Ärger mit horrenden Preisen

So heizen Sie richtig und kostensparend

Christa Thomas (68) muss viel zahlen, um ihre Erdgeschosswohnung in Denning warm zu bekommen.

München - In den Nächten ist es jetzt schon wieder so kalt, dass Christa Thomas (68) heizen muss. Aber auch tagsüber lässt sie die Heizkörper an. Das geht ins Geld. Wir haben die besten Tipps, wie sie beim Heizen sparen können.

In den Nächten ist es jetzt schon wieder so kalt, dass Christa Thomas (68) heizen muss. Aber auch tagsüber lässt sie die Heizkörper an. Denn ­ihre 46-Quadratmeter-Wohnung im Stadtteil Denning liegt auf der Nordseite des Hauses. „Bei mir im Erdgeschoss ist es immer schattig. Darauf, dass die Sonne meine Wohnung ein wenig anwärmt, kann ich leider nicht hoffen“, bedauert die Rentnerin.

Auch wenn sie mehr heizt als ihre Nachbarn an der Südseite des Gebäudes: Es nutzt nichts, Christa Thomas’ vier Wände sind trotzdem weniger warm als die anderen. „Im Wohnzimmer komme ich im Winter auch bei voll aufgedrehter Heizung nur auf 20 Grad, im Schlafzimmer auf 18 Grad.“ Dicke Socken, ein Pullover und eine Sofadecke sind unverzichtbar.

Ärgerlich findet die tz-Leserin deshalb den Berechnungsschlüssel, nach dem die Heizkosten für die einzelnen Wohnungen festgelegt werden: In ihrem Haus werden nämlich 30 Prozent der Kosten als Fixkosten festgelegt. 70 Prozent der werden nach dem tatsächlichen Verbrauch in den einzelnen Wohnungen erhoben. Bei Christa Thomas haben die Grundkosten im vergangenen Jahr 205 Euro betragen, die Verbrauchskosten lagen bei 914 Euro. „Ich würde gerne meinen Verbrauch drosseln, aber ich glaube nicht, dass ich etwas sparen kann, wenn ich die Heizung nachts ganz abdrehe“, sagt die Münchnerin. In dem Mietshaus, in dem sie wohnt, wird mit Gas geheizt, die Höhe des jeweiligen Verbrauchs wird an Verdunsterröhrchen an den Heizkörpern abgelesen.

„Es ist tatsächlich so, dass manche Mieter wegen der Lage ihrer Wohnungen mehr heizen müssen als andere, etwa im Dach- oder im Erdgeschoss an der Nordseite über einen unisolierten Keller. Diesen Lagenachteil, der zu höheren Heizkosten führt, müssen sie nach dem Gesetz leider hinnehmen“, sagt Dorothea Modler, Mietrechts­expertin beim Mieterverein München.

Denn die Heizkostenverordnung schreibt bei einer Zentralheizung eine „verbrauchsabhängige“ Abrechnung vor. „Hier sollen die Kosten möglichst gerecht verteilt werden und die Bewohner gleichzeitig dazu animiert werden, Heizkosten zu sparen, was dem Klima zugute kommt“, erklärt Modler.

Normalerweise müssen die Vermieter mindestens 50 Prozent, höchstens 70 Prozent der Heizkosten nach dem Verbrauch umlegen. Die restlichen 30 bis 50 Prozent werden nach einem festen Maßstab, meistens nach Quadratmetern, auf die Mieter verteilt. Normalerweise könne Vermieter selbst entscheiden, wie viel innerhalb der Bandbreite 50/70 er nach dem tatsächlichen Verbrauch berechnet, um möglichst gerecht zu sein.

Aber ausgerechnet bei älteren, schlechter wärmegedämmten Gebäuden mit Öl- oder Gaszentralheizung ist das anders, ärgert sich auch die Mieterschützerin. „Hier ist seit 2009 ein Schlüssel von 70 Prozent Verbrauchskostenanteil zu 30 Prozent Grundkostenanteil vorgeschrieben“, sagt Modler.

Das bedeutet, dass ausgerechnet in Gebäuden, in denen die Bewohner den Verbrauch schlecht beeinflussen können, der Verbrauchskostenanteil besonders hoch angesetzt wird. Die Folge: „Mieter in Wohnungen mit ungünstiger Lage werden zusätzlich benachteiligt“, betont die Fachfrau. Von den meisten Experten werde diese Vorschrift daher als widersinnig und ungerecht angesehen. „Der deutsche Mieterbund setzt sich daher dafür ein, dass die Heizkostenverordnung in diesem Punkt wieder geändert wird“, erklärt die Mietrechtsexpertin.

Dem Vermieter sind die Hände gebunden, er muss so abrechnen, dass Christa Thomas benachteiligt wird, obwohl er das bedauert. „Ich hoffe, der Gesetzgeber ändert hier etwas“, sagt Christa Thomas.

So heizen Sie richtig und kostensparend

1. Die meisten Menschen fühlen sich bei Innenraumtemperaturen von 19 bis 22 Grad wohl. Aber für das Wohligkeitsgefühl ist nicht nur die Lufttemperatur, sondern auch die Strahlungswärme der Wände verantwortlich. Der Mieterverein rät deshalb, die Heizung nie vollständig abzudrehen und die Wohnung nie ganz abkühlen zu lassen. Denn das Hochheizen zu einer wieder angenehmen Temperatur braucht dann lange und erhöht die Heizkosten.

2. Lassen Sie die Heizkörper auch nachts oder bei Abwesenheit auf einer niedrigen Stufe laufen. Dann können Sie die Heizung einfach wieder hochdrehen, wenn Sie da sind. So kühlen die Wände nie ganz aus und geben stets behagliche Strahlungswärme ab.

3. Damit die Heizkörper ihre optimale Leistung bringen können, sollten sie frei stehen und nicht von Möbeln oder Vorhängen verdeckt sein. Damit ein Luftaustausch möglich ist, sollten Möbel nicht direkt an den Wänden aufgestellt werden, sondern mit fünf Zentimetern Abstand.

4. Um die Luftfeuchtigkeit in den Räumen unter Kontrolle zu bekommen und so Schimmel zu verhindern, ist es wichtig, für Luftaustausch zu sorgen. Mehrmals am Tag sollte deshalb stoßgelüftet werden. Am besten, Sie öffnen gleichzeitig alle Fenster und sorgen für Durchzug. Je wärmer es draußen ist, desto länger muss gelüftet werden. Als Faustregel gilt, dass bei Temperaturen um den Minuspunkt die Fenster mehrmals am Tag fünf Minuten offenstehen sollten.

5. Je kälter Innenräume sind, umso mehr Kondenswasser bildet sich bei hoher Luftfeuchtigkeit. Deshalb müssen kalte Räume besonders häufig gelüftet werden.

6. Wichtig ist es auch, die selbst geschaffene Luftfeuchtigkeit zu reduzieren. Deshalb sollte Wäsche möglichst nicht in der Wohnung getrocknet werden – und wenn doch, dann muss zusätzlich gelüftet werden. Nach dem Aufstehen sollte ebenfalls sofort gelüftet werden. Das vertreibt die Feuchtigkeit, die sich über die Atmung nachts in der Luft und an Wänden und Möbeln angesammelt hat.

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