Gewofag lässt Mieterin abblitzen

Wann muss das Bad erneuert werden?

Angela Berger in ihrem Bad: Decke und Wanne sind unansehnlich
+
Angela Berger in ihrem Bad: Decke und Wanne sind unansehnlich

Angela Berger wohnt seit vielen Jahren in einer Gewofag-Wohnung in der Perlacher Straße und fühlt sich dort wohl. Eins aber stört sie sehr: das Bad. Doch eine Erneuerung wird abgelehnt.

München - „Der Abfluss läuft nicht mehr ab, an der Decke bildet sich Schimmel, und außerdem finde ich generell, dass etwas gemacht gehört“, sagt die tz-Leserin. Die Badewanne ist zum Beispiel nicht mehr besonders ansehnlich. Berger: „Schließlich wurde nie renoviert, seit ich hier wohne. Als ich im Mieterzentrum fragte, ob es nach 26 Jahren ein neues Badezimmer gibt, war die Antwort: nein.“

Die tz fragte bei der Gewofag nach und bekam zur Antwort: „Die Mieterin ist bisher nicht mit dem Wunsch eines Badumbaus auf uns zugekommen, sondern lediglich mit der Meldung, dass ihr Duschabfluss nicht abläuft.“ Die Gewofag beauftragte eine Rohrreinigungsfirma, die den Abfluss reparierte und vereinbarte einen Termin, um die Ursache der Verstopfung zu klären.

Mit dem Abfluss passt also mittlerweile alles – aber mit dem neuen Bad wird’s schwieriger … Gewofag-Sprecherin Sabine Sommer sagt: „Es gibt keine zeitliche Befristung oder einen Anspruch eines Mieters auf die Erneuerung eines Badezimmers.“ Vielmehr sei der technische Zustand des Bades ausschlaggebend. Bei pfleglicher Behandlung funktionierten die Badezimmer in der Regel lange einwandfrei.

So einfach ist das nicht, sagt Anja Franz, Sprecherin des Mietervereins. Der Mieter hat einen Anspruch darauf, dass die Wohnung in einem bewohnbaren Zustand gehalten wird (siehe tz-Stichwort unten). Wenn Bestandteile der Mietsache abgewohnt sind (so heißt das im Juristen-deutsch), muss der Vermieter erneuern. Die Mietrechtsexpertin weiß aber auch: „Wann etwas abgewohnt ist, kommt natürlich auf den Einzelfall an. Dabei spielt die Qualität und die Intensität der Nutzung eine Rolle.“

Wann muss ein Bad erneuert werden?

Und konkret bei Bädern? Üblich seien 20 bis 30 Jahre, sagt Anja Franz: „Dann ist eine Badezimmereinrichtung normalerweise zu erneuern.“ Der Mieter müsse den Vermieter schriftlich darauf hinweisen, wenn etwa die Wanne nicht mehr zu gebrauchen ist, weil sie rau ist. Dann habe der Vermieter ein Besichtigungsrecht. Sollte er nichts unternehmen, darf der Mieter die Miete mindern. Den Renovierungsanspruch kann er auch gerichtlich durchsetzen.

Wie wird es jetzt bei Angela Berger weitergehen? Die Gewofag erklärt grundsätzlich, dass sie technische Defekte in Bädern – dazu gehören verstopfte Abflüsse, zerbrochene Fliesen, kaputte Silikonfugen – repariere. Und: Selbst wenn Fliesen von der Wand fallen oder anderweitig Unfallgefahr besteht, genüge es in den meisten Fällen, das Bad neu zu fliesen: „Der Einbau eines komplett neuen Badezimmers ist auch dann nicht nötig.“

Wenn das Bad allerdings komplett ausgewechselt werde, werde es für die Mieterin teurer: „Ein neues Bad kostet die Gewofag etwa 7500 Euro. Wenn die Gewofag einmal das Bad komplett saniert, wird die Miete bei frei finanzierten Wohnungen nach dem derzeit gültigen Mietspiegel um 0,67 Euro pro Quadratmeter angehoben. Bei geförderten Wohnungen bleibt die Miete unverändert.“ Man werde nun prüfen, ob bei der tz-Leserin eine Sanierung des Bads angezeigt ist – und ob dann tatsächlich auch die Miete erhöht werden muss …

Susanne Sasse

Bewohnbarer Zustand

Der Vermieter muss die Wohnung in bewohnbarem Zustand erhalten. Er muss also Elektro- und Sanitärinstallationen, Türen und Fenster, Fußböden, ­Decken und Wände instandhalten. Wenn der Vermieter das nicht tut und deshalb Mängel auftreten, muss er die auf eigene Kosten beheben. Weder Reparaturen noch erhaltende Maßnahmen, auch nicht die Neuanschaffung eines Boilers, wenn der alte nicht reparierbar ist, gelten als Modernisierung. Solche Kosten dürfen nicht auf die Mieter umgelegt werden. Das geht nur, wenn die Ausstattung der Wohnung verbessert wird. Verursacht der Mieter einen Schaden, weil er nicht ordentlich mit der Wohnung umgeht, muss er die Reparatur zahlen.

svs

Ekel-Rohre: So greislig sind unsere Wasserleitungen

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare