Käufer nur ab und zu in München

Wohn-Wahnsinn bei Ude-Nachbarn: 79m² für 1,1 Mio.

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Die Wohnung liegt am Kaiserplatz, wo auch OB Christian Ude wohnt.

München - Ausgerechnet direkt vor der Haustür passiert Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) jetzt das, gegen das er schon seit Jahren mit vergebener Liebesmüh wettert: Wohn-Wahnsinn pur!

Alles ganz klassisch: Diese Holztreppe mit dem schmiedeeisernen Geländer führt nach oben zur Wohnung.

Auf dem Kaiserplatz wurde jetzt, vermittelt von Aigner-Immobilien, eine Altbauwohnung verkauft – zum Preis von 14500 Euro. Pro Quadratmeter, versteht sich. Und weil die Wohnung 79 Quadratmeter groß ist, haben wir die unglaubliche Summe von 1.145.000 Euro für ein Quartier im Herzen Schwabings.

So soll das Wohnzimmer renoviert aussehen.

Normalerweise liegt der Quadratmeter-Preis für eine Wohnung in vergleichbarer Lage laut Aigner-Immobilien zwischen 8000 und 11.000 Euro. Jedoch, so Makler Helge Pöhler: „Besondere Immobilien erzielen besondere Preise.“ Dazu gehörten neben dem St.-Anna-Platz im Lehel eben auch der Kaiserplatz in Schwabing: „Kunden, die auf eine perfekte Ausstattung, besondere Details und eine perfekte Lage Wert legen, sind bereit, höhere Preise zu bezahlen“, lautet die Regel.

Diesen höheren Preis zahlt übrigens in diesem Fall ein Juristen-Paar aus Südamerika. Sie kaufen es als Zweitwohnung! Der Erstwohnsitz bleibt daheim hinter dem Atlantik. Wie oft sie in München sein werden, weiß man noch nicht.

Das Ehepaar aus Südamerika kauft mit der Wohnung im Herzen Schwabings auch eine Menge Geschichte – zum Beispiel diese Malerei an der edlen Holzdecke.

Die Wohnung befindet sich in einem denkmalgeschützten Haus mit prächtig saniertem historischen Treppenhaus aus der Zeit um 1900 – und ist keine 100 Meter entfernt von der Wohnung von Oberbürgermeister Christian Ude.

Die Grafiken zeigt, wie das Bad renoviert aussieht.

Aigner Immobilien ist seit über 20 Jahren im Geschäft und gehört nach eigenen Angaben mit einem Objektvolumen von über 300 Millionen Euro im Jahr zu den Top-5-Maklerunternehmen der Stadt und des Umlands. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz im Lehel, daneben Standorte in Nymphenburg, Bogenhausen, Schwabing, Pullach und Starnberg. Insgesamt sind über 80 Mitarbeiter auf den Verkauf und die Vermietung von Wohn- und Gewerbeimmobilien im Großraum München spezialisiert.

Aigner betont, dass sein Unternehmen der erste Münchner Makler mit TÜV ist. Was Ob Ude allerdings nicht davon abhält, dieses neue Beispiel des Münchner Wohn-Wahnsinns hart zu kritisieren – und bezeichnet es als „pure Altbauspekulation“. Mehr Aussagen Udes lesen Sie gleich rechts.

Uli Heichele

Herr Nachbar, was sagen Sie?

Die Udes bekommen neue Nachbarn – aber erfreut sind sie nicht gerade darüber. „Das ist der Ausdruck eines Immobilienwahnsinns!“, sagt OB Christian Ude (SPD). Als Mieteranwalt habe er bis 1990 noch Einblick in die Kaufverträge gehabt. „Damals kosteten ganze Häuser bei weitem nicht die Hälfte.“ Zwar seien ihm heutzutage für luxussanierte Altbauwohnungen schon Kaufpreise im Millionenbereich zu Ohren gekommen – dann aber sei es um 200 Quadratmeter gegangen. Der neue Fall sei die pure „Altbauspekulation“. Ude hatte es in der tz schon angeprangert: Nicht nur immer mehr Arme kämen nach München, sondern auch Reiche.

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Die Stadt seien die Hände gebunden, weil der Verkauf einer Eigentumswohnung ein privates Geschäft sei. „Wenn die Wirtschaft verrückt spielt, dann kann man das nur kopfschüttelnd und mit offenem Mund zur Kenntnis nehmen“, sagt Ude. Allerdings hätte der Freistaat womöglich etwas tun können: Denn das Haus müsse in der Vergangenheit in Eigentumswohnungen umgewandelt worden sein. Dagegen helfe nur ein Umwandlungsverbot, das er schon seit 1988 vom CSU-dominierten Landtag fordere – und das es bis heute nicht gibt.

David Costanzo

Luxus pur: Exklusive Wohnungen in München

Für 3,2 Millionen Euro gibt es diese Glockenbach-Suite. Wir zeigen weitere exklusive Wohnungen. © Concept Bau
TEUERSTE MIETWOHNUNG: 6000 Euro monatlich für 256 Quadratmeter in der Altstadt: So viel muss man für die wohl teuerste Mietwohnung der Stadt hinblättern. Die liegt im dritten Stock der Hofstatt (Hackenstraße) – mit Blick auf die Frauenkirche und mit edelster Ausstattung. © Haag Klaus
Der Münchner Makler Bauwerk Capital (im Foto Christoph Lemp von Bauwerk Capital im Wohnzimmer) hat die Quartiere auf dem ehemaligen Gelände des Süddeutschen Verlags auf den Markt gebracht. Das Anwesen gehört einem Investor. Das Haus ist noch nicht komplett vermietet. © Haag Klaus
TEUERSTES KAUFOBJEKT: Satte 12,3 Millionen Euro hat die exklusive 610-Quadratmeter-Penthouse-Wohnung im Obergeschoss des Neubauprojekts Park Avenue an der Lerchenfeldstraße – unmittelbar am Englischen Garten und neben dem Nationalmuseum – gekostet. © ImmoInvest Lerchenfeld GmbH
Ein Münchner hat die Wohnung gekauft, wie es beim Investor, der Münchner ImmoInvest GmbH, heißt. Im zweiten Quartal 2015 sollen alle 23 Eigentumswohnungen fertig sein, die Hälfte ist noch zu haben. Der Vorgängerbau aus den 50er Jahren wurde längst abgerissen, die Alt-Mieter wurden abgefunden. © ImmoInvest Lerchenfeld GmbH
WIR STELLEN NUN WEITERE EXKLUSIVE IMMOBILIEN VOR: Pienzenauerstraße 123 und 125: Rund fünf Millionen Euro kostet die größte der zehn Wohnungen in diesem Neubau am Herzogpark, direkt am Isarufer. Sie ist 420 Quadratmeter groß – bis zu 460 Quadratmeter große Gärten sind für die Bewohner dabei. Dafür musste ein alter Luxus-Bungalow weg. © Duken & v. Wangenheim
Oberföhring / Grüntal: Im Grüntal, direkt am Brunnbach, entsteht dieses exklusive Wohnhaus mit 10 Parteien. Voraussichtliche Fertigstellung Frühjahr 2014. Die Wohnungen sind zwischen 148 und 346 Quadratmeter groß. Die größte kostet 3,8 Millionen Euro. Die Privatgärten sind bis zu 420 Quadratmeter groß.. © Duken & v. Wangenheim
Kaulbachstraße 61: Im Lehel musste das Mädchenwohnheim Ermelinda der Don-Bosco-Schwestern für die Luxuswohnanlage K61 weichen und umziehen. Die 43 Wohnungen im K61 sind zwischen 31 und 285 Quadratmeter groß. Die größte kostete 3,15 Millionen Euro. Alle Wohnungen sind längst verkauft. Ende 2014 sind sie fertig. © Bauwerk Capital
Osterwaldstraße 37: Im besten Schwabing versteckt sich diese im Bauhaus-Stil errichtete Mehrparteienresidenz im Grünen nahe des Englischen Gartens. Die fünf Wohnungen zwischen 156 und 226 Quadratmetern Größe wurden längst verkauft, die größte kostete 2,9 Millionen Euro. © Bauwerk Capital
Oettingenstraße 61: Im Bauprojekt O61 in der Oettingenstraße direkt am Eisbach sind alle 19 Wohnungen längst verkauft, die ersten Bewohner ziehen schon ein. Die 366 Quadratmeter große und rund fünf Millionen Euro teure Maisonette-Wohnung soll ein Fußballstar gekauft haben. © Bauwerk Capital
J.-Pschorr-Haus: Im Joseph-Pschorr-Haus in der Fußgängerzone, das im Oktober eröffnet wurde, gibt es nicht nur den Sport Scheck und Büros sondern auch 25 exklusive Mietwohnungen – fünf sind noch frei. Die teuerste mit 129 Quadratmetern geht über zwei Geschosse und kostet 4100 Euro Monatsmiete warm! © Bauwerk Capital
Tivoli-Garden im Tucherpark: 2,8 Millionen Euro teuer war die 191 Quadratmeter große Dachgeschoss-Maisonette-Wohnungen im Tivoli-Garden am Tucherpark. Das Gebäude mit den 21 Wohnungen ist als Terrassenhaus konzipiert, alle Quartiere sind verkauft. Der Bau läuft, Anfang 2015 ist der Einzug geplant. © Hochtief
Palais an der Oper: 27 Luxus-Wohnungen entstanden im Palais an der Oper, der ehemaligen Residenzpost. 14 davon sind bereits vermietet, die 200-Quadratmeter-Wohnung ist noch frei. Für 87 Quadratmeter muss man etwa 4600 Euro hinlegen! Dafür gibt es unter anderem einen Wäscheservice und Concierge. © Accumulata/LBBW Immobilien
The Seven: Münchens 56-Meter-­Luxusturm The Seven in der Müllerstraße: Das 700-qm-Penthouse oben hat ein Münchner Pharma- und Kosmetikunternehmer für 16 Millionen Euro gekauft. Die künftige Wohnung von Dietmar Holzapfel (Foto), Chef des Hotels Deutsche Eiche, kostet fünf Millionen Euro. © Haag

Zweitwohnung: So ist die Rechtslage

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Wer in der Landeshauptstadt einen Nebenwohnsitz anmeldet oder mehr als eine Wohnung für sichbesitzt, muss Zweitwohnungssteuer zahlen. Die hat Rot-Grün 2006 gegen CSU und FDP eingeführt. Seitdem kassiert die Stadt neun Prozent der Jahresmiete, bei Eigentumswohnungen gilt der Mietspiegel, der bei 10,13 Euro pro Quadratmeter kalt liegt. Unterstellt man im Fall oben mit Zuschlägen 1000 Euro im Monat, ergeben sich 1080 Euro Steuer pro Jahr an die Stadt.

Rund sechs Millionen Euro nimmt Stadtkämmerer Ernst Wolowicz (SPD) im Jahr ein. Doch nur 8000 der mittlerweile fast 28 000 mit Nebenwohnsitz gemeldeter Einwohner zahlen überhaupt. Denn es gibt Befreiungen: für Singles mit weniger als 25 000 Euro im Jahr (Paare mit weniger als 33 000 Euro) oder außerhalb lebende Ehepaare, von denen ein Partner zum Arbeiten in der Stadt eine Wohnung hat. „Dann gibt es eine Dunkelziffer, die nicht ehrlich ist“, sagt Wolowicz. Nach Einführung war die Zahl der Nebenwohnsitze zurück gegangen, seit 2011 steigt sie wieder.

DAC

Die Entwicklung

Jahr Haupt-Wohnsitz Neben-Wohnsitz
2006 1.326.206 37.974
2007 1.351.445 30.048
2008 1.367.314 28.171
2009 1.364.194 27.721
2010 1.382.273 26.763
2011 1.410.741 26.526
2012 1.439.474 27.347
2013 1.464.962 27.715
Quelle: Statistisches Amt

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