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Vermieter bockt: Wie viele Hunde sind erlaubt?

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Von: Susanne Sasse

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Gabriela Ramisch (l.) und Mama Heidi Nitsche mit den Hunden Susi und Trixie © privat

München - Zwei sind einer zu viel – sagt jedenfalls die Vermieterin. Sie hat ihren Mietern, den Münchnern Gabriela (51) und Helge Ramisch (52) die Kündigung angedroht.

Hintergrund: Sie fühlt sich gestört, weil zeitweise zwei Hunde in der Wohnung in Dorfen waren. Dabei hatte die Vermieterin die Anwesenheit des Familienhundes Susi (14) ausdrücklich genehmigt. Außerdem, so sagen die Ramischs, hat die Vermieterin auch für die kleine Yorkshire-Dame von Mutter Heidi das mündliche Okay gegeben. Mittlerweile sieht das aber anders aus. Jetzt sind Frust und Angst bei den Ramischs groß...

Seit dem vergangenen Sommer leben die Münchner in der Wohnung in Dorfen (Kreis Erding) – sie waren umgezogen, weil Bahnmitarbeiterin Gabriela eine neue Stelle in der Gegend antrat. Damit Susi mitkonnte, ließen sich die Ramischs eine Erlaubnis der Vermieterin geben. Die hatte im Mietshaus eine Umfrage gemacht, und keiner der Bewohner störte sich am Hund. Also bekam der Mietvertrag eine schriftliche Zusatzvereinbarung: Susi ist erlaubt.

Böse Post von Vermieterin

Die Probleme begannen, als Gabrielas Mutter Heidi Nitsche (74) mehrfach zu Besuch war. Sie brachte ihre Yorkshire-Dame Trixie (15) mit. „Eine ganz ruhige Hündin. Die bellt nicht mal, wenn es an der Tür klingelt“, sagt Helge Ramisch. Hilft aber auch nix. Heidi war drei Mal da – jeweils für ein bis zwei Wochen, und es gab Ärger. Heidi war nach Dorfen gekommen, um ihre kranke Tochter zu pflegen: Bei Gabriela war ein Tumor entfernt worden. Und von der Vermieterin gab’s böse Post: Sie schickte den Ramischs eine Abmahnung, dass Trixie in der Wohnung nicht erlaubt sei – mit der Androhung, dass es beim nächsten Mal die fristlose Kündigung gebe!

Seitdem hat sich Heidi Nitsche mit ihrer Trixie nicht mehr nach Dorfen getraut. Sie ist in Altenburg in Thüringen daheimgeblieben. Mittlerweile ist sie selber schwer krank. Die Ramischs hätten sie gern nach Bayern geholt, um sie hier zu pflegen – das geht aber wegen des Hunde-Ärgers nicht. „Es ist für uns ein Unding, dass wir unsere Mutti nicht bei uns zu Hause umsorgen können“, sagt Helge Ramisch. Die Vermieterin sagt einfach: „Der zweite Hund stört.“ Keine Begründung, keine Erklärung, mehr will sie zu dem Thema nicht sagen.

Plausible Begründung der Vermieterin notwendig

„So geht das nicht“, sagt Anja Franz vom Mieterverein München. Denn: „Ein Cockerspaniel ist ja kein kleiner Hund. Und wenn der erlaubt ist, dann muss diese Erlaubnis doch erst recht für einen kleinen Yorkshire gelten, zumal der ja nur ab und zu da ist.“ Und: „Wenn die Vermieterin die Anwesenheit des kleinen Hundes sowieso mündlich genehmigt hat, dann muss sie sich daran halten – und dafür gibt es Zeugen.“ Grundsätzlich kann ein Vermieter nicht einfach so festlegen, dass nur ein Hund in der Wohnung erlaubt ist. Will er so etwas tun, dann ist eine plausible Begründung nötig. Der Vermieter muss abwägen und alle Interessen mit einbeziehen. Vorliegend sieht Anja Franz auch keinen Grund von Seiten der Vermieterin, die gelegentlichen Besuche Trixies zu verbieten. „Die Abwägung dürfte hier zugunsten der Mieter ausfallen“, sagt Franz.

Helge Ramisch sagt: „Wir hoffen einfach, dass Mutti uns wieder besuchen kann. Meine Frau leidet sehr unter der momentanen Situation.“

Susanne Sasse

Hund, Katze & Co. in der Wohnung: Die Rechtslage

Ob ein Mieter ein Haustier in der Wohnung halten darf, hängt von der Art des Tieres und vom Mietvertrag ab, erklärt Mietrechtsexpertin Anja Franz vom Mieterverein München. Erlaubt der Mietvertrag die Tierhaltung, dann darf der Mieter übliche Haustiere wie Hunde, Katzen oder Vögel halten. Ungewöhnliche Tiere wie Würgeschlangen oder Giftspinnen zählen nicht dazu.

Auf Klauseln im Mietvertrag achten 

Wenn der Mietvertrag keine Regelung zur Tierhaltung enthält, ist es schwieriger. Dann kommt es darauf an, ob die Tierhaltung zum vertragsgemäßen Gebrauch gehört oder nicht. Bei Kleintieren wie Hamstern, Schildkröten und Fischen besteht Einigkeit: Sie können in jedem Fall gehalten werden. Bei Hunden und Katzen wird’s kompliziert. Hier müssen die Interessen aller Beteiligten abgewogen werden: Zu den Beurteilungskriterien zählen Art, Größe, Verhalten und Anzahl der Tiere sowie Art, Größe und Zustand der Wohnung oder des Hauses. Der Vermieter muss also zum Beispiel einen Bullterrier oder eine Dogge im Ein-Zimmer-Appartement nicht dulden. Verbietet der Mietvertrag die Tierhaltung komplett, ist diese Klausel unwirksam, weil dann auch kleine Zierfische nicht erlaubt wären. Das ist dann, als ob überhaupt keine Regelung vorhanden wäre.

Kriterien müssen abgewogen werden

In manchen Mietverträgen wird die Zustimmung des Vermieters verlangt. Wenn jede Tierhaltung die Zustimmung verlangt, ist auch diese Klausel unwirksam. Der Mietvertrag muss auf jeden Fall berücksichtigen, dass die Haltung von Kleintieren vertragsgemäß ist. Die Hunde- und Katzenhaltung darf allerdings von der Zustimmung des Vermieters abhängig gemacht werden. Dessen Entscheidung steht wiederum nicht komplett in seinem freien Ermessen: Er muss eine nachvollziehbare Einzelfallentscheidung treffen. Das bedeutet: Er darf nicht einfach sagen, die Haltung einer Katze in der Wohnung sei seiner Meinung nach nicht artgerecht. Er muss die oben genannten Kriterien abwägen.

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