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tz-Bürgeranwalt hilft

Wurde vor Legionellen in Wohnanlage ausreichend gewarnt?

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Kann wieder unbesorgt duschen: Helmut Kronthaler mit Dietmar Gaiser (re.).

München - Helmut Kronthaler (82), ehemals Bauleiter und Monteur aus München, wendet sich an das Team des tz-Bürgeranwalts. Er fragt sich, ob vor einer Legionellen-Gefahr in seiner Wohnanlage ausreichend gewarnt wurde.

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Im Jahr 1976 fand im Bellevue-Stratford-Hotel in Philadelphia der 58. Veteranenkongress der Amerikanischen Legion statt. Leider nahm er kein gutes Ende: 180 der Teilnehmer wurden krank und 29 starben sogar. Den Ärzten war es ein Rätsel, wie es dazu kommen konnte. Obwohl die besten Wissenschaftler eingeschaltet wurden, dauerte es Monate, bis klar war, dass es sich um eine bis dahin nicht entdeckte Krankheit handelte. Da sie bei einem Treffen der Amerikanischen Legion ausgebrochen war, nannte man ihren Erreger Legionellen. Um solche Legionellen geht es auf unserer heutigen Seite.

Legionellen sind winzige stabförmige Bakterien, die vor allem in stehendem warmen Wasser auftauchen. Trotzdem macht es nichts, wenn man das Wasser trinkt oder sich damit die Hände wäscht. Die Gefahr entsteht, wenn man die Bakterien einatmet. Das kann beim Duschen oder beispielsweise über Luftbefeuchter geschehen. Kommen die Keime in die Lunge, können sie eine besondere Art der Lungenentzündung hervorrufen. Das „Kompetenznetzwerk für Lungenentzündungen“ in Hannover vermutet, dass in Deutschland jedes Jahr bis zu 30 000 Menschen an Legionellose erkranken. Es handelt sich also durchaus um eine sehr häufig auftretende Krankheit.

Allerdings sind die großen Brutstätten für Legionellen nicht nur Warmwasseranlagen in Wohnblocks, sondern vor allem auch Kühltürme und Klimaanlagen. Wenn sie Kälte erzeugen, entsteht auch Wärme. Wir wissen das vom Kühlschrank, auch er gibt nach außen Wärme ab, wenn er innen kühlt. Wird diese Wärme in Rohrsysteme mit Wasser geleitet, sind das ideale Legionellen-Brutstätten. Genau deswegen sind 99 Prozent aller Legionellen-Ausbrüche im Ausland auf Kühlanlagen zurückzuführen. Diese Gefahr wurde bei uns bisher wenig beachtet. Inzwischen ist sie erkannt und der Gesetzgeber macht sich Gedanken, wie er gegensteuern kann. Die Legionellen-Gefahr wird also eher größer als kleiner.

Ihr Dietmar Gaiser

Gefahr beim Duschen

Erst jetzt habe ich erfahren, dass in unserer Anlage, in der ich eine Wohnung besitze, vor einem halben Jahr Legionellen festgestellt wurden. Ich habe damals keine Nachricht der Hausverwaltung bekommen. Darüber bin ich empört, denn ich hatte eine Lungenentzündung. Eine zusätzliche Erkrankung durch Legionellen wäre sehr gefährlich gewesen. Schließlich habe ich mit dem verseuchten Wasser geduscht. Inzwischen – so wurde mir mitgeteilt – sei das Wasser einmal stark erhitzt worden und die Legionellen seien verschwunden. Wann hätte die Information über die Legionellen in unserer Wohnanlage erfolgen müssen und reicht die Erhitzung wirklich, um sie wieder loszuwerden? Für eine kompetente Auskunft wäre ich dankbar.

Helmut Kronthaler (82), ehemals Bauleiter und Monteur aus München

Zuerst konfrontierten wir die Hausverwaltung mit dem Vorwurf. Dort teilte uns Geschäftsführer Marian Offman mit, es habe zwar, als die Legionellen festgestellt wurden, in der Wohnanlage sofort einen Aushang gegeben, der sei aber offensichtlich nach kurzer Zeit abgerissen worden. Außerdem sei die Konzentration der Legionellen nicht gesundheitsgefährdend gewesen.

Das Team des Bürgeranwaltes schaltete den Vorsitzenden des Haus- und Grundbesitzervereins Rudolf Stürzer ein, um zu erfahren, wie die Bewohner einer Wohnanlage zu informieren sind, wenn Legionellen auftreten. Die Antwort war eindeutig: „Die Information muss unverzüglich und schriftlich erfolgen. Schriftlich heißt, es kann per Brief oder durch einen Aushang geschehen.“

Wenn, wie in der Wohnanlage des tz-Lesers, tatsächlich Legionellen im Wasser sind, muss das Gesundheitsamt informiert werden, und natürlich haben die Eigentümer – in unserem Fall vertreten durch die Hausverwaltung – dafür zu sorgen, dass das Wasser wieder frei von Legionellen wird. Dafür gibt es mehrere Methoden. Eine davon ist die „thermische Bekämpfung“, bei ihr wird heißes Wasser durch die Leitungen gepumpt. Diese Bekämpfungsart ist durchaus erfolgreich.

Ein wichtiger Tipp für kleinere Wohnungen, die längere Zeit leerstanden und wohnungseigene Wasserspeicher haben: Diese Speicher vor der ersten Nutzung leerlaufen lassen und mit frischem Wasser füllen. So kommen beim Duschen auf keinen Fall Legionellen in die Luft und können nicht eingeatmet werden.

„Dass das heiße Wasser hilft, beruhigt mich, aber mit der Information durch die Hausverwaltung bin ich nach wie vor nicht einverstanden. Auf jeden Fall danke ich dem Bürgeranwalt für seine ausführlichen Informationen“, resümiert Helmut Kronthaler.

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