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Hohe Nachzahlung: Schock-Rechnung für Münchnerin

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Von: Susanne Sasse

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Anneliese Leismann (74) im Wohnzimmer: Sie zeigt den Brief, mit dem ihr Vermieter die Nachzahlung fordert. © Westermann

München - Mehr als doppelt so viel als in den Jahren davor soll Anneliese Leismann in ihrem Wohnzimmer im vergangenen Jahr geheizt haben. Nun soll die Seniorin eine hohe Nachzahlung leisten.

Anneliese Leismann kann es einfach nicht glauben, was da in ihrer Heizkostenabrechnung für das vergangene Jahr steht: Die 74-Jährige soll in ihrem Wohnzimmer mehr als doppelt so viel geheizt haben als in den Jahren zuvor. Die Rentnerin lebt seit 1966 in einer 68-Quadratmeter-Wohnung in Neuaubing. Drei Zimmer, Küche, Bad – und an sich jedes Jahr der gleiche Heizwert. Gemessen wird mittels Verdunsterröhrchen, die an jedem Heizkörper angebracht sind. Einmal im Jahr kommt jemand von der Ablesefirma vorbei. Und jetzt, mitten im Sommer, kommt die Post mit der bösen Heiz-Überraschung …

Anneliese Leismann sagt: „Ich habe meine ganze Miet­zeit über immer an jedem der zwei Heizkörper im Wohnzimmer so um die 20 Ablese-Striche gehabt – plus/minus drei. Aber jetzt soll ich mit jedem der zwei Heizkörper für 44 Striche geheizt haben! Das sind 88 Striche gesamt nur fürs Wohnzimmer – und ich soll 180 Euro nachzahlen. Das kann nicht sein!“ Sie sagt: „Dass ich mit einem Mal im Wohnzimmer die Heizung so volle Pulle aufgedreht haben soll, ist doch völlig unlogisch, wenn ich in den 38 Jahren vorher für die gesamte Drei-Zimmer-Wohnung pro Winter immer so auf rund 80 Striche kam.“

Bei Ablesefehlern ist der Mieter in der Beweispflicht

Anneliese Leismann beschwerte sich bei der Hausverwaltung ihres Vermieters. Doch das brachte bislang wenig. Anfang Juni war zwar jemand da, um bei ihr eine Kontrolle der Heizkörper zu machen. „Aber der hat nur die Heizkörper auf- und wieder abgedreht und danach behauptet, alles funktioniere einwandfrei – obwohl die Verdunsterröhrchen oder die Heizkörper im Wohnzimmer kaputt sein müssen“, sagt Leismann. Die tz erkundigte sich beim Vermieter nach dem Vorgang, aber da hieß es nur: „Kein Kommentar.“

„Eine sehr ärgerliche Situation für die Mieterin“, sagte Mietrechts-Expertin Anja Franz vom Mieterverein München. Sie erklärt: „Bei Ablesefehlern muss der Mieter beweisen, wo der Fehler liegt beziehungsweise, dass etwas mit der Messung nicht stimmt. Auf seine Kosten.“ Die Ablesefirma bot zwar an, nochmals zu einer Kontrollablesung zu kommen, „aber ich soll dann die Kosten für diese zweite Ablesung übernehmen.

Das sehe ich gar nicht ein“, sagt Anneliese Leismann. Anja Franz rät der Seniorin, dem Vermieter schriftlich mitzuteilen, dass die Ableseergebnisse für das Wohnzimmer nicht nachvollziehbar sind, da sich ihr Heizverhalten nicht geändert habe. Und dass sie deshalb nicht bereit ist, die Heizkosten für das Jahr 2013 in voller Höhe zu bezahlen, sondern nur in der Höhe des Mittelwerts der Ableseergebnisse der Jahrzehnte davor.

Die Expertin warnt aber auch: „Allerdings besteht dann das Risiko, dass der Vermieter die Kosten einklagt. Dann werden Gutachten nötig. Und wenn das Gericht dann dem Vermieter die vollen Heizkosten zuspricht, kann es sein, dass Frau Leismann auch noch die Kosten für Gericht und Gutachter bezahlen muss …“

Anja Franz ärgert sich darüber, dass der Gesetzgeber dem Mieter in solchen Fällen eine derart schlechte Rechtsposition gibt, da ihn ja die volle Beweislast trifft. „Man kann den Mietern nur raten, den Ablesern immer genau über die Schulter zu schauen und die Ableseergebnisse Jahr für Jahr zu dokumentieren“, sagt Franz. Und: „Ergeben sich dann unerklärlich große Schwankungen, dann kann man diese Schwankungen immerhin belegen und so vielleicht auch einen Richter zum Kopfschütteln bringen.“

Susanne Sasse

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