tz-Bürgeranwalt gibt hilfreiche Tipps

Testament und Schenkungen: Das müssen Sie zum Erben wissen

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Dietmar Gaiser (Mitte) mit Katharina und Hans Fragner beim Filmdreh

München - tz-Bürgeranwalt Dietmar Gaiser beantwortet dringende Fragen von unseren Lesern. Diesmal geht es um das Erben in Patchworkfamilien.

Wir sind eine Patchwork-Familie. Mein Mann und ich sind beide zum zweiten Mal verheiratet. Nun kommen wir in ein Alter, in dem man auch daran denkt, was passiert, wenn einer von uns beiden stirbt. Dann sollte der überlebende Ehepartner unbedingt abgesichert sein. Reicht dafür ein sogenanntes Berliner Testament? Uns treibt aber auch die Frage um, wie wir dieses Testament verfassen sollen. So viel ich weiß, müssen wir es handschriftlich machen. Aber reicht es, wenn einer es schreibt und der andere nur unterschreibt oder müssen wir beide ein identisches handschriftliches Testament hinterlegen? Und wie ist es, wenn wir zum Notar gehen? Erspart sich der Überlebende damit den Erbschein?

Katharina Fragner, Rentnerin aus München

Als Hans und Katharina Fragner diese Fragen an den Bürgeranwalt stellten, war ein tz-Kamerateam dabei, um alles im Film festzuhalten. Dieser Film wird am 26. Januar bei unserem Bürgeranwalts-Forum eingespielt. Dann wird auch die Fachanwältin für Erb- und Familienrecht, Claudia Seidl, als Ansprechpartner für Sie dabei sein. Sie hat sich die Fragen schon einmal vorgenommen.

Und das ist die Auskunft der Fachanwältin: „Oft soll bei einem Testament für Ehepaare ja in erster Linie der Überlebende abgesichert sein. Es stellt sich aber die Frage, was mit dem Vermögen geschehen soll, wenn auch der verstirbt. In solchen Fällen ist nämlich auch eine Regelung für eine Vor- und Nacherbschaft denkbar. Ist eine Immobilie vorhanden, könnte dem überlebenden Ehegatten beispielsweise auch „nur“ ein Nießbrauch eingeräumt werden. Allerdings empfiehlt es sich in solchen Fällen unbedingt, einen Anwalt einzuschalten.“ Die Frage, ob ein Testament von beiden Ehepartnern handschriftlich niedergelegt werden muss, verneint die Anwältin. Claudia Seidl: „Wenn ein gemeinschaftliches Testament verfasst werden soll, reicht es, wenn einer den Text schreibt und unterzeichnet, der andere Ehepartner muss es dann auch nur noch unterschreiben. Mehrere Seiten bitte unbedingt durchnummerieren und das Ganze am Ende natürlich auch mit dem Datum versehen.“

Wenn man ein Testament vom Notar verfassen lässt, braucht man dann unter Umständen wirklich keinen Erbschein. Die Fachanwältin: „Ein Testament sollte immer dann notariell erstellt werden, wenn ein Immobilienbesitz vorhanden ist, da in diesem Fall die Grundbuchänderung auch ohne Erbschein erfolgen kann.“

Schenken ist nicht gleich Erben

Ich habe meiner Tochter im Wege der vorgezogenen Erbfolge viel Geld geschenkt. Leider aber ist unser Kontakt danach völlig abgerissen. Kann ich das Geld zurückfordern beziehungsweise es so regeln, dass meine Tochter das Geld behält, aber nach meinem Ableben keinen Pflichtteil mehr bekommt?

Christa R.

Schon vor der Schenkung hätte unsere Leserin einen Verzicht auf den Pflichtteil zur Bedingung ihrer Schenkung machen können – im Nachhinein aber ist hier nur auf freiwilliger Basis etwas zu erreichen. Ein Geschenk zurückzuverlangen, das ist im Normalfall nicht möglich, sagt Rechtsanwalt Matthias Zachmann aus Olching: „Zwar gibt das Gesetz die Möglichkeit, eine Schenkung wegen groben Undanks zurückzurufen, doch hierfür muss eine schwere Verfehlung gegenüber dem Schenker oder einem nahen Angehörigen vorliegen. Ein bloßer Kontaktabbruch reicht hierfür nicht.“

Deshalb könne Christa R. nur versuchen, mit der Tochter einen Pflichtteilsverzicht zu vereinbaren – etwa durch eine vorzeitige Auszahlung des Pflichtteils. „Ein Verzicht ist allerdings ein freiwilliger Akt, zwingen kann Sie ihre Tochter nicht“, stellt der Rechtsanwalt klar. Zudem muss ein Pflichtteilsverzicht notariell beurkundet werden, sonst ist er nichts wert.

Unser Bürgeranwalts-Forum zum Thema Richtig Erben und Vererben

... findet statt am Dienstag, 26. Januar, um 19 Uhr im Vortragssaal Alte Rotation im Pressehaus, Paul-Heyse-Straße 2-4 in München. Wenn Sie auch dabei sein wollen, schicken Sie doch bitte eine Mail an Buergeranwalt@tz.de oder senden Sie eine Postkarte an tz-

Bürgeranwalt, Paul-Heyse-Straße 2-4, 80336 München. Bitte geben Sie dabei Ihre Teilnehmerzahl und Ihre Telefonnummer an. Sie können sich auch telefonisch anmelden unter der Telefonnummer 089 / 530 65 22. Die Teilnahme am Forum ist kostenlos.

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