Frieren in der Wohnung

Heizung kaputt: Darf man die Miete kürzen?

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Doris Huber muss sich dick einmummeln – in ­ihrem Wohnzimmer ist es frisch.

München - Brrr, kalt! Das Duschwasser wird nicht recht warm – und das in einer eh schon frischen Wohnung... Egal: Doris Huber (47) aus Waldtrudering muss sich überwinden.

Denn für die Friseurin mit eigenem Salon ist Reinlichkeit oberstes Gebot. „Ich habe täglich mit Kunden zu tun. Da ist es unerlässlich, immer frisch geduscht zu sein“, sagt sie. Also kühles Wasser ertragen. Und am Abend, nach der Arbeit? Da ist es in der 65-Quadratmeter-Wohnung ohne dicken Pulli nicht auszuhalten. „Eine Woche lang war die Heizung ganz ausgefallen. Jetzt wird es im Wohnzimmer nicht wärmer als 18,5 Grad“, ärgert sich die tz-Leserin.

Es ist nicht das erste Mal, dass es Probleme in dieser Richtung gibt. Bereits vor einem halben Jahr war in dem Haus, in dem 50 Parteien wohnen, die Heizung ausgefallen, vor einigen Wochen wurden Legionellen im Wasser festgestellt. „Da muss man doch erst recht auf eine ausreichende Wassertemperatur achten“, sagt Huber.

Die tz rief beim Vermieter – der Patrizia AG – an und erhielt die Auskunft, dass das ganze System ausgefallen sei. Ein Sprecher: „Wir müssen die Heizanlage austauschen, das wird für uns richtig teuer.“ Vorübergehend habe man eine mobile Heizanlage vor die Häuser gestellt, denn die Neuinstallation werde noch mindestens zwei Wochen dauern. Der Sprecher sagt: „Es tut uns leid, wenn bei der tz-Leserin keine ausreichenden Temperaturen erreicht werden. Woran das liegt, werden wir so bald wie möglich überprüfen.“

Ekel-Rohre: So greislig sind unsere Wasserleitungen

Bakterien, Dreck und Schäden: In unseren Rohren schaut es greislig aus! "90 Prozent aller Anlagen haben Mängel", berichtet Robert Kroiss der tz. Er hat die Leitungen mit eigenen Augen gesehen. Kroiss arbeitet als Technischer Leiter beim Deutschen Institut für Wasseranalytik (Diwa), eine Kontroll-Firma mit Sitz in Rosenheim. In München hat das Unternehmen bereits hunderte Häuser geprüft. © Diwa
Rost im Rohr: Das ist kein Abfluss – das ist ein Rohr für Trinkwasser! So wie hier in Unterschleißheim sieht eine Leitung aus, wenn sich 30 Jahre keiner darum kümmert. „Da brauchen wir gar nicht proben“, erzählt Kroiss. „Das ist total kontaminiert.“ Denn dieser Schmutz ist eine einzige Brutstätte für Legionellen. © Diwa
Fehlendes Ventil: Normalerweise darf das Trinkwasser nicht direkt mit der Heizung verbunden sein. Tatsächlich sei das oft der Fall, berichtet Kroiss – wie hier mit einem simplen Gartenschlauch, ohne das vorgeschriebene Rücklaufventil. Da kann das Brackwasser aus der Heizung zurück in die Hähne gelangen! Eine Lösung gäbe es ab 120 Euro … © Diwa
Verstopfte Hähne: Hier hat der Hausbesitzer erst gar keinen Filter eingebaut. Darum fließen Sandkörnchen und Kalkpartikel, die im Trinkwasser normal sind, direkt in die Hähne und verstopfen sie. Nicht nur das: „Der Kalk ist ein Transportmittel für die Legionellen“, sagt Kroiss. Wo die Partikel sich ablagern, feiern die Bakterien fröhliche Urständ. © Diwa
Bakterien-Falle:Da kann man die Bakterien schon mit bloßen Auge sehen. Normalerweise gehören diese Filter zwischen Hausanschluss und Trinkwasseranlage alle sechs bis acht Wochen gespült. „Wir haben in München aber schon welche gesehen, die hat seit 30 Jahren keiner angeschaut“, erzählt Kroiss. Und so sehen die dann aus. © Diwa

Rechtsexpertin Anja Franz vom Münchner Mieterverein empfiehlt, dem Vermieter schriftlich mitzuteilen, dass Heizung und Warmwasser ausgefallen sind und dass sie die Miete unter Vorbehalt bezahlt. „Sie muss dann Buch führen, wie viel Grad jeweils in der Wohnung erreicht werden“, rät Anja Franz: „Dann kann sie rückwirkend die Miete kürzen – je nachdem, wie kalt es draußen war.“ Denkbar sind zwischen fünf und 30 Prozent Kürzung. Allerdings: Wenn es einen Prozess geben sollte, wäre der Ausgang unsicher – Gerichte entscheiden in diesem Bereich höchst unterschiedlich.

Susanne Sasse

Ihr Recht rund ums Heizen und Lüften

In der Heizsaison muss die Heizung in der Wohnung für mindestens 20 bis 22 Grad sorgen. „Wenn das nicht der Fall ist, liegt ein Mangel vor und der Mieter kann seine Miete kürzen“, sagt Mietrechts-Expertin Anja Franz. Dieser Mindestwert gilt allerdings nur von 6 bis 23 Uhr. Nachts ist der Vermieter zur Nachtabsenkung verpflichtet. Dann reichen 18 Grad aus.

Fällt die Heizung im Winter ganz aus, kann der Mieter fristlos kündigen. Andere Möglichkeit: Er kann dem Vermieter eine Frist für die Schadensbehebung setzen: Hier reichen ein bis zwei Tage. Wenn der Vermieter innerhalb der Frist nichts macht, kann der Mieter selbst Reparaturaufträge vergeben und die Kosten von der Miete abziehen. Das muss er allerdings zuvor angekündigt haben.

Beim Warmwasser gilt in Bad und Küche eine Temperatur von 45 Grad als üblich. Und: Spätestens nach zehn Sekunden sollte man warm duschen können. Nach einem Urteil des Amtsgerichts München vom 26. Oktober 2011 (Aktenzeichen 463 C 4744/11) muss das Warmwasser aus dem Hahn eine Temperatur von mindestens 41 Grad erreichen.

Der Mieter ist verpflichtet, die Wohnung richtig zu heizen und zu lüften, um Schimmel und Feuchtigkeitsschäden vorzubeugen. Anja Franz rät, die Heizung auch bei Abwesenheit nie ganz abzustellen. Ständiges Auskühlen und Wiederaufheizen ist teurer als das Halten einer abgesenkten Durchschnittstemperatur. „Dann kühlen auch die Wände nicht so aus, denn sie strahlen am meisten Kälte ab.“. Heizkörper sollten ihre Wärme frei abgeben können. „Es ist nicht ratsam, Heizkörper mit Vorhängen, Kommoden, Sofas oder ähnlichem zu verdecken.“

Mindestens zweimal täglich richtig lüften! Also: Die Fenster für fünf Minuten ganz öffnen, Kippstellung reicht nicht aus. Auch bei Regenwetter sollte man lüften, wenn es nicht gerade in die Wohnung regnet. Die kalte Außenluft ist trotzdem trockener als die warme Zimmerluft. Übrigens: Bei neuen Fenstern muss man häufiger lüften.

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