tz-Mietertag

Ärger nach dem Wasserrohrbruch: Wer zahlt die Kosten?

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Erika Honold mit ihren ausgelagerten Sachen.

München - Nach einem Rohrbruch folgen in der Regel hohe Kosten. Doch wer bezahlt sie eigentlich? Die tz hat einer Leserin erfolgreich bei diesem Problem geholfen.

Vom Regen in die Traufe? Eher: vom Rohrbruch in den Ärger. So war’s jedenfalls bei Erika Honold (67). Der Mieterin ging’s in ihrer Wohnung in Freimann nass bei. In der Folge hatte sie Zoff mit ihrem Vermieter – in­klusive Mahnbescheid. Als sich die tz einschaltet, gibt es doch noch eine Entschuldigung und das Versprechen der Vermieterin, der Mieterin finanziell entgegenzukommen. Die ganze Geschichte:

Der Winter war vorbei, als bei Erika Honold am 10. März 2014 ein Wasserrohr (gehört zur Heizung) brach. Wasserschaden in ihrer 51-Quadratmeter-Wohnung, die sie seit Ende 1989 von der Heimag gemietet hat! Die Böden mussten erneuert werden. Die tz-Leserin stand vor lauter Problemen. „Damit ein neuer PVC-Boden verlegt werden kann, sollte ich selbst alles leeren und in Kartons packen. Auch das Bett musste weg. Ich war überfordert und brach zusammen“, sagt sie. Sie mietete sich ein Übergangs-Apartment. Ihre Sachen schaffte sie mit Helfern in den Trockenraum im Keller. Von der Heimag bekam sie zwar Hilfsangebote, aber es klappte nicht mit den Terminen – auch, weil die Rentnerin zeitweilig ins Krankenhaus musste.

„Die Schäden müssen kompensiert werden“, dachte sich Erika Honold. Sie minderte vom März bis Juni die Miete um zehn Prozent, danach zahlte sie unter Vorbehalt. „Aber die Heimag teilte mir mit, dass sie die gesamte Mietminderung vollständig ablehnt“, ärgert sich die Rentnerin. Dabei liege ihr Schaden bei 1000 Euro. Doch statt des Auslagenersatzes (für Ausweichwohnung und Umzugshelfer) bekam sie einen Mahnbescheid über die Mietminderung in Höhe von 514 Euro. Dagegen legte sie Widerspruch ein und wandte sich an die tz.

„Die tz-Leserin ist im Recht. Der Vermieter muss ihr die Auslagen ersetzen, die sie hatte, damit er die Wohnung reparieren kann“, sagt Beatrix Zurek, Präsidentin des Münchner Mietervereins. Die Reparatur eines Rohrbruchs ist eine Erhaltungsmaßnahme – die hat der Mieter zu dulden. Er muss dafür auch seine Sachen wegräumen. „Wenn das mit Kosten verbunden ist, dann steht im Gesetz, dass der Vermieter dem Mieter auf Verlangen sogar einen Vorschuss zu gewähren hat“, sagt die Juristin. Auch eine Mietminderung steht Erika Honold für die Zeit zu, in der sie ihre Wohnung nicht oder nur eingeschränkt nutzen konnte. „Jetzt nach dem Widerspruch wird ein Gericht klären, in welcher Höhe Erika Honold Minderung zusteht – außer, die Parteien einigen sich vorher“, so Zurek.

Sie rät allerdings grundsätzlich davon ab, die Miete ohne das Einverständnis des Vermieters selbsttätig zu mindern. Damit riskiert man im Extremfall die Kündigung.

Die tz wandte sich an die Gewofag, das Mutter-Unternehmen der Heimag. Dort kümmerte sich Unternehmenssprecher Peter Scheifele um den Fall. Er schrieb: „Wir bedauern, dass Frau Honold durch den Wasserschaden und die Folgearbeiten Unannehmlichkeiten entstanden sind. Dafür entschuldigen wir uns ausdrücklich.“ Er versprach, dass die Heimag die Mieterin für die ihr aus dem Wasserschaden entstandenen Aufwendungen entschädigen wird. Zudem sagte Scheifele: „Die Mietminderung wird im Sinne der Mieterin so schnell wie möglich geprüft.“ Erika Honold ist erleichtert, dass es vielleicht doch ohne Gericht geht. Sie ist derzeit auf Kur und hofft, dass sie danach Hilfe bekommt, um ihre Sachen wieder in die Wohnung räumen zu können.

svs

Drei Fragen an die Experten

Taubennetz: Ich hatte seit 30 Jahren ein Taubennetz auf dem Balkon. Jetzt nach der Renovierung erlaubt es unser Vermieter nicht mehr. Es haben aber trotzdem einige Mieter ein Netz anbringen lassen. Kann mir der Vermieter trotzdem das Netz verbieten? Carola G., München

Antwort: Der Vermieter muss dafür sorgen, dass es bei seinem Mieter keine Taubenplage gibt, sagt Mietervereinspräsidentin Beatrix Zurek. Wenn der Mieter ein Taubennetz am Balkon anbringen will, kann ihm der Vermieter das nicht verbieten. Allerdings gelten folgende Voraussetzungen: Das Haus darf nicht beschädigt werden – etwa durch Löcher in der Hauswand. Zudem darf das Netz das Gesamtbild des Hauses nicht negativ beeinträchtigen.

Vertrag und Todesfall: Ich habe vor 19 Jahren gemeinsam mit meinem Ex-Mann einen Mietvertrag unterschrieben. Wir haben ihn nicht abgeändert, als er auszog. Jetzt ist er gestorben. Kann mir der Vermieter einen neuen Vertrag aufs Auge drücken, dem ich finanziell nicht gewachsen wäre? Andrea B., München)

Antwort: „Nein, die tz-Leserin muss den Vertrag nicht auf sich alleine umschreiben lassen“, sagt Mietrechtsspezialistin Anja Franz. Wenn ein Mietvertrag auf zwei Mieter läuft und einer der beiden stirbt, dann läuft der Vertrag – so wie er ist – mit dem überlebenden Mieter einfach weiter.

Unterschrift: Ich bekomme eine schriftliche Mieterhöhungsmitteilung mit der Aufforderung, sie zu unterschreiben. Muss ich das tun? Wenn ja: Was ist der Grund? Beträgt die Mieterhöhung nicht mehr als zehn Prozent, muss ich sie doch sowieso akzeptieren … ( Harald F., München)

Antwort: Weil eine Mieterhöhung eine Vertragsänderung bedeutet, kann der Vermieter sie ohne Unterschrift des Mieters nicht vornehmen. Wenn die Erhöhung berechtigt ist, hat er einen Anspruch auf die Zustimmung des Mieters, den er einklagen kann, sagt Mietervereinspräsidentin Beatrix Zurek. In München dürfen Vermieter innerhalb von drei Jahren um 15 Prozent erhöhen – wenn die Miete dann noch ortsüblich ist. Wenn der Vermieter einmal erhöht hat, darf er danach 15 Monate lang nicht nachlegen.

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