Jetzt hat er fast gar nichts mehr

Vermieterin entsorgte seinen ganzen Hausstand

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Frei, aber verzweifelt: Friedrich Müller

München - Alles, was Friedrich Müller (57, Name geändert) noch hat, passt in einen Rucksack und eine Reisetasche. Seine Vermieterin hat all sein Hab und Gut entsorgt. Ohne seine Zustimmung, sagt er!

Müller konnte nichts dagegen tun, weil er gerade in der Haftanstalt Bernau am Chiemsee eine neunmonatige Strafe absaß. „Ich hatte gar keine Chance, weil ich nicht so schnell Sonderausgang bekam, um meine Sachen selbst herauszuräumen“, sagt er. Im Gefängnis saß er, weil er in einer offenen Bewährung wegen eines Körperverletzungsdelikts erwischt wurde, wie er einmal ein Bayern-Ticket der Bahn und einmal eine Tageskarte für die S-Bahn weiterverkaufte. Er wurde wegen Betrugs verurteilt, die Bewährung wurde widerrufen. Seit einer Woche ist Müller wieder in Freiheit – und verzweifelt: „Ich habe nichts mehr!“ Er lebt übergangsweise in einem Münchner Hotel, aber das ist keine Dauerlösung: „Ich kann mir das nicht leisten.“

Was ihn umtreibt: Durfte die Vermieterin Ende April einfach so sein Hab und Gut wegwerfen? Hintergrund: Die Frau hatte Müller fristlos gekündigt, da er die Miete für März und April 2013 nicht gezahlt hatte. Die tz fragte bei der Vermieterin nach. Diese bestätigte, dass Müllers Besitz entsorgt wurde. Auf die Frage, ob sie denn ein Gerichtsurteil erwirkt habe, das ihr die Räumung gestattet, wollte sie nicht antworten. Sie berief sich dabei auf den Datenschutz. Schriftlich ließ sie allerdings wissen: „Ich darf Ihnen mitteilen, dass Herr Müller der Räumung seiner Wohnung zugestimmt hat.“

Der aber bestreitet das vehement. „Wer erklärt sich denn einverstanden damit, dass er alles verliert? Ich habe jetzt keine Unterlagen mehr wie Zeugnisse oder Bescheide, keine Möbel, keine Brillen. Auch mein Bayern-Trikot ist weg, einfach alles! Zum Glück hatte meine Freundin die Chance, wenigstens einen Umzugskarton meiner Sachen zu retten, aber als sie noch mal kommen wollte, ließ die Vermieterin sie nicht mehr in die Wohnung“, sagt Müller und fragt: „Darf die Vermieterin das alles?“

Nein, darf sie nicht! Anja Franz, Rechtsexpertin des Mietervereins München, sagt: „Ohne Räumungstitel geht das sowieso nicht.“ Und: „So einen krassen Fall hatten wir noch nie.“ Die Expertin betont zwar: Müller hätte die Wohnung selber kündigen und räumen lassen müssen, als er in Haft saß und absah, dass er die Miete nicht mehr würde zahlen können. Trotzdem hätte die Vermieterin die Sachen nicht wegwerfen dürfen.

Anja Franz rät dem tz-Leser jetzt, zur Polizei zu gehen und Anzeige gegen die Vermieterin zu erstatten: „Wenn sie wusste, dass der Mieter im Kittchen sitzt, die Wohnung gar nicht ausräumen kann und die Sachen auch nicht heraus- verlangen kann, würde ich sagen, dass es Vorsatz war, die Sachen einfach zu entsorgen. Wenn die Vermieterin keinen Räumungstitel hatte und die Sachen bereits am 30. April wegwarf, wie sie es ihrem Ex-Mieter sagte (und also nicht einmal die Monatsfrist einhielt), hätte sie die Sachen auf keinen Fall entsorgen dürfen.“

Müller sucht derzeit eine neue Wohnung. Einen Bewilligungsbescheid des Sozialreferats hat er bereits bekommen.

Wenn er denn neue vier Wände in München finden sollte: Es wird dort erst mal ganz schön leer sein …

Susanne Sasse

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Was steckt hinter den Makler-Beschreibungen?
"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Was steckt hinter den Makler-Beschreibungen? © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Lage in aufstrebendem Viertel" oder "Wohnanlage mit viel Entwicklungspotenzial": In ein paar Jahren mag es hier wunderbar sein. Doch jetzt rollen hier Bagger und Lkws – und danach wird das Leben teurer.
"Lage in aufstrebendem Viertel" oder "Wohnanlage mit viel Entwicklungspotenzial": In ein paar Jahren mag es hier wunderbar sein. Doch jetzt rollen hier Bagger und Lkws – und danach wird das Leben teurer. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Lage in unberührter Natur": Ideal für meditative Einsiedler, die von den Früchten der Erde leben wollen. Wer jedoch arbeiten, einkaufen oder auch mal zum Arzt muss, braucht unbedingt ein Auto. Zudem wird der Weiterverkauf der Immobilie schwierig.
"Lage in unberührter Natur": Ideal für meditative Einsiedler, die von den Früchten der Erde leben wollen. Wer jedoch arbeiten, einkaufen oder auch mal zum Arzt muss, braucht unbedingt ein Auto. Zudem wird der Weiterverkauf der Immobilie schwierig. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Verkehrsgünstig gelegen": Im Extremfall ist vor der Haustür der Hauptbahnhof mit dem entsprechenden Milieu. Oder es führt vor dem Gebäude eine Hauptverkehrsstraße und hinter dem Garten eine viel befahrene Eisenbahnstrecke vorbei.
"Verkehrsgünstig gelegen": Im Extremfall ist vor der Haustür der Hauptbahnhof mit dem entsprechenden Milieu. Oder es führt vor dem Gebäude eine Hauptverkehrsstraße und hinter dem Garten eine viel befahrene Eisenbahnstrecke vorbei. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Unverbaute Lage": Das sagt nur, wie jetzt der Blick aus dem Fenster ist – nicht, dass er auch immer frei sein wird.
"Unverbaute Lage": Das sagt nur, wie jetzt der Blick aus dem Fenster ist – nicht, dass er auch immer frei sein wird. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Seriöses Umfeld": Tagsüber ist wegen der Kundschaft der vielen Büros, Kanzleien und Praxen nebenan eifriges Parkplatzsuchen angesagt – abends riesige Langeweile, nachdem die Bürgersteige hochgeklappt wurden.
"Seriöses Umfeld": Tagsüber ist wegen der Kundschaft der vielen Büros, Kanzleien und Praxen nebenan eifriges Parkplatzsuchen angesagt – abends riesige Langeweile, nachdem die Bürgersteige hochgeklappt wurden. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Nur 20 Autominuten bis zur City": Die Betonung liegt auf Auto! Die Immobilie liegt außerhalb. Planen Sie mit Ampeln und Stau die doppelte Dauer ein, aber nicht die Existenz öffentlicher Verkehrsmittel!
"Nur 20 Autominuten bis zur City": Die Betonung liegt auf Auto! Die Immobilie liegt außerhalb. Planen Sie mit Ampeln und Stau die doppelte Dauer ein, aber nicht die Existenz öffentlicher Verkehrsmittel! © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Umgebung mit hohem Freizeitwert": Stellen Sie sich am Land auf Scharen von Wochenendausflüglern und wenig Parkplätze für ihren Besuch ein. Die Freizeit der anderen meint nicht unbedingt auch Ihre Erholung! In der Stadt könnte sich hinter dem Code ein Szeneviertel mit lauten Kneipen verstecken.
"Umgebung mit hohem Freizeitwert": Stellen Sie sich am Land auf Scharen von Wochenendausflüglern und wenig Parkplätze für ihren Besuch ein. Die Freizeit der anderen meint nicht unbedingt auch Ihre Erholung! In der Stadt könnte sich hinter dem Code ein Szeneviertel mit lauten Kneipen verstecken. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Gute Einkaufsmöglichkeiten direkt vor der Tür": Nebenan liegt eine Einkaufsstraße – mitsamt frühmorgendlichem Lieferverkehr.
"Gute Einkaufsmöglichkeiten direkt vor der Tür": Nebenan liegt eine Einkaufsstraße – mitsamt frühmorgendlichem Lieferverkehr. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Familienfreundliche Wohngegend": Hier quietschen die vielen Kinder tagsüber draußen vor Glück und quäken nachts aus ihren Zimmern. Nichts für ältere Interessenten auf der Suche nach einer ruhigen Lage.
"Familienfreundliche Wohngegend": Hier quietschen die vielen Kinder tagsüber draußen vor Glück und quäken nachts aus ihren Zimmern. Nichts für ältere Interessenten auf der Suche nach einer ruhigen Lage. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Individuelle Bauweise" oder "Individuelle Gestaltung der Wohnung": Dem Vorbesitzer mag der eigentümliche Bau und der Zuschnitt des Objekts zugesagt haben. Individuell sind daher für Sie möglicherweise vor allem die hohen Umbaukosten – oder Einschränkungen bei der Nutzung. Der Wiederverkauf ist schwierig.
"Individuelle Bauweise" oder "Individuelle Gestaltung der Wohnung": Dem Vorbesitzer mag der eigentümliche Bau und der Zuschnitt des Objekts zugesagt haben. Individuell sind daher für Sie möglicherweise vor allem die hohen Umbaukosten – oder Einschränkungen bei der Nutzung. Der Wiederverkauf ist schwierig. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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"Experimenteller Wohnungsbau": Da ging was ordentlich schief, weshalb das Objekt jetzt zum Verkauf steht. Obacht! © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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"Versetzte Wohnebenen": Hier ist eher ständiges steigen als sitzen gemeint – über viele Stufen! Schlecht für Kranke und Ältere. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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"Gut erhalten": Gut heißt nicht sehr gut – also Geld für Renovierungen einplanen! © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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"Liebhaberobjekt": Sie werden es womöglich hassen! Denn die Immobilie ist stark renovierungs- und sanierungsbedürftig. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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"Teilrenoviert": Den frischen Anstrich gibt’s gratis zum Objekt, vielleicht auch die neuen Heizkörper. Aber sonst dürfen Sie alles selbst machen – und bezahlen. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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"Luxuriöse Sanierung": Mit dem überhöhten Preis der Immobilie und einzelnen, vor allem gut aussehenden Sanierungen will der Verkäufer vor allem sich selbst mehr Marmor in seinen vier Wänden leisten. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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"Biotop im Garten": Natur pur kann auch einen stinkenden Tümpel bedeuten – oder eine Lebensaufgabe für Hobbygärtner. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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"Unter Denkmalschutz": Denk vor allem an den Denkmalpfleger! Denn er ist der heimliche Herr im Haus: Ohne seine Zustimmung kann kaum etwas verändert werden.  © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Schnäppchen für Schnellentschlossene": Hier liegt der absolute Ladenhüter. Und deshalb will der Verkäufer mit der Formulierung Zeitdruck aufbauen.
"Schnäppchen für Schnell­entschlossene": Hier liegt der absolute Laden­hüter. Und deshalb will der Verkäufer mit der Formulierung Zeitdruck aufbauen. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Mit frei werdender Einliegerwohnung": Das könnte Ansichtssache sein – fragen Sie lieber den Mieter, ob er das wirklich auch so sieht.
"Mit frei werdender Einliegerwohnung": Das könnte Ansichtssache sein – fragen Sie lieber den Mieter, ob er das wirklich auch so sieht. © Jens Schieren beck/dpa/tmn

Die Rechtslage

Anja Franz erklärt, wie eine Räumung normalerweise funktioniert: „Hat der Vermieter einen Titel – also ein gerichtliches Räumungsurteil – und zieht der Mieter nicht aus, darf der Vermieter gemeinsam mit einem Gerichtsvollzieher das Urteil vollstrecken.“ Der Gerichtsvollzieher bricht dann die Wohnung auf, holt die pfändbaren Gegenstände aus der Wohnung und lagert sie ein. Die Transport- und Lagerkosten trägt der Vermieter. Franz: „Wenn der Mieter die Sachen nicht auslöst, darf der Vermieter sie versteigern oder entsorgen, allerdings erst nach zwei Monaten.“ Auch in diesem Fall muss der Vermieter die Kosten tragen.

Damit auf den Vermieter nicht so hohe Lagerkosten zukommen, die er vielleicht nie vom Mieter zurück bekommt, ist seit heuer auch die so genannte „Berliner Räumung“ erlaubt. Da muss der Gerichtsvollzieher nur die Wohnung pfänden, also das Schloss austauschen. An den Gegenständen hat der Vermieter ein Vermieterpfandrecht, kann die Sachen aber in der Wohnung lassen oder bei sich in den Keller stellen. Der Einrichtungsbestand wird vorher vom Gerichtsvollzieher dokumentiert. Gegenstände, an denen offensichtlich kein Interesse mehr besteht, darf der Vermieter entsorgen. Hinsichtlich Beschädigung der Gegenstände haftet er nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit. Fordert der Mieter nicht innerhalb eines Monats die Sachen heraus, darf der Vermieter sie in Eigenregie verwerten. Das heißt: Er darf sie zum Beispiel verkaufen.

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