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Mieter-Alptraum: Wenn mich der ­Vermieter mobbt

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Von: Susanne Sasse

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Tina B. (45) hat alle Zettel, die durch die Tür geschoben wurden, in einem Ordner abgeheftet. © Westermann

München - Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Wie wahr dieses Zitat von Friedrich Schiller ist, zeigt sich auf der tz-Mieterseite immer wieder.

Jetzt klagt Tina B. (45): „Ich werde von meiner Vermieterin gemobbt!“ Als sie vor nicht einmal einem Jahr in Schwabing in die neue 60-Quadratmeter-Wohnung einzog (660 Euro Warmmiete), ahnte sie nicht, wie unwohl sie sich hier bald fühlen würde. „Im Gegenteil, ich freute mich und dachte: Das ist die Gelegenheit! Wer hat schon das Glück, in Schwabing wohnen zu dürfen“, sagt die tz-Leserin. Tina B. gab ihre alte Wohnung am Westpark auf. „Obwohl ich dort alles hatte: Südbalkon, Keller, Waschraum“ – heute bereut sie diesen Schritt sehr.

Denn schon im Sommer kam es in der Schwabinger Wohnung zu Zwistigkeiten mit der Vermieterin, die auch im selben Haus wohnt. „Es ging darum, ob ich einen eigenen Briefkasten bekomme oder ob die Vermieterin unangemeldet meine Wohnung inspizieren darf. Schon bald eskalierte die Situation, und die Vermieterin begegnete mir nur mehr feindselig“, berichtet die Erzieherin. Ab Herbst schob ihr die Vermieterin dann immer wieder Zettel unter der Türe durch. „Mit lauter Beleidigungen drauf“, sagt Tina B., die ihre Vermieterin jetzt wegen Körperverletzung und Stalkings angezeigt hat. Auch die Verletzung des Briefgeheimnisses wirft sie ihr vor, da Briefe geöffnet worden seien.

Die Streitigkeiten liegen laut Tina B. darin begründet, dass sie die Erwartungen der Vermieterin enttäuscht habe: „Sie suchte in Wirklichkeit jemanden, der mit ihr die Zeit verbringt, und nicht nur eine Mieterin. Aber als ich klarmachte, dass ich keinen persönlichen Kontakt wünsche, wollte sie mich wieder loswerden.“ Die Vermieterin kündigte den Vertrag, da das Verhältnis zerrüttet sei – ob diese Kündigung wirksam ist, wird nun das Amtsgericht entscheiden müssen.

„Ich wäre froh, wenn die Dame auszieht“, sagt die Vermieterin (69) zur tz: „Ich habe für die Dame alles getan, um ihr zu helfen, und bin sehr enttäuscht.“ Da die Mieterin auf nichts reagiere, versuche sie, über Zettel mit ihr zu kommunizieren. „Aber es klappt nicht, ich bekomme keine Antwort, ebenso wenig mein Anwalt.“

Die Vorsitzende des Mieterverein München, Beatrix Zurek, spricht von einer „verfahrenen Situation“. Sie weiß aus Erfahrung, dass es sehr konfliktreich sein kann, wenn Vermieter und Mieter in einem Haus wohnen: „Da muss man sehr aufpassen und schauen, dass man wirklich zueinanderpasst, weil die Mieter da dem Vermieter ja quasi auf dem Schoß sitzen.“ Zurek betont, dass Mieter kein Freiwild für die Vermieter sind.

Sie warnt Mieter auch davor, zu leichtfertig darauf zu vertrauen, dass man sich mit dem im Haus wohnenden Vermieter schon gut verstehen werde. „Wer ein schlechtes Gefühl hat, sollte nicht einziehen – besonders, weil in vielen Fällen sogar der Kündigungsschutz für die Mieter eingeschränkt ist, wenn sie mit dem Vermieter unter einem Dach wohnen!“ Dies sei der Fall, wenn auch nur zwei Wohnungen in dem Haus sind, in dem der Vermieter auch selbst wohnt. Der Vermieter kann dann ohne Grund kündigen und muss sich in dem Kündigungsschreiben nur auf § 573a des Bürgerlichen Gesetzbuches berufen

Im Fall von Tina B. gilt diese erleichterte Kündigungsmöglichkeit zwar nicht, da drei Mietparteien im Haus wohnen. „Aber wer möchte schon mit jemandem in einem Haus wohnen, mit dem er sich gar nicht versteht“, sagt Zurek.

Susanne Sasse

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