Schlaflos wegen BMW

Der tz-Mietertag: Baustellen-Lärm plagt Anwohnerin

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Ohrenbetäubend – so empfinden Edith Mönkemöller (87, li.) und ihre Freundin den Baulärm.

München - Weil BMW in der Nähe ihrer Wohnung eine neue Lackiererei baut, kann Edith Mönkemöller nicht mehr schlafen. Ihr gesundheitlicher Zustand verschlechtert sich. Die tz fragte bei BMW nach und erklärt außerdem, wann sie die Miete wegen Baulärms mindern können.

Bis vor kurzem ist Edith Mönkemöller (87) noch Rad gefahren. „Ich war im Radlclub, im Bergsteigerverein, im Alpenverein und im Ski-club“, sagt die rüstige Seniorin. Heute aber geht das alles nicht mehr – das Alter. Um fit zu bleiben, trainiert die tz-Leserin in ihrem Appartement an der Keferloherstraße, in dem sie seit 36 Jahren wohnt, aber immer noch frühmorgens und am Abend an einem Stepper. „Ich bin ganz autark und auf Hilfe nicht angewiesen. Ich koche selbst, kaufe ein und versorge mich“, sagt sie stolz.

Das Projekt in Milbertshofen: BMW investiert in die neue Lackiererei 200 Millionen Euro. Mitte 2017 soll die Anlage in Betrieb gehen.

Doch seit einem halben Jahr geht der rüstigen Seniorin nicht mehr alles so leicht von der Hand. „Ich kann nachts nicht mehr schlafen, weil die ganze Zeit die Aggregate brummen, alles vibriert, immer wieder werde ich von Baulärm geweckt“, sagt sie. Der Grund: In der näheren Umgebung baut BMW eine neue Lackiererei. Im vergangenen Jahr wurde der Grundstein gelegt, heuer im Januar begannen die Bauarbeiten – und damit auch der Lärm. Edith Mönkemöller hat alles feinsäuberlich dokumentiert, seit dem 7. Januar führt sie akribisch ein Lärmprotokoll. „Da ich in einem Einzimmer-Appartement wohne, kann ich auch nicht in ein anderes Zimmer ausweichen“, sagt sie.

Die 87-Jährige ging zu ihrem Arzt und ließ sich Schlaftabletten verschreiben. „Aber dann dachte ich, es geht doch nicht, dass ich die über Monate hinweg nehme, da mache ich mir ja meine Gesundheit kaputt.“ Am 13. Mai stellte ihr der Hausarzt ein Attest aus, in dem er schreibt: „Die Patientin ist in schlechter körperlicher und seelischer Verfassung, seitdem sie durch massive Lärmbelästigung in der Nacht nicht mehr schlafen kann.“ Die Patientin sei in der Praxis seit Jahren „als unkomplizierte und immer positiv denkende Frau bekannt“, doch jetzt sei sie nervös und krankhaft unruhig. Edith Mönkemöller litt an Magenschmerzen, Herzrasen, Ohrensausen und großem Druck im Kopf. Der Arzt schreibt, sie brauche unbedingt eine Nachtruhe von acht Stunden und bittet um Lösungsvorschläge.

Hausverwaltung verweist an BMW

Das Attest des Arztes sendete der Mieterverein München an die Hausverwaltung, eine große Versicherungsgesellschaft, ebenso forderte er sie auf, einer Vereinbarung über eine Mietminderung zuzustimmen. Die Hausverwaltung verweist aber an BMW und sagt, sie könne nichts machen. So einfach können sie sich nicht herausreden, sagte der Anwalt, den Edith Mönkemöller auf Vermittlung des Mietervereins zurate zog. „Er sagte mir, Frau Mönkemöller, Ihr Vermieter ist hier in der Pflicht, und Sie würden wahrscheinlich irgendwann vor Gericht recht bekommen, aber möglicherweise würden Sie das gar nicht mehr erleben.“ Der Anwalt habe klargemacht, dass sie dann zusätzlich zum Lärm auch noch ein stressiges Gerichtsverfahren am Hals habe. Dann wäre es doch besser, sie wüsste, was auf der Baustelle geplant ist, um sich so besser darauf einstellen zu können, dachte sich Edith Mönkemöller. Aber ihr Versuch, bei BMW mehr zu erfragen, scheiterte. So wendete sie sich an die tz.

„Bei uns findet Frau Mönkemöller ein offenes Ohr, für solche Probleme ist unser Werkschutz zuständig“, sagte BMW-Sprecher Julian Friedrich gegenüber der tz. Er setzte sich auch sofort mit Mitarbeitern vom Werkschutz zusammen und analysierte die Lärmprotokolle der Leserin. „In einigen Fällen hat sie recht, da stimmen ihre Beobachtungen mit unserem jeweiligen Baufortschritt überein, aber für die ab 24 Uhr aufgezeichneten Geräusche können wir nicht verantwortlich sein, da bei uns dann gar nicht mehr gearbeitet wird“, sagt der Sprecher.

Der BMW-Sprecher will Edith Mönkemöller helfen und sie gemeinsam mit Fachleuten besuchen, um der Ruhestörung auf den Grund zu gehen. „Das ist großartig“, freut sich Edith Mönkemöller. Wer noch Probleme mit der Baustelle hat: Der BMW-Werkschutz ist unter Telefon 089/38 24 5000 zu erreichen.

Baulärm: Wann Sie die Miete mindern können

 Lärm von einer benachbarten Baustelle berechtigt den Mieter zur Mietminderung, auch wenn der Vermieter nicht für die Baustelle verantwortlich ist. Dies gilt nach neuester Rechtsprechung allerdings nur, wenn der Lärm nicht unwesentlich oder ortsüblich ist. Dies wiederum richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls, was wiederum im Zweifel das Gericht entscheidet. 

Grundsätzlich sollten betroffene Mieter, sobald die Bauarbeiten beginnen, dem Vermieter einen Brief schreiben, in welchem sie ihm ankündigen, dass sie sich durch die Bauarbeiten in ihrer Wohnqualität beeinträchtigt fühlen und dass sie die Miete ab sofort unter Vorbehalt bezahlen. Es wäre sinnvoll, wenn man sich mit dem Vermieter gleich von vornherein auf eine Minderungsquote einigt. Zum Beispiel insofern, dass die Miete bis zum Abschluss der Bauarbeiten um 25 Prozent gemindert wird. 

Lässt sich der Vermieter nicht auf so einen Deal ein, sollte der Mieter unbedingt den Vorbehalt erklären und dann genau Buch führen, welche Arbeiten zu welchen Uhrzeiten durchgeführt werden. Auch Fotos oder Filme sind hilfreich. Nur mit so einer Dokumentation kann man dann nach Abschluss der Arbeiten beurteilen, welche Minderungsquote gerechtfertigt ist. Wichtig: Wenn der Vorbehalt der Mietzahlung nicht schriftlich erklärt wurde, kann der Mieter die Miete nicht für die Vergangenheit mindern.

Keinesfalls sollte man eigenständig einfach die Miete mindern, denn dann kann der Vermieter möglicherweise kündigen.

So sah München Anfang der 70er-Jahre aus

München U-Bahn-Bau S-Bahn-Bau 70er Jahre
11 Uhr auf dem Marienplatz ist Zeit fürs Glockenspiel – keine Absperrung, keine Schnur, kein Gitter, kein Zaun trennte die Touristen unter dem Neuen Rathaus von der 30 Meter tiefen Baugrube des U- und S-Bahnhofes. Wie durch ein Wunder ist niemand hineingefallen, obwohl alle eine Viertelstunde lang nur nach oben blickten. © Heinz Gebhardt
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Die Baustelle auf dem Marienplatz. © Heinz Gebhardt
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Unter dem Marienplatz, noch ohne Zwischengeschoss: Eine Mega-Halle. © Heinz Gebhardt
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Ein Blick auf den Marienplatz. Bessergesagt Mariengrube. © Heinz Gebhardt
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Offene Baugrube von Schwabing zum Odeonsplatz: Die Straßenbahn fuhr auf riesigen Stahlträgern über das U-Bahn-Bauloch von der Münchner Freiheit bis zum Odeonsplatz, Autos durften mal links, mal rechts, mal gar nicht dahinschleichen und Fußgänger suchten sich selbst irgendeinen Wanderweg durch das Baumaschinenparadies. © Heinz Gebhardt
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Ohne Promis und Medienspektakel, dafür mit 1500 Dackeln und lustigen Münchnern feierte Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel das Ende der Baugrubenzeit und die Eröffnung der Fußgängerzone. © Heinz Gebhardt
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Das erste moderne Hochhaus Münchens steht längst unter Denkmalschutz: 1974 begann der Bau des 113 Meter hohen Hypo-Towers. Ein Höhepunkt! © Heinz Gebhardt
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Pünktlich zu Olympia wurde der 99,5 Meter hohe BMW-Vierzylinder fertiggestellt – hier ein Foto aus der Bauzeit. Während der Spiele musste er auf seinen Namen verzichten: Das BMW-Logo wurde abmontiert, weil die Olympiaveranstalter keine kostenlose Werbung duldeten … © Heinz Gebhardt
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Das kurioseste Bauwunder um 1970 war die Stachusbrücke, eine gewaltige Holzbrücke von der Bayerstraße zum Karlstor. Sie war der einzige Weg, um von einer Seite auf die andere zu kommen – und das zudem nur für Menschen, die gut zu Fuß waren. Für ältere Menschen, Behinderte und Kinderwagen: keine Chance! Bei Schneefall gesperrt, schlitterten und purzelten im Winter trotzdem alle hinüber und herunter. © Heinz Gebhardt
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Entweder ­wurden Absperrungen ignoriert und man schlüpfte durch jede sich bietende Baulücke, oder man setzte vorsichtshalber doch mal einen Bauhelm auf und spazierte einfach durch die Betonröhren. Die Münchner wussten sich halt zu helfen … © Heinz Gebhardt
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Auf dem ehemaligen Flughafen Oberwiesenfeld entstanden Olympiastadion und Olympiahalle. © Heinz Gebhardt
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Die Schuttberge drumherum mit den Trümmern des Zweiten Weltkriegs wurden begrünt und zum Erholungsgebiet Olympiapark. © Heinz Gebhardt

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