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Mietstudie: München für Familien unbezahlbar

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Von: David Costanzo

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Für Familien ist es so gut wie unmöglich, eine bezahlbare Bleibe in der Stadt zu finden. © dpa

München - Familien sind die größten Verlierer der Münchner Mietenexplosion: Sie brauchen größere Wohnungen, bevorzugen ruhigere Viertel, müssen wegen der Kindererziehung aber auf Einkommen verzichten. Folge: In der Stadt finden Familien fast keine bezahlbaren Wohnungen mehr!

Das belegt eine Studie des Immobilienberaters Empirica, die Donnerstag im Stadtrat vorgestellt wird.

Die Forscher haben im Auftrag der Bertelsmann Stiftung die 100 größten Städte der Republik verglichen. „In München ist die Lage besonders zugespitzt, weil auch im Umland der Druck nicht nachlässt“, sagt Empirica-Studienleiter Timo Heyn der tz. Bezahlbare Wohnungen gibt es erst so weit außerhalb, wie in keinem anderen Ballungsraum. Weil Mama, Papa und die Kleinen die Mieten in der Stadt oft doch hinblättern, rutscht selbst die Mittelschicht in die Armut. Das Sozialreferat schlägt Alarm!

Die wichtigsten Ergebnisse

Einkommen: Schon die Verteilung ist niederschmetternd. München hat mit 1740 Euro zwar das höchste monatliche Netto-Einkommen pro Kopf, mit 16,8 Prozent aber auch mit die höchste Armenquote. Als bedürftig gilt eine Person, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens hat – also 1044 Euro. Bei einer vierköpfigen Familie liegt die Grenze bei 2003 Euro.

Angebot: Selbst für Familien mit ordentlichem Einkommen ist es schwierig, überhaupt eine Wohnung zu finden! Die Forscher haben mindestens drei Zimmer und 75 Quadratmeter vorausgesetzt. Während

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Rot bedeutet unbezahlbar: Die Karte zeigt, in welchen Vierteln sich Familien mit mittlerem Einkommen welchen Anteil der größeren Wohnungen noch leisten können - oder eben nicht.

bundesweit fast jede zweite Wohnung groß genug für Familie Mustermann ist, gilt das an der Isar nur für jede dritte.
Finanzierung: München? Unbezahlbar! Für die Berechnung der Wohnkaufkraft haben die Forscher die Einkommen mit Tausenden echten Inseraten abgeglichen. Zuletzt wurden beim Umzug im Schnitt 15 Euro pro Quadratmeter kalt aufgerufen. Das hat dramatische Quoten zur Folge: Bundesweit können sich Familien der Mittelschicht 35 Prozent aller größeren Wohnungen leisten, in München nur 11 Prozent. Die Karte zeigt, dass sich die bezahlbaren Viertel am Stadtrand ballen – Messestadt, Freimann, Aubing. Arme Familien können bundesweit noch zwölf Prozent aller Wohnungen finanzieren, hier ist es nur ein Prozent. Minusrekord!

Landflucht: Die Forscher haben einen interessanten Wert errechnet: Er gibt an, wie weit die Mittelschicht aus dem Zentrum wegziehen müsste, bis sich Einkommen und Mieten die Waage halten. Diese Distanz liegt fast in allen Städten unter 10 Kilometern – in München aber bei 40 Kilometern!

Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) folgert: „Familien, die bundesweit nicht als arm gelten, gelangen unter die Armutsschwelle.“ In Problemvierteln hätten die Kinder kaum Chancen auf sozialen Aufstieg, sie verweist aber auf fast 5000 Sozialwohnungen, die München seit 2006 gebaut habe. Die Stadt könne das Problem aber nur mit dem Umland lösen.

Quelle: Empirica,  Datenbasis: Mikrozensus 2011, empirica- Preisdatenbank (Basis: IDN Immodaten GmbH, empirica- systeme.de), Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (Destatis)

David Costanzo

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