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So vermeiden Sie Zoff um die Nachzahlung

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Andrija Suhanji mit dem Ausdruck der Rechnungs-Mail © Michael Westermann

München - Die böse Überraschung kommt oft erst Monate später, wenn der Vermieter eine unagemessen hohe Heizkosten-Nachzahlung verlangt. Wir verraten Ihnen, wie Sie diesen Ärger vermeiden können.

Ihr ist ganz schön heiß geworden, als sie diese Rechnung bekommen hat. Mirjana Suhanji (66), die mit ihrer Familie in einer 71-qm-Wohnung an der Schwanseestraße lebt, muss 3238,04 Euro an Heizkosten für die Jahre 2008 und 2009 nachzahlen. Sie selber sagt: „Das kann nicht sein, dass wir so viel geheizt haben.“

Der Vermieter ist sich aber sicher, dass die Zahlen stimmen. Fakt ist mittlerweile: Mirjana Suhanji muss zahlen – das hat das Amtsgericht entschieden. Suhanji hat sich deshalb an die tz gewandt: „Damit nicht andere Mieter beim Bestreiten der Heiz- oder Nebenkosten die gleichen Fehler machen wie wir.“ Wichtig ist vor allem: Sie müssen exakt hinschauen, bei Unterschriften aufpassen und Einsprüche detailliert begründen. Anders, als es die Suhanjis getan haben …

Los ging es Anfang 2010. Die Suhanjis fanden, die Berechnung der Nebenkosten sei „unangemessen hoch und nicht nachvollziehbar“. Das schrieben sie dem Vermieter. Einige Briefe gingen hin und her, schließlich verklagte der Vermieter die Suhanjis auf Zahlung – und gewann. Warum, erklärt Mietrechtsexpertin Anja Franz vom Mieterverein München:

Das Problem bei den Heiz- und Nebenkosten ist immer, dass der Mieter beweisen muss, dass bei der Abrechnung, beim Ablesen oder beim Übermitteln der Daten Fehler passiert sind. „Das einfache Bestreiten einer überhöhten Abrechnung reicht nicht aus“, sagt Anja Franz. „Da genau liegt der Hund begraben, denn es ist natürlich schwierig für die Mieter, eventuelle Fehler zu beweisen.“ Das gilt vor allem, wenn der Mieter das Ableseprotokoll unterschrieben hat. Franz: „Dann hat er mit seiner Unterschrift die Richtigkeit der Daten bestätigt, ohne sie überprüft zu haben.“ Deshalb sollte man sich vom Ableser immer zeigen lassen, was er wie abgelesen hat und erst danach unterschreiben, rät Franz.

Das Amtsgericht stellte in seinem Urteil (Aktenzeichen 474 C 17383/12) fest, dass die Suhanjis die Heizkosten unzureichend bestritten haben. „Damit sind die Einwendungen unbeachtlich“, schreibt der Richter. Der Mieter müsse so genau darlegen, was seiner Meinung nach falsch ist, „dass der Vermieter gegebenenfalls zur Korrektur seiner Abrechnung in der Lage ist“. Heißt: Jede Beschwerde muss ganz konkret nachzuvollziehen (und nachzurechnen) sein.

Auch reichte es dem Gericht nicht, dass die Suhanjis schrieben, der Vermieter habe gegen den Grundsatz der Wirtschaftlichkeit verstoßen: „Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs trägt der Mieter hier die Darlegungs- und Beweislast.“ Dass die Suhanjis außerdem beklagen, einzelne Heizkörper hätten nicht richtig funktioniert, ändere nichts am Ergebnis: „Ausführungen, wann welcher Heizkörper nicht richtig funktionierte und was konkret darunter zu verstehen ist, fehlen.“ Der Vermieter wollte sich mit Verweis auf die Entscheidung des Gerichts nicht mehr näher zur Sache äußern. Grundsätzlich gehe man aber in solchen Fällen auf die Mieter zu, spreche etwa über Ratenzahlung.

Anja Franz rät Mietern: Manches lässt sich aufklären, wenn man sich vom Vermieter die Belege zeigen lässt. Wichtig ist außerdem grundsätzlich: Wer gegen eine Rechnung Einspruch einlegen will, muss die Frist beachten. Ab Rechnungsstellung hat der Mieter zwölf Monate Zeit für die Beschwerde.

Susanne Sasse

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