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Neubau! Rentner soll in Container ziehen

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Rentner Hund Container
In diesen Container soll Jürgen Christl ziehen © Westermann/fkn

München - Seit 46 Jahren lebt Jürgen Christl in einer Mietwohnung in Trudering. Ein Bauträger hat das Haus gekauft, will es nun abreißen und den 73-Jährigen in einen Container ausquartieren.

Jürgen Christl ist verzweifelt. 46 Jahre lang hat der 73-­ Jährige glücklich in seiner 40-Quadratmeter-Souterrainwohnung in Trudering gelebt. Anderswo zu wohnen, kann er sich nicht vorstellen. Aber jetzt soll er raus – er soll in einen Container am Rande des Grundstücks ziehen. Am 15. Dezember soll Christl die Wohnung räumen, am 17. Dezember will der Vermieter Heizung, Wasser und Strom abstellen lassen.

Für mindestens eineinhalb Jahre soll Christl in dem zwölf Quadratmeter großen Wohncontainer leben – während die zwei Mietshäuser auf dem Grundstück abgerissen und durch Neubauten mit insgesamt 15 Wohnungen ersetzt werden. Die Bauzeit ist bis Mitte 2015 angesetzt. Christl sagt: „Im Container auf der Baustelle wohnen, das würde ich nicht überleben“. Der Rentner hat Herzprobleme, litt im Sommer zudem an einer Lungenentzündung. Er musste ins Krankenhaus.

"Ich fühlte mich unter Druck gesetzt, so dass ich unterschrieb"

Zwei Tage vor einem Klinik­termin aber machte Jürgen Christl einen fatalen Fehler, wie er selbst sagt. Er unterschrieb eine Vereinbarung, in der er sich verpflichtete, seine Wohnung bis 15. Dezember zu räumen. Stattdessen soll er in einen Container ziehen. Danach könnte Christl dann in eine der neuen Wohnungen einziehen – 40 Quadratmeter Souterrain für 400 Euro kalt. So bot es ihm der Münchner Bauträger an, der das Grundstück gekauft hat. Christl sagt über das Zustandekommen der Vereinbarung: „Ich wurde zu einem Anwalt gefahren. Vier Mann standen mir gegenüber und redeten auf mich ein. Ich fühlte mich unter Druck gesetzt, so dass ich unterschrieb.“

Inzwischen hat ihm ein Arzt bescheinigt, dass er im September „zeitweilig geschäftsunfähig war“. Der Arzt schreibt, dass der 73-Jährige aus schweren gesundheitlichen Gründen nicht zu einem Umzug in der Lage ist: „Herr Christl ist zur Zeit in keinster Weise körperlich sowie nervlich belastungsfähig, ansonsten wäre seine Gesundheit aufs Äußerste gefährdet.“

"Ich sehe für mich in dem neuen Haus keine Zukunft"

Zwar will der 73-Jährige umziehen: „Ich sehe für mich in dem neuen Haus keine Zukunft, nach dem, was vorgefallen ist.“ Christl war ursprünglich davon ausgegangen, dass er bis zu seinem Lebensende in der Wohnung bleiben würde. So hatte es ihm die Mutter seines jetzigen Vermieters vor 46 Jahren zugesagt. Ihr Sohn aber verkaufte im Frühjahr das Grundstück an den Bauträger. Der wiederum kündigte Christl am 30 September zum 30. Juni 2014. Als Grund gab er an, dass er durch die geringe Miete von 400 Euro an der wirtschaftlichen Verwertung des Anwesens gehindert sei.

Diese Kündigung ist nicht wirksam, meint Mietervereinssprecherin Anja Franz. Sie sagt: „Will der Vermieter wegen fehlender wirtschaftlicher Verwertungsmöglichkeit kündigen, muss er dies genau nachweisen. Nennt er keine Zahlen, ist die Kündigung unwirksam.“

Jürgen Christl sucht eine bezahlbare Wohnung in Trudering

Aber: Auf diese Kündigung kommt es mittlerweile sowieso nicht mehr an. Denn: Nur zwei Tage später war der Anwaltstermin, bei dem Christl die Vereinbarung unterschrieb.

Derzeit ist der Rentner auf Kur, am 18. Dezember wird er entlassen. Und was dann? Die tz  telefonierte mit dem Vermieter. Der sagt, man stehe kurz vor einer Einigung über eine Abfindung. Allerdings hat der Anwalt des Bauträgers dem Anwalt des Rentners bereits den Entwurf einer Räumungsklage übergeben. Die Ankündigung: Man werde auf Räumung klagen, wenn Jürgen Christl nicht bis zum 15. Dezember ausgezogen ist. Der Bauträger sagte, er habe viel Geld für den Container ausgegeben und Christl sogar eine Wohnung in dem Neubau zugesagt. Er habe Christl nicht gedrängt und sei bereit, ihn bis Januar im Haus wohnen zu lassen.

Und Jürgen Christl? Der hofft jetzt, dass ihm schnell jemand hilft. Er sucht eine bezahlbare Wohnung (kein Container) in Trudering, von wo aus er weiterhin den Nachbarshund Ringo ausführen kann. „Einen alten Baum verpflanzt man nicht!“

Susanne Sasse

Wegen Leerstand: Heizen wird teurer

Frage: Die Wohnung unter mir steht seit mittlerweile zwei Jahren leer. ­Seitdem bemerke ich einen ­deutlichen Anstieg meiner ­Heizkostenrechnung. Ich sehe das aber nicht ein. Meine Frage: Kann ich von meinem Vermieter jetzt einen Teil der Heizkosten zurückverlangen?

Günter G., München

Antwort:

Wenn Mieter wegen Leerständen im Mietshaus mehr heizen müssen, dann können sie die Mehrkosten nicht vom Vermieter zurückverlangen. Auch die Miete dürfen sie nicht mindern. Das haben schon mehrere Gerichte so entschieden, unter anderem das Amtsgericht Frankfurt/Oder (Aktenzeichen 25 C 1002/04). Der Vermieter ist demnach nicht verpflichtet, leerstehende Wohnungen auf 22 Grad aufzuheizen. Er müsse lediglich darauf achten, dass im Winter in der Wohnung die Heizkörper und Wasserrohre nicht einfrieren. So muss er Wasserschäden oder Rohrbrüche verhindern.

Allerdings darf der Vermierter zusätzliche Kosten, die durch den Leerstand entstehen, nicht auf die anderen Mieter umlegen – man kann da etwa an anteilige Betriebskosten für Gebäudeversicherung, Abwasser, Strom für einen Fahrstuhl oder Müllgebühren denken. Der Bundesgerichtshof entschied, dass bei der jährlichen Betriebskostenrechnung alle Wohnungen im Haus gleichermaßen berücksichtigt werden müssen (Aktenzeichen: VIII ZR 159/05).

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