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Die besten Tipps gegen Horror-Nachbarn

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Was müssen sich Mieter gefallen lassen - und was nicht?
Was müssen sich Mieter gefallen lassen - und was nicht? © Westermann

Türenschlagen, Hundegebell, auf den Balkon geworfener Müll: Nervenzehrende Nachbarschaftsstreitigkeiten gibt es zuhauf. Die tz gibt Tipps, wie man sich gegen Horror-Nachbarn zur Wehr setzen kann.

München - Türenschlagen, Hundegebell, auf den Balkon geworfener Müll: Nervenzehrende Nachbarschaftsstreitigkeiten gibt es zuhauf. Schillers Satz aus dem Jahr 1804 gilt heute mehr denn je: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt …“ Das weiß auch Heide Wehrhahn. Die Münchnerin leidet seit 16 Monaten unter einer Nachbarin, die nachts lärmt, sie auf dem Gang beschimpft und immer wieder Müll von ihrem Balkon hinunterwirft. Inzwischen will nach einem tz-Bericht sogar Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) versuchen, in dem Gewofag-Haus für Frieden zu sorgen. Dieser Fall: Es ist nur einer von vielen, wie die Zuschriften unserer Leser zeigen. Auf dieser Seite zeigen wir Ihnen einige Beispiele sowie die besten Tipps des Münchner Mietervereins:

Lärmbelästigung: Was ist erlaubt - und was nicht?

Entscheidend ist, um welche Art von Lärm oder Belästigung es sich handelt, sagt Mieterpräsidentin Beatrix Zurek. Das Duschen zu Nachtzeiten sehen Gerichte heute zum Beispiel als normal an, so dass die Nachbarn diese Geräusche hinnehmen müssen. Bewusste Belästigungen wie regelmäßiges Klopfen an Heizungsrohre oder nächtlichen Partylärm müssen die Nachbarn aber nicht akzeptieren. Nicht hinnehmen muss man auch Dreck im Gang oder Beleidigungen. Außerdem wichtig: Jeder Mieter muss seine Pflichten aus der Hausordnung erfüllen – dazu gehört in vielen Fällen zum Beispiel das Putzen des Flurs. Grundsätzlich gilt natürlich: In jedem dieser Fälle sollten Sie sich zunächst direkt an den betreffenden Nachbarn wenden.

Wenn der direkte Kontakt zum Nachbarn nichts nutzt, den Vermieter informieren und ihm mitteilen, dass man aufgrund der Belästigungen berechtigt sei, die Miete zu kürzen und sie nur unter Vorbehalt zahlt.

Führen Sie dann ein Tagebuch, das Sie dem Vermieter am Monatsende vorlegen. Teilen Sie ihm dabei auch den Minderungsbetrag mit (bis zu 20 Prozent, Mieterverein oder Anwälte können helfen). Gut sind auch Zeugen, die die Belästigungen mitbekommen haben. Die Miete kann man rückwirkend ab der Vorbehaltserklärung kürzen.

Der Vermieter muss sich, sobald er von den Streitereien erfahren hat, mit der störenden Mietpartei zusammensetzen und sie gegebenenfalls abmahnen. Er kann sich die von den anderen Parteien einbehaltene Miete von dem Störer zurückholen.

S. Sasse

Dreck auf dem Balkon

Ich kann meinen Balkon fast gar nicht nutzen, da ich immer befürchten muss, dass von der Mieterin über mir Zigerattenstummel, Asche, Blumenerde oder auch diverse Wassergüsse auf meinem Balkon landen. Die Frau anzusprechen, hilft nichts.

Hannelore M.

Müll auf den Balkon muss der Mieter auf keinen Fall akzeptieren, sagt Mietrechtsexpertin Anja Franz: „Fotos machen und Hausverwaltung einschalten!“ Mietminderung wegen Geruchsbelästigung wie Zigarettenrauch gibt es, wenn stündlich zwei Zigaretten geraucht werden, entschied das Landgericht Hambung (Aktenzeichen 311 S 92/10).

Lärm und Beleidigungen

Wir leiden schon längere Zeit unter Ruhestörung im Haus: Nächtliches lautes Türenschlagen, Klopfen am Boden und an Heizungsrohren, Hundegebell, Beleidigungen. Die Vermieter wurden informiert, trotzdem herrscht keine Ruhe.

Ruth T., Untergrießbach

Bei Hellhörigkeit an sich kann der Vermieter nichts machen, wohl aber bei permanetem Lärm wie Streitereien, Musik, Staubsaugen und Getrampel. Protokoll führen und Miete nur unter Vorbehalt zahlen, rät Franz.

Falsche Anschuldigungen

Seit zehn Jahren kämpfen wir vergeblich gegen Nachbarn, die uns mit Lärm das Leben zur Hölle machen. Es wird immer schlimmer: Heute denunzieren sie uns zusätzlich noch mit fingierten Anschuldigungen.

Heinz und Helga G., München

Eine gelegentliche Party der Nachbarn muss man akzeptieren, aber man muss sich das Leben nicht zur Hölle machen lassen. „Lassen Sie den Kleinkrieg nicht eskalieren“, rät Franz. Das heißt: Kleinere Lästereien zwar ignorieren, aber in schlimmen Fällen lieber die Polizei rufen.

Ständiges Hundegebell

Seit nunmehr zwei Jahren müssen wir Tag und Nacht das Dauergebell der drei Hunde unserer Nachbarn anhören. Die Hunde sind unversorgt und meist alleine in der verschlossenen Wohnung.

Edelgard M., München

„Wie schrecklich! Die armen Tiere“, bedauert Anja Franz vom Mieterverein. Natürlich müsse der Mieter das nicht akzeptieren. „Ich würde den Vermieter alarmieren. Man kann aber auch den Tierschutzverein oder eventuell den Amtstierarzt am Land­ratsamt einschalten, der bei Tierquälerei einschreitet.“

Garagentor quietscht rund um die Uhr – was soll ich tun?

Frage:

Seit Juni 2012 bin ich Mieter einer Wohnung in Obersendling. Diese Wohnung befindet sich neben einer Tiefgarage. Leider gibt es deswegen täglich großen Lärm vom Öffnen und Schließen des Garagentors. Ich habe den Geräuschpegel gemessen – er erreicht bis 87 Dezibel. Da es 22 Parkplätze gibt, öffnet und schließt sich das Tor mehr als 30 Mal pro Tag, manchmal auch mitten in der Nacht. Als ich die Wohnungsbesichtigung gemacht habe, hat niemand über das Tiefgaragentor gesprochen. Welche Rechte habe ich? Darf ich eine Mieterniedrigung verlangen?

Christian Mayern, München

Antwort:

Das Problem wird sein, dass der Mieter davon ausgehen musste, dass das Garagentor Lärm verursacht, sagt Anja Franz, Mietrechtsexpertin beim Mieterverein. Sie weiß: „Viele Richter sehen das so und meinen, der Mieter hätte ja wissen müssen, dass es laut wird.“ Andererseits meine sie, dass es in diesem Fall schon um eine Beeinträchtigung der Wohnqualität geht und man demnach die Miete mindern könnte. Man müsste zuerst einmal klären, ob der Mieter hätte erkennen können, was ihn erwartet, als er sich die Wohnung bei der Besichtigung angesehen hat. Danach müsse man beim Bauamt nachfragen, bis zu welcher Dezibelzahl eine Beeinträchtigung dieser Art zumutbar ist. Franz’ Ratschlag zur Soforthilfe: Der Mieter sollte auf jeden Fall zunächst die Hausverwaltung anschreiben und ihr mitteilen, dass die Miete nur unter Vorbehalt gezahlt wird. Dieses Schreiben sollte auch den Hinweis auf eine mögliche Mietminderung enthalten.

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