Erst modernisiert, dann verkauft

So übel werden GBW-Mieter behandelt

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Roman Müller an der Baustelle vor dem Haus – bald wird’s noch ungemütlicher.

München - Roman und Eva Müller sind sauer. Das Paar zog 1972 in die Wohnung am Seydlitzplatz in Moosach. Nun will die GBW das Haus erst modernisieren und dann verkaufen.

Als Roman und Eva Müller im Jahr 1972 in ihre 87-Quadratmeter-

Das 70-Parteien-Haus am Moosacher Seydlitzplatz.

Wohnung (rund 900 Euro Miete) am Seydlitzplatz in Moosach einzogen, waren sie stolz – schließlich durften nur Staatsbedienstete einziehen. Der heute 79-Jährige arbeitete damals an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Umso größer ist ihr Ärger jetzt darüber, dass die GBW das 70-Parteien-Mietshaus modernisieren und dann die Wohnungen verkaufen will.

Das Ehepaar hatte diese Befürchtung schon 2013 – nach dem Verkauf der GBW an ein Konsortium der Augsburger Immobilienfirma Patrizia. „Ohne Not hat die BayernLB damals die GBW an Geier verkauft und die berechtigten Sorgen von tausenden Mietern einfach weggewischt“, ärgert sich Eva Müller (80).

Erst Umbau, dann Verkauf

Bis zum Sommer 2014 war noch Ruhe, dann wurde ihnen der Umbau des Hauses und der Verkauf der Wohnungen angekündigt. „Wir sind zwar jung geblieben, aber die enormen Dimensionen der angekündigten Maßnahmen würden sogar junge Menschen überfordern“, sagt die Seniorin. So sei zum Beispiel immer noch unklar, ob sie während des Umbaus ihre Toilette benutzen können: „Es hieß, notfalls stellt man uns ein Dixi-Klo auf die Wiese vor das Haus“, sagt sie.

Wie viele andere Mieter haben die Müllers Angst vor einer drastischen Mieterhöhung – und davor, dass sie sich die Wohnung, in der sie ihr Leben verbracht und zwei Kinder großgezogen haben, künftig nicht mehr leisten können. Sie haben nicht nur Angst vor einer möglichen Eigenbedarfskündigung, sobald die Wohnung einmal verkauft ist. Sondern schon in absehbarer Zeit vor Staub und Dreck während der Bauarbeiten. Denn die GBW will die Wohnungen vor dem Deal noch umfassend modernisieren. Dazu müssen etwa die Rohre für die Heizung in der Wand ausgetauscht werden. „Das ist völlig unnötig, denn es gibt bereits eine Doppelverrohrung, unsere Heizung funktioniert bestens“, sagt Müller.

Mieterin: "Jetzt kommt alles auf einmal"

Die GBW erklärt dagegen schriftlich gegenüber der tz, dass das

Monika Schütz (71) in ihrer neuen Küche. Wenn die Rohre ausgetauscht werden, müsste alles wieder raus.

„Heizsystem dem aktuellen Stand der Technik angepasst werde“. Die Kosten für die neuen Heizrohre dürften nach Ansicht der Mietrechtsexpertin Anja Franz vom Mieterverein München zwar nicht auf die Mieter umgelegt werden. Schließlich funktioniere die Heizung auch mit den alten Rohren noch gut. Daher handle es sich um keine Modernisierung. Aber das ist ja nur eine Maßnahme von vielen … „Was uns bevorsteht, ist uferlos! Hinzu kommt auch eine neue Dämmung und vieles mehr – dazu die saftige Mieterhöhung, die wir hoffentlich abwenden können. Notfalls per Gericht“, sagt Roman Müller, der sich auch für die anderen Mieter einsetzt. Etwa für Monika Schütz (71). Die ehemalige Buchhalterin mit geringer Rente lebt mit ihrem Mann in einer 93-Quadratmeter-Wohnung für 780 Euro Warmmiete: „Hier wurde 50 Jahre nichts gemacht. Wir haben im Bad noch einen Boiler und in der Küche kein warmes Wasser – und jetzt kommt alles auf einmal.“

Beeinträchtigt sind die Mieter schon jetzt durch eine Baustelle: Die Garagen im Innenhof wurden abgerissen, hier baut die GBW zurzeit ein neues Mietshaus mit zehn Apartments. Wann und zu welchen Konditionen ihre bestehenden Wohnungen verkauft werden sollen, darüber hält sich das Unternehmen bedeckt. Es heißt lediglich: „In jedem Fall haben unsere Mieter jedoch ein Vorkaufsrecht.“

„Wir können unsere Wohnung gar nicht kaufen – welche Bank gibt einem 80-Jährigen einen Kredit?“, sagt Roman Müller. Mietervereinssprecherin Anja Franz empfindet deshalb die Aussage der GBW als „fast schon ein wenig höhnisch, wenn da von einem Vorzugspreis geschrieben wird“. Denn Mieter der GBW seien meist nicht besonders vermögend, außerdem sind viele schon älter. Dass die GBW auf ihre Sozialcharta verweist und auf den gesetzlich verankerten zehnjährigen Schutz vor Eigenbedarfskündigungen nach der Umwandlung in eine Eigentumswohnung, ist für die Mieterschützerin Augenwischerei: „Das steht so im Gesetz und ist kein Verdienst der GBW.“

Susanne Sasse

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