilität schlicht „Overkill“ und hätte herbe Nachteile bei Dämmung, Schallschutz und Preis). Beim Massiv-Fertighaus wird Leichtbeton bzw. Blähbeton verwendet. Dieser dämmt viel besser als sein bekanntes Pendant und wird industriell zu Formbauteilen gegossen, oft auch mit bereits eingezogenen Leitungen, die dann auf der Baustelle wie ein „normales“ Fertighaus zu Innen- und Außenwänden sowie Geschossdecken zusammengesetzt werden.

Der „massive“ Vorteil liegt zwar auf der Hand, dafür hat diese Bauweise aber auch Nachteile. Der buchstäblich schwerwiegendste ist der Transport, denn auch Bauteile aus Leichtbeton wiegen tonnenschwer und müssen mit Spezialfahrzeugen und -Kränen transportiert werden. Und das kostet natürlich gewisse Aufpreise.

2. Das Leicht-Fertighaus

Die Fertighäuser in Leichtbauweise haben dem gegenüber nicht nur die längere Geschichte zu bieten, sondern beinhalten auch sehr viel mehr Raum für Weiterentwicklungen in der Industrie und darüber hinaus auch beim späteren Umgestalten eines bestehenden Gebäudes. Das ist auch einer der gewichtigsten Gründe dafür, dass die meisten Kunden, die ein Fertighaus kaufen, auf diese Bauweise setzen, etwa 95% sind es derzeit.

Die leichten Fertighäuser sind zwar per Definition her von der Bauweise nicht „massiv“, allerdings hat dieser Begriff mit der „Stabilität“ als solcher und auch der Haltbarkeit nicht viel gemein. Denn Leicht-Fertighäuser bestehen im Kern aus massivem Vollholz. Das wird bei der ausführenden Firma in einer Ständerbauweise zu quer und senkrecht verlaufenden Streben zusammengesetzt. Der Innenteil der Wände wird durch Holzfaser- oder Gipskartonplatten abgetrennt, zwischen die Streben kommen dicke Dämmschichten. Außen wiederum folgen Holzplatten, oftmals noch weiter abgerundet durch eine zusätzliche Dämmschicht.

Das Resultat sind Bauteile, die sich nicht nur schneller anfertigen lassen, sondern auch mit „herkömmlichen“ Baumaschinen transportieren und auf der Baustelle bewegen lassen – und vor allem extrem gut gedämmt sind. Das Ganze geht in der Regel so fix, dass (wenn die Bodenplatte getrocknet ist) schon am zweiten Bautag der Dachstuhl aufgesetzt werden kann. Mittlerweile ist die Werkstoffkunde auch so weit, dass sich Leicht- und Massiv-Fertighäuser in der Haltbarkeit keineswegs mehr unterscheiden. Auch ein „leichtes“ Haus wird heute (wie jedes andere Wohnhaus übrigens) für eine Benutzungsdauer von 100 Jahren ausgelegt.

3. Das Block-Fertighaus

Die dritte Fertighaus-Bauweise dürfte mit ziemlicher Sicherheit die älteste sein, denn sie wird schon seit Jahrhunderten praktiziert, fand aber erst in jüngster Zeit auch ihren Weg raus aus Waldgebieten und rein in mitteleuropäische Vorstadt-Neubaugebiete, das Block-Fertighaus.

Diese Bauweise geht nicht den Umweg über das Sägewerk mit Bohlen und Balken, sondern setzt direkt auf den vollen, massiven Baumstamm, dessen einziger Bearbeitungsschritt darin besteht, dass er auf die benötigte Länge zurechtgesägt und auf einen durchlaufend gleichen Durchmesser gebracht wird. Nur bei der sogenannten Vierkant-Blockbohle wird der Stamm zuvor auf ein vier- oder rechteckiges Profil gebracht, diese Bauweise ist allerdings seltener.

Firmen, die solche Häuser anbieten, brauchen viel Platz. Denn das ganze Fertighaus wird dort Stamm für Stamm nach den Vorgaben des Kataloges zusammengebaut. Steht das Haus, werden alle Teile nummeriert, in einen Bauplan übertragen, auf die Baustelle gebracht und dort wieder zusammengesetzt. Dadurch, dass sämtliche Anpassungsarbeiten bereits bei der Erstmontage gemacht wurden, geht auch das blitzschnell, jedoch langsamer als bei den anderen beiden Fertighaus-Bauweisen.

Da viele Kunden jedoch den Blockhaus-Stil alleine optisch nicht mögen (zumindest nicht im Innenraum) und zudem Holz alleine auch nicht ausreichend dämmen würde, um auf die vorgeschriebenen Neubau-Werte zu kommen (Außenwand U=0,28W/(m²K) werden die meisten Gebäude entweder komplett zweischalig mit einer Dämmschicht dazwischen errichtet, oder aber der Innenraum mit Dämmplatten und Trockenbauweise ergänzt.

Zwar sind auch solche Häuser nicht weniger langlebig als andere Fertighäuser, allerdings muss dadurch, dass das Holz direkt der Witterung ausgesetzt ist, in regelmäßigen Abständen nachgestrichen werden. Die meisten Anbieter geben hier Intervalle zwischen 8 und 15 Jahren vor.

Fazit

Ein Fertighaus ist heute keine Verlegenheitslösung mehr, sondern wird immer beliebter. Die Haltbarkeit ist mittlerweile auf dem gleichen Niveau wie bei klassisch gemauerten Häusern. Was allerdings weiterhin dramatisch niedrig ist, ist die Bauzeit. Und gerade darauf kommt es ja vielen Häuslebauern auch an, denn auch hier gilt, Zeit ist Geld.

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