Rechtlich ist kaum etwas zu machen

Herzkranker: Sorge wegen rauchender Nachbarn

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In diesem Haus lebt der kranke Peter Lenz (56).

München - Peter Lenz leidet an schwersten Herzrhythmusstörungen. Er vermeidet alles Schädliche. Nur eines kann er schwer meiden – Zigarettenrauch. Obwohl auch der ihm schadet …

Peter Lenz (56) hat ein schlimmes Jahr hinter sich. Er leidet an schwersten Herzrhythmusstörungen, war seit Dezember 2014 insgesamt siebenmal im Krankenhaus. Im September wurde er am Herzen operiert. Jetzt muss der Altenpflegehelfer, der zurzeit krankgeschrieben ist, täglich 14 verschiedene Medikamente nehmen. „Stress, Umweltgifte: Ich meide alles, was mir schaden kann“, sagt er. Nur eines kann er schwer meiden – Zigarettenrauch. Obwohl auch der ihm schadet …

Lenz wohnt in einem 35-qm-Appartement in einem Wohnblock mit 256 Parteien an der Schleißheimer Straße (Schwabing). Seine Nachbarin hat ihre Wohnung an mehrere Bauarbeiter aus Polen vermietet. „Die Männer kommen abends nach Hause und rauchen am offenen Fenster“, sagt Lenz. Das Problem: Der Rauch zieht direkt zu ihm in die Wohnung, wenn er das Fenster offen oder gekippt hat.

Lenz sagt: „Ich habe mich an die Hausverwaltung gewandt, aber seitdem ist es eher schlimmer geworden.“ Das persönliche Gespräch hat bisher auch nichts gebracht. Ein Mitarbeiter der Hausverwaltung sagt: „In einem Haus mit 256 Mietparteien treffen vielfältige Lebensgewohnheiten aufeinander …“ Er könne nicht mehr tun, als die Vermieterin anzurufen und sie zu bitten, an die Männer zu appellieren. Und: „Die Nachbarn rauchen ja nur abends. Da gibt es auch Zeiten, in denen der Mieter sein Fenster öffnen kann.“ Peter Lenz schläft aber besser bei offenem Fenster.

Rechtlich ist kaum etwas zu machen, sagt Anja Franz, Mietrechtsexpertin des Mietervereins. Denn Rauchen in der Wohnung kann kein Vermieter verbieten. Bei übermäßig starkem Rauchen auf dem Balkon hat der BGH dem „objektiv wesentlich ­beeinträchtigten Nachbarn“ zwar einen Unterlassungsanspruch gegeben. Für die Entscheidung, ob das Rauchen übermäßig stört, ist aber das Empfinden eines durchschnittlichen Menschen maßgeblich.

tz-Leser Peter Lenz ist allerdings eben nicht durchschnittlich, sondern aufgrund seiner Erkrankung besonders empfindlich.

S. Sasse

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