Kampf gegen Feuchtigkeit

tz-Mietertag: Schimmel macht mich krank!

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Silvia Sattler (51) hat Schimmelflecken in der Wohnung – wenn es nicht besser wird, muss sie wohl dauerhaft einen Mundschutz tragen.

München - Grüne und schwarze Schimmelflecken an den Wänden, modriger Geruch, Wasserflecken und Sorgen um die Gesundheit. Silvia Sattler und ihre 16-jährige Tochter haben seit sieben Jahren Schimmel in ihrer 50-Quadratmeter-Wohnung in Schwabing!

Damals sorgte ein strenger Winter dafür, dass an einer Außenwand des Kinderzimmers wochenlang zwei Meter hoch Schnee an der Wand stand. Als es taute, drang Feuchtigkeit in die Mauer. Folge: Schimmel im Kinderzimmer, Flur und Wohnzimmer.

Zwischenzeitlich schien das Feuchtigkeitsproblem besiegt, aber 2012 ist es zurückgekehrt. Der Hauseigentümer, die GBW-Gruppe, hatte vergangenes Jahr innen an den betroffenen Wänden Silikatplatten befestigt – allerdings ohne Erfolg. Denn jetzt schimmelt es sogar hinter den Platten weiter.

„Damals musste der Schlafzimmerschrank abgebaut werden, wir mussten Regale, Bettwäsche, Kleidung und Schuhe wegwerfen. Aber das war leider alles vergeblich“, sagt Silvia Sattler (51). Heuer bemerkte sie bereits im März, dass sich am Küchenfenster die Wand aufblähte und die Farbe abbröckelte. „Die Wohnung ist eigentlich unbewohnbar“, sagt die tz-Leserin. Man riet ihr, die Miete um 40 Prozent zu mindern. Was sie im September auch tat – wie auch teils schon in den Jahren zuvor.

Silvia Sattler schrieb an ihren Vermieter und setzte Fristen für die Beseitigung des Schimmels – vor zwei Wochen kam dann ein Sachbearbeiter und bot ihr eine andere Wohnung an. „Die kostet aber knapp 300 Euro mehr Miete, das kann ich mir als Alleinerziehende nicht leisten“, sagt die Schwabingerin. Sie hofft, dass sich nun bald etwas ändert. „Meine Tochter hat von Geburt an Neurodermitis und Heuschnupfen, seit zwei Jahren Asthma. Auch ich leide an Kopfschmerzen und seit mehr als zwei Jahren an Husten, der von dem Schimmel herrührt.“

Die tz hakte beim Vermieter nach – und bekam als Antwort, dass sich umgehend ein Sachverständiger des Problems annehmen werde. „Ob und was zu tun ist, können wir erst nach der Besichtigung sagen“, erklärt GBW-Sprecherin Katja Neese.

Anja Franz, Mietrechtsexpertin des Mietervereins München, rät Silvia Sattler, beharrlich zu bleiben. „Der Vermieter muss dafür sorgen, dass die Wohnung schimmelfrei und nicht gesundheitsgefährdend ist, wenn das Problem auf bauliche Mängel und nicht auf falsches Lüft- und Heizverhalten des Mieters zurückzuführen ist“, sagt sie. Die Miete würde sie allerdings nicht weiter mindern. „Mietrückstand kann nämlich einen Kündigungsgrund schaffen – und wenn man dann vor Gericht gehen muss, um feststellen zu lassen, dass die Kündigung nicht gerechtfertigt ist, weil die Kürzungen angemessen waren, dann ist das zusätzlicher Ärger“, sagt Franz. Sie halte es deshalb für ratsam, lieber die Miete unter dem Vorbehalt nachträglicher Minderung zu zahlen.

Susanne Sasse

Das ist die Rechtslage

- Tritt in einer Wohnung Schimmel auf, ist der Mieter verpflichtet, das dem Vermieter umgehend zu melden. In dieser Schadensmeldung kann der Mieter auch gleich eine zweiwöchige Frist zur Beseitigung des Schimmels setzen, denn grundsätzlich ist der Vermieter für die Beseitigung von Schäden zuständig.

- Die Kosten für die Beseitigung der Schimmelschäden muss derjenige tragen, der den Schimmel zu vertreten hat. Dies kann der Vermieter sein, wenn der Schimmel auf einen baulichen Mangel zurückzuführen ist. Aber auch der Mieter, wenn er falsch lüftet oder heizt. Sind sich Vermieter und Mieter nicht einig, wer die Schuld am Schimmel trägt, können sie einen Gutachter einsetzen. Gibt ein Vermieter privat ein Gutachten in Auftrag, sollten Mieter aufpassen, dass es nicht einseitig zugunsten des Vermieters ausfällt, rät Mietrechtsexpertin Anja Franz.

- Reagiert der Vermieter nicht, kann ihn der Mieter auf Beseitigung des Schimmels verklagen. Oder er greift zur Selbsthilfe und kürzt wegen des Schimmels die Miete. Dieses Vorgehen ist allerdings riskant, denn seit dem Jahr 2012 hat sich die Rechtslage für Mieter durch ein BGH-Urteil verschärft. Demnach können Vermieter den Vertrag fristlos kündigen, wenn sich zeigt, dass der Mieter für den Schimmel verantwortlich war und er dennoch die Miete üppig gemindert hat (Aktenzeichen: VIII ZR 138/11).

- Der Mieter sollte immer darauf achten, dass er richtig lüftet und die Wohnung ausreichend beheizt, denn damit schützt er sich auch davor, dass er die Schuld am Schimmel trägt. Anja Franz rät zur Stoßlüftung. Die Fenster lediglich zu kippen reiche nicht aus. Dass der Mieter tagsüber während der Arbeitszeit kaum die Möglichkeit zum Lüften hat, ist nach Ansicht des Amtsgerichts München aber nachvollziehbar (Aktenzeichen: Z 412 C 11503/09).

- Sollte der Vermieter behaupten, der Schimmel in der Wohnung sei entstanden, weil Möbel zu dicht an den Wänden stünden, kommt er damit nicht durch. Denn die Mieter können die Möbel in der Wohnung aufstellen, wo sie wollen. So entschied zum Beispiel das Amtsgericht Osnabrück. Für den Schimmel hinter einem Schrank müsse der Vermieter haften (Aktenzeichen: 14 C 385/04).

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