Lärm und Vogelkot auf dem Balkon

Hilfe! Mein Nachbar lockt Tauben an

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Greislig! Theresia Lämmchen ekelt sich vor dem Vogelkot auf dem Balkon.

München - Der Nachbar lockt Tauben an - durch Müll und Futter. Die Folge: Der ganze Balkon ist voller Vogelkot. Es stinkt. Die Mieter beschweren sich reihenweise, doch lange geschieht nichts. Ein Fall für den tz-Mietertag.

Theresia Lämmchen (67) graust's. Die Rentnerin wohnt seit vier Jahren in einem Appartement der Gewofag in Pasing. Im siebten Stock, mit einem schönen Balkon. Doch den kann Frau Lämmchen nicht nutzen – denn auf dem Nachbarbalkon treiben's die Tauben bunt. Alles voller Vogelkot! Es stinkt! Und nicht nur das: Jetzt im Vorfrühling geht's erst richtig los. Schon in der Früh um fünf gurren die Täuberiche um die Gunst der Weibchen. Von den Plastikraben, die Lämmchen zur Abschreckung aufgestellt hat, lassen sich die Tauben nicht stören.

Bei der Hausverwaltung hat sich nicht nur Theresia Lämmchen beschwert über die Tauben. Auch anderen Nachbarn ist es ein Graus, dass der betroffene Mieter nichts gegen die Tauben tut. Ja, dass er sie mit seiner Unordnung regelrecht anlockt. „Leider ist nichts geschehen, der Dreck wächst und wächst“, ärgert sich Lämmchen. Ein Fall für den tz-Mietertag.

Nach zwei Abmahnungen wurde dem Mieter nun gekündigt

Diesmal hat's schnell funktioniert. Die tz rief bei der Gewofag an, und schon einen Tag später hatte der Nachbar seine fristlose Kündigung. Allerdings war der tz-Anruf nur der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Gewofag-Sprecherin Sabine Sommer: „Bereits Ende 2012 haben wir den Nachbarn von Frau Lämmchen kontaktiert, da sich andere Nachbarn beschwert hatten.“ Bei der Begehung der Wohnung stellten die Gewofag-Mitarbeiter fest, dass es sich um einen Messie handelt, der die Wohnung komplett vermüllt. Die Gewofag sprach eine Abmahnung aus und setzte eine Frist, in der der Mann aufräumen sollte. „Zusätzlich haben wir – wie immer in solchen Fällen – dem Mieter Hilfe über die Wohnforum GmbH, unsere Tochterfirma für soziale Dienstleistungen rund ums Wohnen, angeboten. Diese Hilfe hat er bisher leider nicht in Anspruch genommen“, sagt Sommer. Im Februar 2013 gab es zudem eine erneute Abmahnung. Ab April 2013 ließ der Mann die Gewofag nicht mehr in seine Wohnung. So musste der Vermieter per Gericht vorgehen, war dann im Dezember 2013 wieder in der Wohnung und beauftragte einen Anwalt damit, eine Kündigung durchzusetzen.

Problem: Nachbarn hatten sich nur mündlich, nie schriftlich beschwert

„Unser Problem war, dass sich die Nachbarn nie schriftlich, sondern immer nur mündlich beschwert haben. Für uns aber wäre es wichtig, vor Gericht etwas in der Hand zu haben“, sagt Sommer. Denn so einfach kündigen kann man einem Mieter nicht, nur weil er in seiner Wohnung unordentlich ist. „Wenn allerdings Gesundheitsgefahren von der Wohnung ausgehen, dann müssen wir als Vermieter eingreifen, denn die Nachbarn haben Anspruch auf ein gesundes Wohnumfeld“, sagt Sommer. Sie hofft jetzt, dass es bald gelingt, die Tauben vom Balkon zu verjagen – noch bevor sie das Brüten anfangen.

svs

Das ist die Rechtslage

Das Mietrecht steht grundsätzlich auf der Seite des taubengeplagten Mieters, sagt Mietrechtsexpertin Anja Franz vom Münchner Mieterverein: „Denn von nistenden Tauben gehen grundsätzlich Verschmutzungen, Geräuschbelästigungen und Ungeziefergefahren aus.“

Das Füttern von Tauben ist dem Mieter daher grundsätzlich verboten. Hält er sich nicht daran, kann ihm nach vorheriger Abmahnung fristlos gekündigt werden. Lediglich das Ausstreuen von Vogelfutter für Singvögel bei Frost und Schnee ist erlaubt.

Stellt sich heraus, dass im Haus Tauben nisten, haben die Mieter einen Anspruch darauf, dass der Vermieter die Nester entfernen lässt. Bis zur Beseitigung des Mangels kann man die Miete um bis zu zehn Prozent mindern. Führt die Untätigkeit des Vermieters zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen, kommt sogar ein Schmerzensgeld in Betracht.

Gerichte gewähren bei Taubenbelästigung Mietminderungsquoten von bis zu 30 Prozent

In anderen Fällen sind die Minderungsquoten, die die Gerichte bei Taubenbelästigungen gewähren, sehr unterschiedlich, sagt Anja Franz. Je nach Ausmaß und Beeinträchtigung kann die Quote zwischen fünf und 30 Prozent liegen. Das Amtsgericht München hat zum Beispiel fünf Prozent Mietminderung gewährt, weil eine Loggia mit Taubendreck verschmutzt war (Az.: 412 C 32850/08). Mietern, die beim Weg ins Haus regelmäßig in Exkremente der Tiere traten und vor deren Wohn- und Schlafzimmerfenster haufenweise Taubendreck lag, sprachen die Münchner Richter zehn Prozent Kürzung zu. „Allerdings ist es wieder mal wichtig, sich rechtlich beraten zu lassen, bevor man eigenmächtig eine Mietkürzung vornimmt“, rät Mietrechtsexpertin Anja Franz.

svs

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