Das Kammerspiele-Wohnprojekt

Eine Nacht in Münchens irrstem Miet-Apartment - der tz-Test

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Das Mini-Apartment im Fußgängertunnel Maximilianstraße 6.

München - Rund ein Dutzend Shabbyshabby-Apartments gibt es derzeit in München, tz-Reporterin Joannah hat eines davon getestet:

"Mami, wohnt die Frau da oben?“ Das fragt ein Kind, als tz-Reporterin Joannah mit dem Schlüsseln den Schrank, pardon: die Tür zu ihrem Apartment aufsperrt. Ihr erster Gedanke: „Was, hier soll ich wohnen?!“

Sollte sie – wie es war, lesen Sie unten. Nur so viel: Das Abenteuer hat sich gelohnt! Joannah und Manuel schliefen im ersten Stock des Fußgängertunnels Maximilianstraße 6 – im Rahmen des Kammerspiele-Projekts Shabbyshabby Apartments, mit dem der neue Intendant Matthias Lilienthal ein erstes Ausrufezeichen setzt: Einen Monat lang kann man in irren „Apartments“ für 35 Euro die Nacht pennen (tz berichtete). Ein gutes Dutzend sind über die Stadt verteilt. Da legst di nieder! Flankiert wird die Aktion von Vorträgen, Diskussionen, Führungen und mehr.

Bis zum 13. Oktober können auch Sie mitten in München die Tapete wechseln. Fest steht schon einmal: „Die Hilfsbereitschaft der Gäste ist toll, und wir haben viele interessante Bekanntschaften geschlossen“, schwärmen Joannah und ihr Freund Manuel.

So geht’s: Bei den Kammerspielen anrufen (Telefon 23 33 71 00) oder ab 10 Uhr an der Kasse nachfragen. Und nun: Augen auf für eine schräge Nacht!

Das Objekt

Joannah zeigt das Mini-Apartment im Fußgängertunnel Maximilianstraße 6. Die ganze Nacht über brannte eine kleine Lampe (links auf dem Schrank) und zog Schaulustige an. Die Dixi-Toilette ist übrigens ein paar Meter entfernt auf dem Max-Joseph-Platz, gesichert mit einem Zahlenschloss. Die Kombination gibt’s an der Tageskasse. Fazit: Die „Bude“ von Architektin Regina Baierl ist einmalig!

Samstag, 17.15 Uhr

Joannah holt den Schlüssel für ihr vorbestelltes Apartment an der Kammerspiele-Tageskasse ab (Maximilianstr. 26, Check-in von 16 bis 22 Uhr). Hinterlegt werden 50 Euro Kaution, die Sie bei der Schlüsselrückgabe am darauffolgenden Tag zurückbekommen. Joannah erhält zudem ein Blatt mit Infos zu ihrer neuen Heimat „M6“.

17.45 Uhr

Der Einzug: Joannah und Manuel schließen den Schrank auf, der als Eingangstür zum Apartment dient. Von innen kann man einen Riegel vorschieben, aber das sparte sich das Paar: „In der Nacht kamen mindestens 30 neugierige Leute, die alle sehen wollten, wie wir hier so hausen.“

18 Uhr

Im Inneren: ein Idyll! Joannah findet u. a. Ohrenstöpsel, nagelneue Ikea-Matratzen (jeden Tag sorgen Profis für den Neubezug), Bücher, Kleiderbügel, Kacheln, einen Wasserkocher, Wasser und Tee – und eine Gießkanne samt zum Bewässern animierender Pflanze. Im Erdgeschoss steht ein kleiner Sekretär.

Sonntag, 1.30 Uhr

Schlafenszeit: „Die Bettdecken sind wunderbar warm, die Ma­tratzen erstklassig“, sagt das Paar. Die Kurbel-Taschenlampe erhält man mit dazu. Wirklich ruhig ist es nicht – erst so ab 6 Uhr am Sonntagmorgen. Erstens fährt die Tram, und zweitens machen sich die Tauben auf den Baustellengerüsten wichtig (keine Angst: Sie können nichts an- bzw. verrichten). Schlafmasken sind inklusive.

8 Uhr

Und wie war’s jetzt auf der Nobelmeile? „Eine tolle Erfahrung! Zum Glück hat sich unsere anfängliche Skepsis nicht bewahrheitet“, lachen die beiden. Joannah freut sich diebisch, dass „auf dem Inbegriff der Spießigkeit, der Maximilianstraße, die Nachbarn sich so toll gegenseitig geholfen haben“.

9 Uhr

Von neun bis elf Uhr gibt’s Frühstück in der Theaterkantine (Zugang Falckenbergstraße). Serviert werden frische Semmeln und Gebäck, Getränke, Müsli, Marmelade & Co. Der Raum ist erfüllt von Erlebnisberichten der vergangenen Nacht. Jetzt noch Schlüssel abgeben und die 50 Kröten zurückholen. Diese Nacht war einmalig!

Matthias Bieber

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