Neue Schocktabelle

Miete verdoppelt! So hart trifft uns der Luxus-Hammer

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Sieglinde (73) und Engelbert (77) Manzinger wohnten in diesem Haus in der Arminiusstraße (Untergiesing).

München - Einzelfälle. Das bekommt der Mieterschützer Maximilian Heisler vom Bündnis "Bezahlbares Wohnen" zu hören, wenn er Politiker vor der Mieterhöhung nach einer Modernisierung warnt – auch bekannt als Luxus-Sanierung. Von wegen Einzelfälle!

Maximilian Heisler.

Heisler hat jetzt eine Liste angelegt mit 13 besonders krassen Fällen aus ganz München, die insgesamt weit mehr als 100 Parteien betreffen. Die Preis-Explosion liegt zwischen 24 und 130 Prozent! Und weil sich die kaum einer leisten kann, spricht Heisler von der „Entmietungshauptstadt München“.

Die Tabelle wird derzeit präsentiert bei der Ausstellung „Innenstadt weiterdenken“ im Rathaus: Zwölf Anwesen, 13 Wohnungen, Hunderte Betroffene – oft wird über Nacht die doppelte Miete verlangt. Warum? Weil die Politik das zulässt! Denn die Eigentümer dürfen die Kosten für eine Modernisierung auf die Mieter umlegen – jedes Jahr 11 Prozent. Ein Beispiel: Kostet ein eingebauter Aufzug 50 000 Euro, darf der Eigentümer im Jahr 5500 Euro umlegen. Gibt es acht Wohnungen, macht das pro Mieter im Schnitt fast 60 Euro mehr im Monat. Nur für einen Aufzug!

Natürlich kosten manche der aufgeführten Wohnungen bislang recht wenig, darum fallen die Prozent-Anstiege umso höher aus. Aber Heisler sagt: Die Preise liegen stets an der Mietspiegel-Grenze, weil die betroffenen Wohnungen auch schlecht eingerichtet sind. Manche können sich eben nicht mehr leisten. Darum fordert er die Politik auf: „Die Modernisierungsumlage muss völlig neu gestaltet werden.“ Zum Beispiel soll Berlin zulassen, dass sie je nach Region flexibel angewandt wird – so wurde bereits die Kappungsgrenze und das Umwandlungsverbot zum Schutz der Münchner Mieter geregelt. Die Stadt könnte mit gutem Beispiel vorangehen und im Mietspiegel den Öko-Zuschlag abschaffen. Heislers Bündnis hat schon mehr als 1000 Unterschriften gesammelt.

Die Mieterhöhung nach der Modernisierung

Anwesen Baujahr Parteien Größe

Alte Miete

(kalt)

Erhöhung

Neue Miete

(kalt)

Anstieg
Augustenstraße 1870 11 59 qm 500 € 382 € 882 € +76%
Arminiusstraße 1959 12 110 qm 752 € 447 € 1199 € +59%
Bonner Straße 1947 k. A. 106 qm 910 € 476 € 1386 € +52%
Geyerstraße 1890 18 41 qm 322 € 389 € 711 € +121%
Jahnstraße 1907 8 96 qm 497 € 574 € 1071 € +115%
Kapuzinerstraße 1900 12 105 qm 569 € 576 € 1136 € +103%
Lamontstraße 50er k. A. 72 qm 526 € 446 € 972 € +85%
Menaristraße 1961 20 46 qm 411 € 98 € 508 € +24%
Nestroystraße k. A. k. A. k. A. 860 € 1119 € 1980 € +130%
Pfarrstraße 1881 10 83 qm 563 € 402 € 965 € +71%
Reifenstuelstraße 1905 16 50 qm 399 € 275 € 674 € +69%
Reifenstuelstraße 1905 16 92 qm 441 € 468 € 909 € +106%
Schraudolphstraße 1955 16 38 qm 493 € 196 € 689 € +40%

Sie lebt seit 20 Jahren hier (+115%)

Das Schicksal schlägt manchmal doppelt zu: Sieglinde May (60) war vor zwei Jahren gerade auf dem Rückweg vom Bestatter, nachdem ihr Freund verstorben war. Da rief ihr Vermieter an: „Was ist jetzt los mit der Modernisierung?“ May sollte über Nacht mehr als die doppelte Miete zahlen! Statt 497 Euro kalt auf einmal 1071 Euro! Dämmung, Heizkörper, Aufzug, Balkon und Treppenhaus sollten erneuert oder neu gebaut werden. Sie lebte 36 Jahre im Viertel, 20 Jahre in der gleichen Wohnung: Sie hat sich ein Leben dort aufgebaut – Freunde, Bekannte, Ärzte, alles. Jetzt muss sie raus, die neue Miete wird sie sich nie und nimmer leisten können. „Das ist ein Eingriff ins soziale Netz“, sagt Sieglinde May. Immerhin hat der neue Eigentümer ihr Zeit gegeben, eine neue Wohnung zu finden – bislang vergeblich.

Sie sind schon umgezogen (+59%)

Sie mussten weg. „Das war unsere Heimat“, sagt Sieglinde Manzinger. „Das hat wehgetan.“ Auch bei Sieglinde (73) und Engelbert (77) Manzinger in der Arminiusstraße (Untergiesing) ging ein Teil ihres Lebens zu Ende, weil ihr Haus modernisiert wurde – und die Politik das zulässt. 50 Jahre in Untergiesing, zwei Töchter großgezogen, aus und vorbei. „Aber wir wurden raussaniert“, sagt die Giesingerin. Fenster monatelang zugeklebt, Haus eingerüstet, nach dem Dachumbau und einem Gewitter steht das Wasser vier Zentimeter in der Wohnung – schon der Umbau sei für sie zur Hölle geworden. Und die Kosten erst. Nach der Modernisierung sollte die 110-Quadratmeter-Wohnung statt 752 Euro kalt 1199 Euro kalt kosten – inklusive Nebenkosten dann 1600 Euro! Zum Glück haben sie über den Bauverein in Obergiesing eine neue Wohnung gefunden.

Hier war auch OB Reiter geschockt (+76%)

Die Hausgemeinschaft in der Augustenstraße (Maxvorstadt) wurde bekannt, weil Dieter Reiter (SPD) sie im OB-Wahlkampf besuchte. Er sagte: „Nicht zu fassen.“

711 Euro für 41 qm (+121%)

Einer der Spitzenreiter vom Bündnis Bezahlbares Wohnen: In der Geyerstraße (Glockenbachviertel) habe die Miete für 41 Quadratmeter von 322 auf 711 Euro steigen sollen!

David Costanzo

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