Gebäude in der Schleißheimer Straße

Verklagt, weil SIE die Miete nicht genug erhöhte!

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Ex-Verwalterin Gertraud H. wurde verklagt, weil sie nicht die maximalen Mieterhöhungen ausgenutzt haben. Es geht um dieses Mietshaus in der Schleißheimer Straße: Darin befinden sich 19 private Wohnungen und zwei Geschäfte

München - Nirgendwo in Deutschland ist der Mietmarkt so brutal wie in München. Jetzt klagen sogar Eigentümer gegen frühere Hausverwalter, weil diese nicht die maximalen Mieterhöhungen ausgenutzt haben.

Nirgendwo in Deutschland ist der Mietmarkt so brutal wie in München. Der Wohnraum ist knapp, der Quadratmeterpreis explodiert, Luxussanierungen vertreiben immer mehr Bewohner aus ihren Vierteln. Aber es geht noch schlimmer: Jetzt klagen sogar Eigentümer gegen frühere Hausverwalter, weil diese nicht die maximalen Mieterhöhungen ausgenutzt haben.

Der irre Prozess gestern am Oberlandesgericht: Es geht um ein Mehrfamilienhaus in der Schleißheimer Straße, das Investor Peter L. (Name geändert) 2012 von der Düsseldorfer Eigentümerfamilie T. kaufte. Diese trat im Kaufvertrag alle Ansprüche an den neuen Käufer ab – auch über sämtliche Mieteinnahmen bis zum Verkauf. Diese Klausel nutzte Peter L., um nun nachträglich Schadenersatz in Höhe von 346.210,74 Euro von der Hausverwaltung zu fordern – wegen „pflichtwidrig unterlassener Ausschöpfung der gesetzlich zulässigen Mieterhöhung“ von 2002 bis 2012. Im Klartext: Nun soll die Hausverwaltung bluten, weil sie die 19 privaten und zwei gewerblichen Mieter nicht bis zum Äußersten geschröpft hat.

Im erster Instanz wurde die Klage bereits ohne Beweisaufnahme abgewiesen, das OLG rollt den Fall nun neu auf. Dabei wird klar: Ex-Eigentümer Claus T. (64) ist ein Vermieter, wie ihn sich jeder wünscht. Vor Gericht sagt er: „Unser Interesse war, marktgerechte Mieten zu erzielen und gesunde, langfristige Mietverhältnisse zu schaffen. Wir wollten die Kosten in Grenzen halten, um viele Wechsel zu verhindern.“ Jeden Euro aus den Mietern rauszupressen – das lag ihm fern. Obwohl die Lage des Hauses (1970 erbaut) in der Maxvorstadt sehr gut ist.

Die Klägeranwälte Oliver Stern und Ralph Werner (rechts)

Wichtig: Um die konkreten Mietverträge sowie die Abrechnung der Betriebskosten kümmerte sich die Hausverwaltung, mit der Claus T. und seine Familie jahrzehntelang zusammengearbeitet hatte. Zuletzt verlangte sie zehn Euro Miete pro Quadratmeter. Mitarbeiter Heinrich H. (60): „Wir haben die möglichen Mieterhöhungen nie ausgenutzt oder ausgereizt. Und dem Vermieter auch nicht empfohlen, zu erhöhen.“ Eigentümer Klaus T. vertraute der Einschätzung der Hausverwaltung und kümmerte sich nicht weiter um die Angelegenheit.

Bis Peter L. klagte! Er erhöhte nach dem Kauf direkt die Mieten und ließ das Haus sanieren. „Er ist gierig und nur aufs Geld aus. Die Mieter sind ihm egal“, sagt ein früherer Angestellter. Nach tz-Informationen verwaltet L. die Mietverhältnisse nun selbst und hat auch zwei weitere Häuser in München übernommen.

Das Oberlandesgericht wird sein Urteil am 2. Juni fällen.

Andreas Thieme

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