Von spartanisch bis luxuriös

So unterschiedlich wohnen die Münchner

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Shefqet ­Berisha (55) lebt seit ­November im Obdach­losenheim

München - Für die einen ist es einfach nur ein Dach über dem Kopf, für die anderen zählt persönlicher Komfort. Die tz hat sich in der Stadt umgesehen, wie unterschiedlich die Menschen hier leben.

München gilt als teuerste Stadt Deutschlands. Wer hier wohnen will, muss ganz schön was hinlegen: durchschnittlich 12,19 Euro bei Neuvermietungen! Und der Mangel an bezahlbarem Wohnraum nimmt laut städtischem Armutsbericht stetig zu. Seit 2008 hat sich der kommunale Bestand an Sozial- und Belegrechtswohnungen um 4000 reduziert, sodass die Stadt nur noch über die Belegung von zehn Prozent aller Münchner Mietwohnungen entscheiden kann. Die tz hat sich in der Stadt umgesehen, wie unterschiedlich die Menschen hier leben. Heute gibt es auf der einen Seite einen Einblick ins Städtische Obdachlosenheim in der Pilgersheimer Straße – und auf der anderen Seite in das Nymphenburger Haus eines Inneneinrichters. Dieser verrät außerdem die teils recht ausgefallenen Luxuswünsche seiner Kunden.

Christina Meyer, Nina Bautz

Für die einen ist es einfach nur ein Dach über dem Kopf

Ein Bett, ein Tisch, ein Waschbecken – mehr gibt es nicht. Einen Zimmerschlüssel hat Shefqet Berisha (55) nicht, sein Hab und Gut steckt in einem Spind. Seit Ende November teilt sich der Kosovo-Albaner mit einem anderen Bewohner ein Zimmer im Männerwohnheim. „Ich bin froh, dass ich hier bin. Hier habe ich ein Dach über dem Kopf.“

In der Kantine gibt es gegen einen kleinen Betrag Frühstück, Mittagessen und Abendbrot.

Das ist nicht selbstverständlich. „So viele Obdachlose wie heute gab es in München noch nie“,sagt Gerhard Baier, Leiter des Städtischen Unterkunftsheims in der Pilgersheimer Straße. 2013 suchten 1800 Männer hier Zuflucht – Tendenz steigend. Die 180 Betten sind fast immer ausgelastet. Fünf Euro kostet die Übernachtung im Doppelzimmer. Hat jemand kein Geld, werden die Kosten über die Arge oder den örtlichen Sozialhilfeträger verrechnet. Dusche und Toiletten sind auf dem Gang, Essen kann man in der Kantine kaufen.

Wer hier landet, ist ganz unten. „Oft sind Schicksalsschläge wie der Tod des Partners oder der Verlust des Jobs Auslöser für die Obdachlosigkeit“, erklärt Baier. Treffen kann es jeden: „Immer mehr Menschen leben alleine, haben keine Familie mehr.Wenn dann was passiert, fängt sie keiner auf.“ Häufig wissen die Betroffenen zudem nicht, wo sie Hilfe bekommen können, oder sie nehmen aus Scham keine in Anspruch. „Dann hilft auch der Staat nicht.“

Shefqet Berisha kam 1996 als politischer Flüchtling mit seiner Frau und den vier Kindern nach Deutschland. In Pristina war er angesehener Hauptkommissar, in Deutschland schlug er sich als Sicherheitsfachkraft durch. Doch der Traum von einem besseren Leben in Deutschland platzte: Die Ehe scheiterte, Berisha verlor Job und Wohnung. Mit zwei Koffern landete er schließlich im Obdachlosenheim. „Natürlich bin ich traurig“, sagt der 55-Jährige. „Aber es muss weitergehen.“ Von 8 bis 14 Uhr müssen die Männer aus den Zimmern sein – dann wird geputzt. Nachtruhe ist um 23 Uhr. Berisha geht viel spazieren, liest Zeitung, alle zwei Tage muss er zum Amt. „Die Tage hier sind sehr lang.“

Auch eine Arztpraxis ist im Haus, ein sozialer Beratungsdienst bietet offene Sprechstunden – viele Männer leiden an einer psychischen Störung wie Depression oder Sucht. „Oft hört den Männern hier das erste Mal jemand zu“, sagt der Heimleiter. 50 Tage bleibt ein Bewohner im Schnitt, dann wird er in andere Einrichtungen wie Altenheime oder betreute WGs vermittelt – oder er zieht in eine eigene Wohnung. „Das freut uns am meisten“, sagt Heimleiter Baier. „Wir sind ja nur eine Notunterkunft, keine dauerhafte Lösung.“

Shefqet Berisha hat bei der Stadt einen Antrag auf eine geförderte Wohnung gestellt, sucht wieder einen Job. „Ich weiß, dass ich wegen meines Alters wenig Chancen habe. Aber ich hoffe, dass es bald wieder bergauf geht.“

Flüchtlingsbleibe: Drei Betten zu fünft

Mama Arazu A. (42) lebt mit ihren vier Kindern Jassin (17), Somayeh (13, v.l.), Zahra (14) und Reza (9) in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in der Müllerstraße. Die Familie floh aus Afghanistan. © Götzfried
Mama Arazu A. lebt mit ihren vier Kindern Jassin (17), Somayeh (17), Zahra (14) und Reza (9) in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in der Müllerstraße. Die Familie floh aus Afghanistan. © Welte
Die Kinder teilen sich für Schulaufgaben einen Schreibtisch. © Götzfried
Mama Arazu A. lebt mit ihren vier Kindern Jassin (17), Somayeh (17), Zahra (14) und Reza (9) in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in der Müllerstraße. Die Familie floh aus Afghanistan. © Götzfried
Mama Arazu A. lebt mit ihren vier Kindern Jassin (17), Somayeh (17), Zahra (14) und Reza (9) in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in der Müllerstraße. Die Familie floh aus Afghanistan. © Götzfried
Mama Arazu A. lebt mit ihren vier Kindern Jassin (17), Somayeh (17), Zahra (14) und Reza (9) in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in der Müllerstraße. Die Familie floh aus Afghanistan. © Götzfried

Geförderte Wohnung: Es geht auch mit wenig Geld

Das Geld für die Wohnungseinrichtung hat sich die Familie zwei Jahre lang zusammengespart. © Sigi Jantz
Das Geld für die Wohnungseinrichtung hat sich die Familie zwei Jahre lang zusammengespart © Sigi Jantz
Seit 2011 wohnt die Familie in der GWG-Anlage in der Dientzenhoferstraße in Harthof. © Sigi Jantz
Die Wohnung im Erdgeschoss hat vier Räume. © Sigi Jantz
Ein großes Bad... © Sigi Jantz
... eine moderne Küche... © Sigi Jantz
... und ein gemütliches Elternschlafzimmer. © Sigi Jantz
Die drei Mädchen teilen sich ein Schlafzimmer mit Stockbett und ein Spielzimmer. © Sigi Jantz
Die drei Mädchen teilen sich ein Schlafzimmer mit Stockbett und ein Spielzimmer. © Sigi Jantz

Für die anderen zählt persönlicher Komfort

Wenn ein Inneneinrichter ein altes, 500 Quadratmeter großes, zweistöckiges Haus erbt, dann tobt er sich richtig darin aus. Sebastian Minarik (50) hat in sein Domizil unweit vom Nymphenburger Kanal 700 000 Euro gesteckt. Entstanden ist ein weitläufiges, komfortables Heim für seine Familie – mit raffinierten Details.

Inneneinrichter Sebastian Minarik in seinem Nymphenburger Haus.

Als das Haus 1935gebaut wurde, waren die Räume im Erdgeschoss noch verschachtelt. Seit Minariks Einzug 2001 sind Küche, Esszimmer und Wohnzimmer offen ohne Türen verbunden. Das Dachgeschoss hat der gebürtige Münchner ausgebaut und ein Reich für Tochter (9) und Sohn (13) eingerichtet. Der Clou: Die Kinder können die getragenen Klamotten im Bad in eine Klappe werfen. Dahinter verbirgt sich ein Wäscheabwurf, ein Rohr, das bis ins Gästebad im Erdgeschoss reicht.

Der Komfort für die Eltern: ein großer begehbarer Kleiderschrank. Der gelernte Schreiner erklärt: „In meinem Schrank habe ich für jedes Hemd eine eigene, ausziehbare Schublade – und nichts verknittert.“

So wohnt Sebastian Minarik.

Ein Hingucker ist auch das Bad mit Glasmosaik-fließen. „Die stammen aus Italien und sind aus vier Farben speziell zusammengemischt.“ Und so schimmern die Wände nun genauso wie das Wasser in der Karibik. Luxus für den Kopf bietet die Nackenrolle an der Badewanne darunter. Minarik und seine Frau haben außerdem jeder ein eigenes Waschbecken auf Schieferplatten mit viel Platz. Auf dem Hahn des Ehemanns ist „Sebastian“ eingraviert.

In der Küche geht’s weiter mit einem Kühlschrank, in dem Wasser- und Eismaschine integriert sind. Der Ofen ist extra breit – die Minariks bereiten gerne Wildgerichte zu. Der gemütlichste Platz ist am offenen Kamin im Wohnzimmer. Dort warten Mies-van-der-Rohe-Sessel. Wenn Minarik darin sitzt, kann er seinen 400 Quadratmeter großen Garten überblicken. Warum sollen nur seine Kunden traumhaft wohnen?!

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Diese Kundenwünsche hat der Inneneinrichtungs-Experte erfüllt:

Die Kunden von Inneneinrichter Sebastian Minarik wollen „nicht das, was alle haben“, sagt er. Sie sind Unternehmer, Modeschöpfer, aber auch Spitzenfußballer – Namen nennt Minarik keine. „Meine Kunden stehen nicht in der Bunten, können sich aber trotzdem etwas leisten.“ Die meisten laden ihn in ihre Münchner Häuser ein, aber auch in ihre Zweitwohnsitze in Kitzbühel, Nizza oder Mallorca. Das hat Minarik schon verwirklicht:

In eine neue Eigentumswohnung in München hat Minrik einmal eine 25 Meter lange Ankleide für die Dame des Hauses und eine 14-Meter-Schrankwand für den Herrn eingebaut. „Das sah aus wie in einem Kleidungsgeschäft.“

In einem spanischen Haus wünschten sich die Bewohner ein Alarmsystem, das nur auf Menschen und nicht auf Tiere reagiert. Also gab’s eine spezielle Infrarotwand, die die Umrisse erkennt, wenn sie durchschritten wird.

Ein Kunde wünschte einen Panzerraum für die ganze Familie – ähnlich wie die Panic Rooms aus den Hollywood-Filmen. „Der war 25 Quadratmeter groß, hatte eine Doppel-Stahlbetonwand und die Tür war so schwer, dass sie einen Motor brauchte.“

Wohin mit den Luxusgegenständen? Für Minarik sind begehbare Saferäume keine Seltenheit.

Wer Geld und Platz hat: Ehepaare im älteren Semester lassen sich ihr Domizil so umbauen, dass jeder einzelne für sich mehr Ruhe hat. So hat Minarik bei einem Paar schon zwei Schlafzimmer, zwei Ankleiden, zwei Bäder und zwei Bibliotheken eingebaut.

Bei Wellnessbereichen ist die Skala nach oben offen. Ein Kunde hat eine 400-Quadratmeter-Oase in Auftrag gegeben: mit smaragd- grünen Fliesen, komplett verglaster Sauna und Tauchbecken. Höhepunkt ist eine Liegewiese für zehn Personen, von der aus man sich an einer Wasserbar bedienen kann.

Luxus pur: Exklusive Wohnungen in München

Für 3,2 Millionen Euro gibt es diese Glockenbach-Suite. Wir zeigen weitere exklusive Wohnungen. © Concept Bau
TEUERSTE MIETWOHNUNG: 6000 Euro monatlich für 256 Quadratmeter in der Altstadt: So viel muss man für die wohl teuerste Mietwohnung der Stadt hinblättern. Die liegt im dritten Stock der Hofstatt (Hackenstraße) – mit Blick auf die Frauenkirche und mit edelster Ausstattung. © Haag Klaus
Der Münchner Makler Bauwerk Capital (im Foto Christoph Lemp von Bauwerk Capital im Wohnzimmer) hat die Quartiere auf dem ehemaligen Gelände des Süddeutschen Verlags auf den Markt gebracht. Das Anwesen gehört einem Investor. Das Haus ist noch nicht komplett vermietet. © Haag Klaus
TEUERSTES KAUFOBJEKT: Satte 12,3 Millionen Euro hat die exklusive 610-Quadratmeter-Penthouse-Wohnung im Obergeschoss des Neubauprojekts Park Avenue an der Lerchenfeldstraße – unmittelbar am Englischen Garten und neben dem Nationalmuseum – gekostet. © ImmoInvest Lerchenfeld GmbH
Ein Münchner hat die Wohnung gekauft, wie es beim Investor, der Münchner ImmoInvest GmbH, heißt. Im zweiten Quartal 2015 sollen alle 23 Eigentumswohnungen fertig sein, die Hälfte ist noch zu haben. Der Vorgängerbau aus den 50er Jahren wurde längst abgerissen, die Alt-Mieter wurden abgefunden. © ImmoInvest Lerchenfeld GmbH
WIR STELLEN NUN WEITERE EXKLUSIVE IMMOBILIEN VOR: Pienzenauerstraße 123 und 125: Rund fünf Millionen Euro kostet die größte der zehn Wohnungen in diesem Neubau am Herzogpark, direkt am Isarufer. Sie ist 420 Quadratmeter groß – bis zu 460 Quadratmeter große Gärten sind für die Bewohner dabei. Dafür musste ein alter Luxus-Bungalow weg. © Duken & v. Wangenheim
Oberföhring / Grüntal: Im Grüntal, direkt am Brunnbach, entsteht dieses exklusive Wohnhaus mit 10 Parteien. Voraussichtliche Fertigstellung Frühjahr 2014. Die Wohnungen sind zwischen 148 und 346 Quadratmeter groß. Die größte kostet 3,8 Millionen Euro. Die Privatgärten sind bis zu 420 Quadratmeter groß.. © Duken & v. Wangenheim
Kaulbachstraße 61: Im Lehel musste das Mädchenwohnheim Ermelinda der Don-Bosco-Schwestern für die Luxuswohnanlage K61 weichen und umziehen. Die 43 Wohnungen im K61 sind zwischen 31 und 285 Quadratmeter groß. Die größte kostete 3,15 Millionen Euro. Alle Wohnungen sind längst verkauft. Ende 2014 sind sie fertig. © Bauwerk Capital
Osterwaldstraße 37: Im besten Schwabing versteckt sich diese im Bauhaus-Stil errichtete Mehrparteienresidenz im Grünen nahe des Englischen Gartens. Die fünf Wohnungen zwischen 156 und 226 Quadratmetern Größe wurden längst verkauft, die größte kostete 2,9 Millionen Euro. © Bauwerk Capital
Oettingenstraße 61: Im Bauprojekt O61 in der Oettingenstraße direkt am Eisbach sind alle 19 Wohnungen längst verkauft, die ersten Bewohner ziehen schon ein. Die 366 Quadratmeter große und rund fünf Millionen Euro teure Maisonette-Wohnung soll ein Fußballstar gekauft haben. © Bauwerk Capital
J.-Pschorr-Haus: Im Joseph-Pschorr-Haus in der Fußgängerzone, das im Oktober eröffnet wurde, gibt es nicht nur den Sport Scheck und Büros sondern auch 25 exklusive Mietwohnungen – fünf sind noch frei. Die teuerste mit 129 Quadratmetern geht über zwei Geschosse und kostet 4100 Euro Monatsmiete warm! © Bauwerk Capital
Tivoli-Garden im Tucherpark: 2,8 Millionen Euro teuer war die 191 Quadratmeter große Dachgeschoss-Maisonette-Wohnungen im Tivoli-Garden am Tucherpark. Das Gebäude mit den 21 Wohnungen ist als Terrassenhaus konzipiert, alle Quartiere sind verkauft. Der Bau läuft, Anfang 2015 ist der Einzug geplant. © Hochtief
Palais an der Oper: 27 Luxus-Wohnungen entstanden im Palais an der Oper, der ehemaligen Residenzpost. 14 davon sind bereits vermietet, die 200-Quadratmeter-Wohnung ist noch frei. Für 87 Quadratmeter muss man etwa 4600 Euro hinlegen! Dafür gibt es unter anderem einen Wäscheservice und Concierge. © Accumulata/LBBW Immobilien
The Seven: Münchens 56-Meter-­Luxusturm The Seven in der Müllerstraße: Das 700-qm-Penthouse oben hat ein Münchner Pharma- und Kosmetikunternehmer für 16 Millionen Euro gekauft. Die künftige Wohnung von Dietmar Holzapfel (Foto), Chef des Hotels Deutsche Eiche, kostet fünf Millionen Euro. © Haag

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