Auf ihrem Balkon angebracht

Seniorin bekam Ärger wegen dieser Satellitenschüssel

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Theresia Lämmchen zeigt den Empfänger auf ihrem Balkon.

München - Es war ein wahres Schüssel-Erlebnis: Mieterin Theresia Lämmchen bekam wegen Satellitenschüsseln gleich zwei Mal Ärger. Zurecht? Das sagt die Mietrechtsexpertin:

Theresia Lämmchen (68) wohnt in einem Gewofag-Mietshaus in Pasing – jede Wohnung hat hier Kabelfernsehen. Die Seniorin möchte sich die Kosten von 9,98 Euro monatlich gern sparen. „Ich habe eine neue Satellitenschüssel, mit der ich prima zurechtkomme“, sagt sie. Doch nun soll die Schüssel weg: „Der Hausmeister sagte, ich habe keinen Anspruch darauf, dass mir die Gewofag die Antenne genehmigt, weil ich keine Ausländerin bin.“

Das möchte die tz-Leserin nicht hinnehmen, denn das Kabelfernsehen ist ihr zu teuer. Inklusive Witwenrente bekommt sie monatlich 768 Euro Rente. Für ihr Appartement zahlt sie inklusive Nebenkosten 342 Euro im Monat. „Vom Rest muss ich mein Leben finanzieren: Essen, Strom, Telefon, Versicherungen, Auto und so weiter – ich drehe jeden Euro um“, sagt sie.

Damit nicht auch die Kosten fürs Fernsehen dazukommen, hatte sie beim Einzug vor sechs Jahren auf ihrem Balkon im siebten Stock eine Satellitenschüssel angebracht. Zunächst eine große, runde Schüssel – aber die hat Theresia Lämmchen auf Wunsch des Vermieters wieder entfernt. „Der Arm mit dem Empfänger ragte über die Brüstung hinaus, deshalb verlangte die Hausverwaltung, dass ich die Schüssel entferne“, sagt Lämmchen. Sie besorgte sich eine kleinere Schüssel, die sie innerhalb des Balkons anbrachte – an einer Teleskopstange, die zwischen Boden und Decke klemmte. „Es musste keine einzige Schraube in den Balkon geschraubt werden“, sagt die Seniorin.

Mietrechtsexpertin: "Ich denke, der Vermieter muss die kleine Schüssel dulden"

Um so irritierter war sie, als ihr ein Vertreter der Hausverwaltung nun neuerlich erklärte, die Schüssel müsse weg. „Ich denke, der Vermieter muss die kleine Schüssel dulden“, sagt aber Mietrechtsexpertin Anja Franz vom Mieterverein München.

Der Bundesgerichtshof entschied, dass Vermieter Parabolantennen auf Balkonen nicht generell verbieten können. Ausländischen Mitbürgern müssen sie erlaubt werden, damit sie auch Sender aus ihren Heimatländern empfangen können. Aber auch anderen Mietern muss der Vermieter unter bestimmten Umständen eine Bewilligung erteilen – und zwar dann, wenn durch das Aufstellen einer Schüssel auf dem Balkon weder das Gebäude beschädigt noch der optische Eindruck nennenswert gestört wird (Aktenzeichen: VIII ZR 207/04 vom 16. Mai 2007).

Gewofag-Konzernsprecherin Kirsten Wiese sagte auf tz-Anfrage, dass die Gewofag wegen der Gefahr der Beschädigung der Bausubstanz grundsätzlich nicht gestatte, dass Satellitenempfangsanlagen an der Hauswand installiert werden. Man dulde es aber, „wenn eine maximal 90 Zentimeter breite Satellitenanlage auf einem beweglichen, 1,50 Meter hohen Standfuß innerhalb des Balkons aufgestellt wird“. Die Gewofag wolle sich mit Theresia Lämmchen in Verbindung setzen. „Ich hoffe, ich kann dem Mitarbeiter klarmachen, dass es nicht sicher ist, wenn ich die Schüssel an einem beweglichen Standfuß festmache, weil sie bei Sturm davonfliegen kann“, sagt Theresia Lämmchen. Durch ihre Teleskopstange werde der Balkon nicht geschädigt, da kein Bohrloch nötig war. 

Lesen Sie hier: Die sieben wichtigsten Mieter-Fragen

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