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Legionellen! Wir haben Angst um unsere Kinder

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Von: Susanne Sasse

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Wegen der Legionellen im Leitungswasser kann Nicola Weber ihre Kinder Heidi (2) und Max (4, siehe unten) seit zwei Jahren nur noch baden. © Bodmer

Aschheim - Legionellen im Leitungswasser: Eine kleine Familie aus Aschheim in Sorge! In der Planetensiedlung, in der sie wohnt, ist das Leitungswasser mit Legionellen belastet – und das bereits seit 2012! Das sind gefährliche Bakterien, insbesondere für Kinder!

Legionellen im Leitungswasser: Nicola Weber (36) und ihr Mann Robert sorgen sich um ihre Kinder Heidi (2) und Max (4). In der Planetensiedlung in Aschheim, in der sie wohnen, ist das Leitungswasser mit Legionellen belastet – und das bereits seit 2012! Das sind gefährliche Bakterien, insbesondere für Kinder!

„Vor zwei Jahren wurde ein Duschverbot ausgesprochen, und seitdem baden wir die Kinder nur noch“, sagt Nicola Weber. Die Pharma-Assistentin sorgt sich wieder besonders, seit vor zwei Wochen die Hausverwaltung erneut auf Legionellen hingewiesen hat. Besonders ärgert sie, dass sie nicht weiß, wie hoch die Belastung genau ist.

Die Mieter in der 40 Jahre alten Siedlung wurden schon 2012 aufgefordert, regelmäßig warmes Wasser fließen zu lassen. „Das merken wir an den Nebenkosten – jetzt müssen wir schon 800 Euro nachzahlen“, sagt Nicola Weber.

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Der kleine Max © Bodmer

„Die Empfehlung, das Wasser laufen zu lassen, ist eine Vorsichtsmaßnahme, die für alle Mieter gilt, wenn das Wasser eine Zeitlang in der Leitung stand“, sagt Bettina Benner, Sprecherin der GAGFAH, der ein Großteil der Wohnungen in der Planetensiedlung gehört – auch die 110-Quadratmeter-Wohnung der Webers. Mietrechtsexpertin Anja Franz vom Mieterverein München rät der Familie, festzustellen, ob denn durch das Laufenlassen des Warmwassers tatsächlich mehr Warmwasser verbraucht wurde, indem sie den Verbrauch von 2011 (als es noch kein Legionellenproblem gab) mit dem von 2013 zu vergleicht. „Wenn der Verbrauch tatsächlich stark gestiegen ist, können die Mieter die Differenz ermitteln und die Nachzahlung in dieser Höhe kürzen“, schlägt Franz vor.

Die Mieter haben das Recht zu erfahren, wie hoch genau die Belastung ist, sagt die Mietrechtsexpertin. Auf tz-Anfrage hin teilte die GAGFAH-Sprecherin mit: „Der Wert bei der letzten Beprobung im Juli lag bei 2300 koloniebildenden Einheiten pro Milliliter (KBE), davon geht keine Gesundheitsgefahr aus.“ Zudem habe die Gesellschaft Filter einsetzen lassen, um die Gefahr zu verringern.

Die Webers sind trotzdem nicht zufrieden, schließlich sind noch immer Leogionellen im Leitungswasser. „Wir zahlen die Miete nur unter Vorbehalt“, sagt Nicola Weber. „Das ist gut, weil so können die Webers nun nachträglich einen Betrag einklagen, um den die Miete zu mindern ist“, sagt Mietrechtsexpertin Anja Franz. Mehr zu den Rechten der Mieter bei Legionellen erfahren Sie in unserem Ratgeber:

Das müssen Mieter wissen

1 Legionellen sind bewegliche Stäbchenbakterien, die warmes Wasser lieben und beim Menschen zu verschiedenen Erkrankungen führen können, unter anderem auch zur sogenannten Legionärskrankheit, bei der es meist zu einer schweren Lungenentzündung kommt. Wassertemperaturen von 25 bis 50 Grad bieten ihnen optimale Bedingungen für die Vermehrung. Wird z.B. beim Duschen ein Wassernebel mit bakterienhaltigem Wasser eingeatmet, kann dies zu Infektionen führen. Legionellenhaltiges Wasser zu trinken, ist nicht gefährdend.

2 Wird das Wasser untersucht, misst man die Anzahl von Kolonie bildenden Einheiten der Legionellen (KBE) pro 100 Milliliter. Bei einem Nachweis bis 100 KBE pro 100 ml besteht kein Grund zum Handeln. Diese Werte befinden sich noch im Toleranzbereich. Wird ein Wert bis 1000 KBE/100 ml gemessen, ist eine Sanierung erforderlich, die innerhalb eines Jahres erfolgen sollte. Bei einem Wert bis zu 10 000 KBE/100 ml spricht man von einer hohen Belastung, die Sanierung sollte umgehend in Angriff genommen werden. Bei allen Werten darüber wird zumeist die Nutzung der Wasseranlage verboten bzw. eingeschränkt (z.B. Duschverbot).

3 Die Trinkwasserverordnung schreibt vor, dass der Hauseigentümer die Anlage zur Warmwasserversorgung einmal jährlich auf den Befall mit Legionellen untersuchen lässt. Der Untersuchungspflicht unterliegen fast alle Anlagen in Gebäuden mit einer zentralen Warmwasserversorgungsanlage. Nur für Ein- und Zweifamilienhäuser gilt die gesetzliche Pflicht nicht. Nicht betroffen sind außerdem Gebäude mit Trinkwasseranlagen ohne zentrale Erwärmung oder ohne zentralen Warmwasserspeicher.

4 Für die Untersuchung müssen im Haus Wasserproben entnommen werden. Das kann auch in Mietwohnungen erforderlich sein. Betroffen sind vor allem Räume in oberen Etagen.

5 Die Kosten der Legionellenprüfung sind Betriebskosten, also auf den Mieter umlegbar. Wird bei der Überprüfung ein Befall festgestellt, dann ist der Vermieter in der Pflicht. Kosten für die Ursachenermittlung und für die Beseitigung darf er den Mietern nicht auferlegen.

6 Wurde ein Duschverbot ausgesprochen, kann der Mieter wegen dieser Einschränkung der Nutzbarkeit der Wohnung die Miete mindern. Mit einer Klage kann er den fiktiven Minderungsbetrag zurückfordern. Wenn die Mieter den Betrag von vornherein abziehen, laufen sie Gefahr, dass sie eine Monatsmiete im Rückstand kommen – und dann kann der Vermieter kündigen.

Susanne Sasse

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