tz-Mietertag

Omas Rettungstat bringt Enkelin in die Klemme

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Rebecca M. mit ihren Kindern und Oma Katharina in der Wohnung in Karlsfeld.

Es ist der Fluch der guten Tat. Rentnerin Katharina F. (88) hat ihre Enkelin Rebecca M. (29) und deren drei Kinder bei sich daheim in Karlsfeld (Kreis Dachau) aufgenommen. Aber: Genau deswegen bekommt Rebecca keine neue Wohnung, weil sie ja Unterschlupf hat.

Dachau - Was als Übergangslösung gedacht war, wird zum Dauerzustand… Ausgerechnet Hilfsbereitschaft wird jetzt zum Problem.

Die alleinerziehende Mutter Rebecca hat ihre alte Wohnung in der Lerchenau verloren und weiß nicht, wie es weitergehen soll mit ihr und den drei Kindern. Sie hatte die Kündigung wegen Eigenbedarfs bekommen. Kurz nach ihrem Auszug sei das Appartment allerdings verkauft worden. M. hat ihren alten Vermieter wegen vorgeschobenen Eigenbedarfs verklagt, was ihr aktuell aber nicht weiterhilft. Die gelernte Bäckereifachverkäuferin braucht eine Sozialwohnung, findet aber keine. Ihre Suche: bisher ohne Erfolg.

Für die dreifache Mutter war es eine Katastrophe, dass sie die Wohnung verlor, in der sie sechs Jahre lang glücklich gewesen war. „Ich hatte schrecklich Angst, dass ich mit den Kindern in ein Obdachlosenasyl muss“, sagt Rebecca. So war es für sie das größte Glück, als ihre Oma Katharina anbot, bei sich im oberen Stockwerk einzuziehen zu können. Die Seniorin hatte die Zimmer zuvor nur als Abstellbereich genutzt. Im Notunterschlupf stellte Rebecca auch noch ihren Hausrat unter – alles fein säuberlich in Kisten gepackt.

Auspacken wollte sie die Kisten eigentlich nicht, denn schon beim Einzug macht die Oma klar, dass das keine Dauerlösung sein könne. Auch beim tz-Besuch in der vergangenen Woche wiederholte sie diese Ansage: „Ich habe bald einen Platz in einem Altenheim. Das Haus werde ich dann vielleicht verkaufen müssen. Meine Enkelin und die drei Urenkel brauchen eine eigene Wohnung!“ Im nächsten Moment wirbeln Urenkelin Aleyna (4), deren Zwillingsbruder Levin und der Erstklässler Deniz (7) um die alte Dame, bis diese einen Finger auf den Mund legt und „Pssst“ sagt. Man merkt ihr an, dass sie von den Konsequenzen ihrer Hilfsbereitschaft überfordert ist.

Mit drei Ämtern hat Rebecca M. in Sachen Wohnung zu tun, die Dinge sind kompliziert. Zwar hatte die 29-Jährige bereits den unterschriebenen Mietvertrag für eine neue Wohnung ab 1. Dezember in der Lerchenau, doch der Vermieter sagte kurzfristig ab. Das Jobcenter München überwies sogar die Miete. Die Behörde ist für die Leistungen zuständig: Rebecca M. ist derzeit ohne Job, kümmert sich um die Erziehung der Kinder. Ab September will sie wieder zur Arbeit gehen – dann hat sie Kindergartenplätze für die Kleinen. Das Geld vom Amt hat Rebecca M. auf einem eigenen Konto geparkt: „Die werden es ja sicher zurückfordern…“

Beim Jobcenter Dachau ist die Lage ebenfalls kompliziert. Hier nahmen die Beamten an, die Oma wolle ihre Enkelin und die Urenkel in ihrem Haushalt beherbergen. Dann ist die Großmutter nach dem Gesetz dazu verpflichtet, das unentgeltlich zu tun – sofern ihre eigenen finanziellen Mittel ausreichen. So bekommt Katharina F. keine Miete für die Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung. Die tz telefonierte mit Peter Schadl, dem Leiter des Dachauer Jobcenters. Er sicherte zu, dass er die Sache noch einmal prüfen werde – denn wenn es sich um eine abgeschlossene Wohnung handelt, dann kann die Oma unter bestimmten Umständen auch Miete beanspruchen.

Rebecca will eigentlich nur endlich eine eigene Wohnung – hat aber so gut wie keine Chance mehr. Früher hatte sie in der Wertung des Münchner Wohnungsamts 111 Punkte und Dringlichkeitsstufe – bis am 3. November ein neuer Bescheid kam: 3 Punkte. Hauptproblem: Voraussetzung für eine Sozialwohnung in München ist ein Wohnsitz in München… 

Das sagt die Expertin: „Eine ärgerliche Situation für alle Beteiligten“, sagt Mietrechtsexpertin Anja Franz. Man kann Rebecca M. nichts vorwerfen. Im Gegenteil: Sie hat versucht, den Ämtern entgegenzukommen – und nun wird das zum Nachteil für sie. Weil ihre Großmutter einsprang und die Behörden entlastete, soll die Seniorin nun anscheinend für die Enkelin bezahlen. Denn: „Verwandte in gerader Linie sind verpflichtet, einander Unterhalt zu gewähren“, so steht es im Gesetz. „In gerader Linie verwandt“ heißt, dass die Personen voneinander abstammen. Also müssen Kinder und Enkel ihre Eltern unterhalten, genauso andersherum. Geschwister dagegen sind in der Seitenlinie verwandt und nicht zum gegenseitigen Unterhalt verpflichtet.

Die GBW zum Balkon-Zoff

In der vergangenen Woche haben wir über Artur Schwab (63) berichtet. Er wohnt in einem GBW-Haus in Moosach und beklagt sich untere anderem über abblätternde Farbe am Balkon. Er sagt, der Vermieter sei hier in der Pflicht, da der Balkon roste.

Die GBW nimmt nun schriftlich Stellung: Es handle sich um einen optischen Mangel – zu diesem Ergebnis sei sie anhand von Fotos gekommen. Das Unternehmen habe Schwab angeboten, einen Teil der Kosten für einen Neuanstrich zu übernehmen. Der Mieter klagte auch über die ungestrichenen Flure in dem Haus. Die GBW schreibt dazu: „Die Flure dieses Wohnhauses werden im Laufe dieses Jahres gestrichen.“ 

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