Auf vermeintlich seriöser Internet-Seite

Schlüsseldienst-Irrsinn: Tür öffnen macht 392 Euro

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Fassungslos: Nadine R. glaubte, alles richtig zu machen und nicht den erstbesten Schlüsseldienst zu holen.

München - Nur einen Moment nicht aufgepasst – und schon hatte sich Nadine R. ausgesperrt. Und jetzt aufgepasst: Für ein paar Handgriffe soll die 34-Jährige fast 400 Euro zahlen!

Genau: 392,40 Euro. Da bleibt ihr der Mund ganz unverschlüsselt offen stehen …

Die Münchnerin erinnert sich: „Ich habe ge­googelt und bin beim Schlüsseldienst München gelandet.“ Auf der Internet-Seite wird vor Anbietern mit hohen Preisen gewarnt: „In 20 Sekunden ist die Tür auf – und der Mann verlangt 450 Euro in bar. Sind Sie einer unseriösen Firma aufgesessen? Wir helfen Ihnen.“ Die junge Frau freut sich über so viel Seriosität. Dann erlebt sie aber genau das, wovor die Website sie warnte …

Unter der Servicenummer der Seite erfährt sie, dass bald jemand komme. Über Kosten spricht man nicht. Gut 90 Minuten später ist der Monteur da. Er beziffert die Kosten auf 159,90 Euro plus 15 Prozent Sonntagszuschlag. „Knapp 184 Euro klangen günstig, der Monteur konnte loslegen“, sagt die Angestellte. „Nach einer Minute war die Tür offen.“ Und sie um 392,40 Euro leichter!

Erst jetzt bekommt Nadine R. nämlich die Rechnung zu sehen. Der vorher genannte Preis ist der Netto-Preis, und aus den 15 Prozent Zuschlag werden 50 – da habe sie falsch hingehört. Die Einsatzpauschale von 89,90 Euro sieht sie, so Nadine R., dort zum ersten Mal. „Während der anschließenden Diskussion ging der Monteur einfach“, ergänzt die Münchnerin.

Die Quittung des Schlüsseldienstes

Die tz wollte Aufklärung vom Aufsperrdienst. Es lässt sich aber keine Telefonnummer ermitteln. Unter der Adresse, die auf der Rechnung angegeben ist, wohnt scheinbar nur ein Verwandter des Inhabers. Der Betreiber der Internetseite erklärt, dass er seine Partner schon lang kenne und nie Probleme hatte. Die Nummer des Partners, der bei Nadine R. aufgesperrt hat, will er nicht nennen. Zu den Preisen bemerkt er, dass man zwischen reinen Notdiensten und Schlossern – die Türöffnungen nebenbei machen – unterscheiden müsse. Dass Notdienste wegen ihrer 24-Stunden-Verfügbarkeit teurer sind, ist nachvollziehbar. Bei ungewöhnlichen Tageszeiten werden Zuschläge verlangt. Problem: Es gibt keine verbindlichen Tarife.

Viele Gerichte haben sich schon damit befasst. Die Urteile, welcher Preis angemessen ist, sind unterschiedlich (siehe oben rechts). Heinz Kelm von der Metall-Innung München verweist auf Empfehlungen des Bundesverbands Metall von 2011. Die bieten Orientierung. Der Betreiber der Website kennt die Liste, hält sie aber nur für Schlüsseldienste mit weiteren Einnahmequellen für geeignet. Nach dieser Empfehlung wären für Nadine R. 204 Euro angemessen gewesen. Jetzt denkt sie über eine Anzeige wegen Wuchers nach.

Stefan Wandel

Das raten die Verbraucherschützer

Daniela Czekalla von der Verbraucherzentrale Bayern (VZB) rät: „Am besten vorsorgen! Hinterlegen Sie bei einer Vertrauensperson in der Nähe einen Schlüssel. Schauen Sie vorsorglich nach einem Schlosser in Ihrer Nähe, der auch Türöffnungen ausführt und speichern seine Nummer. Idealerweise ist er Mitglied in der Metall-Innung.“ Und wenn es doch passiert? Czekalla empfiehlt, nach Möglichkeit bei Freunden zu übernachten. Eine Türöffnung sei tagsüber günstiger. Und: „Fragen Sie schon am Telefon nach den (Brutto)-Kosten. Unseriöse Anbieter nennen vorher oft den Netto-Preis und verschweigen Zuschläge. Vereinbaren Sie deshalb möglichst einen Festpreis. Auch bei der Konkurrenz nachfragen“, so die Expertin. Vorsicht, wenn der Monteur eine nur zugezogene Tür aufbrechen oder das Schloss ausbauen will. Eine nicht abgeschlossene Tür kann in der Regel leicht geöffnet werden. Nur selten braucht man ein neues Schloss. „Man sollte während der Türöffnung außerdem einen Freund oder Nachbarn als Zeugen dabei haben“, ergänzt Czekalla. Weitere Tipps und Tricks rund um das Thema Schlüsseldienst finden Sie hier.

Gerichts-Urteile

Amtsgericht München: Für drei Minuten Türöffnen werktags zahlt eine Dame 181 Euro. 40-50 Euro hält das Gericht für angemessen. Die Firma muss 140 Euro zurückzahlen.

Amtsgericht Hamburg Altona: Der Schlüsseldienst öffnet werktags die Tür und tauscht Zylinder. Kosten: 520 Euro. Das Gericht sieht hier den Tatbestand des Wuchers erfüllt – 200 Euro seien angemessen. Die Klägerin bekommt 320 Euro zurück.

Amtsgericht Frankfurt/Main: Für eine Türöffnung am Samstag stellt der Schlüsseldienst 718 Euro in Rechnung. Das Gericht findet 278 Euro allerdings ausreichend. Die Forderung sei sittenwidrig – die Klägerin erhält 440 Euro zurück.

Amtsgericht Augsburg: Der Schlüsseldienst öffnet an einem Samstag innerhalb einer Minute eine Tür und verlangt dafür 326 Euro. Der Monteur wird vom Vorwurf des Wuchers allerdings freigesprochen, da der Gutachter den Preis als üblich einstuft.

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Was steckt hinter den Makler-Beschreibungen?
"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Was steckt hinter den Makler-Beschreibungen? © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Lage in aufstrebendem Viertel" oder "Wohnanlage mit viel Entwicklungspotenzial": In ein paar Jahren mag es hier wunderbar sein. Doch jetzt rollen hier Bagger und Lkws – und danach wird das Leben teurer.
"Lage in aufstrebendem Viertel" oder "Wohnanlage mit viel Entwicklungspotenzial": In ein paar Jahren mag es hier wunderbar sein. Doch jetzt rollen hier Bagger und Lkws – und danach wird das Leben teurer. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Lage in unberührter Natur": Ideal für meditative Einsiedler, die von den Früchten der Erde leben wollen. Wer jedoch arbeiten, einkaufen oder auch mal zum Arzt muss, braucht unbedingt ein Auto. Zudem wird der Weiterverkauf der Immobilie schwierig.
"Lage in unberührter Natur": Ideal für meditative Einsiedler, die von den Früchten der Erde leben wollen. Wer jedoch arbeiten, einkaufen oder auch mal zum Arzt muss, braucht unbedingt ein Auto. Zudem wird der Weiterverkauf der Immobilie schwierig. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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"Verkehrsgünstig gelegen": Im Extremfall ist vor der Haustür der Hauptbahnhof mit dem entsprechenden Milieu. Oder es führt vor dem Gebäude eine Hauptverkehrsstraße und hinter dem Garten eine viel befahrene Eisenbahnstrecke vorbei. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Unverbaute Lage": Das sagt nur, wie jetzt der Blick aus dem Fenster ist – nicht, dass er auch immer frei sein wird.
"Unverbaute Lage": Das sagt nur, wie jetzt der Blick aus dem Fenster ist – nicht, dass er auch immer frei sein wird. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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"Seriöses Umfeld": Tagsüber ist wegen der Kundschaft der vielen Büros, Kanzleien und Praxen nebenan eifriges Parkplatzsuchen angesagt – abends riesige Langeweile, nachdem die Bürgersteige hochgeklappt wurden. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Nur 20 Autominuten bis zur City": Die Betonung liegt auf Auto! Die Immobilie liegt außerhalb. Planen Sie mit Ampeln und Stau die doppelte Dauer ein, aber nicht die Existenz öffentlicher Verkehrsmittel!
"Nur 20 Autominuten bis zur City": Die Betonung liegt auf Auto! Die Immobilie liegt außerhalb. Planen Sie mit Ampeln und Stau die doppelte Dauer ein, aber nicht die Existenz öffentlicher Verkehrsmittel! © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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"Umgebung mit hohem Freizeitwert": Stellen Sie sich am Land auf Scharen von Wochenendausflüglern und wenig Parkplätze für ihren Besuch ein. Die Freizeit der anderen meint nicht unbedingt auch Ihre Erholung! In der Stadt könnte sich hinter dem Code ein Szeneviertel mit lauten Kneipen verstecken. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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"Gute Einkaufsmöglichkeiten direkt vor der Tür": Nebenan liegt eine Einkaufsstraße – mitsamt frühmorgendlichem Lieferverkehr. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
"Familienfreundliche Wohngegend": Hier quietschen die vielen Kinder tagsüber draußen vor Glück und quäken nachts aus ihren Zimmern. Nichts für ältere Interessenten auf der Suche nach einer ruhigen Lage.
"Familienfreundliche Wohngegend": Hier quietschen die vielen Kinder tagsüber draußen vor Glück und quäken nachts aus ihren Zimmern. Nichts für ältere Interessenten auf der Suche nach einer ruhigen Lage. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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"Individuelle Bauweise" oder "Individuelle Gestaltung der Wohnung": Dem Vorbesitzer mag der eigentümliche Bau und der Zuschnitt des Objekts zugesagt haben. Individuell sind daher für Sie möglicherweise vor allem die hohen Umbaukosten – oder Einschränkungen bei der Nutzung. Der Wiederverkauf ist schwierig. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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"Experimenteller Wohnungsbau": Da ging was ordentlich schief, weshalb das Objekt jetzt zum Verkauf steht. Obacht! © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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"Versetzte Wohnebenen": Hier ist eher ständiges steigen als sitzen gemeint – über viele Stufen! Schlecht für Kranke und Ältere. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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"Teilrenoviert": Den frischen Anstrich gibt’s gratis zum Objekt, vielleicht auch die neuen Heizkörper. Aber sonst dürfen Sie alles selbst machen – und bezahlen. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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"Luxuriöse Sanierung": Mit dem überhöhten Preis der Immobilie und einzelnen, vor allem gut aussehenden Sanierungen will der Verkäufer vor allem sich selbst mehr Marmor in seinen vier Wänden leisten. © Jens Schierenbeck/dpa/tmn
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