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Wohnen im Alter: Wer zahlt den Umbau?

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Maria Mayer in ihrem Bad – jetzt gibt’s hier eine barrierefreie Dusche statt einer Wanne Fotos. © Michael Westermann

München - Eine Frage stellt sich älteren Menschen immer häufiger: Wie wird meine Wohnung seniorengerecht? Und wer zahlt den Umbau?

Ein heißes Bad gegen das kalte Wetter: Für viele Senioren ist das unmöglich. Die Kante der Wanne ist für ältere Menschen oft eine unüberwindliche Hürde. Maria Mayer (73), ehemalige Wirtin des Kaffee Giesing, sagt zum Beispiel: „Ich habe 15 Jahre lang nicht mehr gebadet. Ich komme aus der Wanne nicht mehr hoch.“ Mayer wohnt seit zehn Jahren in einem Gewofag-Wohnblock in Harlaching. Wegen körperlicher Gebrechen ist sie immer stärker eingeschränkt. Wie viele andere Senioren stand sie damit vor der Frage: Wie wird meine Wohnung seniorengerecht? Und wer zahlt den Umbau?

Für Mayer ist es gut gelaufen: Ihr Vermieter, die städtische Gewofag, übernahm die Kosten. Unter anderem brachten Handwerker einen Haltegriff neben der Verandatür an, damit die Seniorin ohne Sturzgefahr ins Freie kommt. Auch die Badewanne ist mittlerweile weg. Stattdessen gibt es eine Dusche mit Schiebetüren. „Ich bin sehr glücklich über den Umbau“, sagt Maria Mayer, die finanziell knapp dasteht. Nun soll noch der Toilettensitz erhöht werden, damit die Dame auch hier wieder gut aufstehen kann.

Gewofag-Sprecherin Sabine Sommer sagt: „Wir machen solche Umbauten, weil es auch in unserem Interesse ist, wenn Mieter auch im Alter in ihrer Wohnung bleiben können. Jeder Mieterwechsel kostet auch den Vermieter Geld. Und wir als Gewofag haben einen sozialen Auftrag.“ Die Gesellschaft hat im vergangenen Jahr 200 ihrer 37.000 Wohnungen in München behinderten- oder seniorengerecht umgebaut. Bei Mietern mit mehr als 50-prozentiger Behinderung gibt’s Geld von der Landesbank. Das Unternehmen muss dabei sicherstellen, dass die umgebaute Wohnung mindestens fünf Jahre lang von einem Menschen mit mehr als 50-prozentiger Behinderung genutzt wird.

Für Maria Mayer eine wunderbare Sache: „Ich bin froh, dass ich eine Wohnung habe, in der ich bleiben kann, auch wenn ich ein Pflegefall werden sollte.“ Dabei hat sie sich anfangs schwer getan in dem Gewofag-Block: „Es sind hier nur alte Leute um mich herum. Als Wirtin hatte ich zuvor immer mit Jüngeren zu tun.“ Zwischen 1976 und 1983 hatte sie die Kneipe Marienkäfer geführt, später dann das Kaffee Giesing, teilweise gemeinsam mit Konstantin Wecker.

Über die erste Zeit als Rentnerin sagt sie: „Es ist schwierig, wenn man nach einem Leben unter Leuten plötzlich allein ist.“ Trotzdem ist Maria Mayer heute glücklich – auch dank der umgebauten Wohnung.

Wie die Rechtslage für Mieter ist, die nicht bei der städtischen Gesellschaft wohnen, lesen Sie im Kasten rechts.

Das ist die Rechtslage

Der Mieter hat grundsätzlich keinen Anspruch gegenüber dem Vermieter auf die Schaffung einer barrierefreien oder altersgerechten Ausstattung der Wohnung, erklärt Anja Franz vom Mieterverein München. Aber: Der Vermieter muss zustimmen, wenn der Mieter den Umbau selbst machen will. Das betrifft zum Beispiel den Lift im Treppenhaus, die Verbreiterung der Türen, eine behindertengerechte Nasszelle, Haltegriffe oder eine Notrufeinrichtung.

Der Mieter muss dann aber nicht auf den Kosten sitzenbleiben – Zuschüsse sind möglich. Für „Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes“ (dazu zählen beispielsweise festinstallierte Rampen, Türverbreiterungen, Entfernen von Türschwellen, Umbauten in Bad und Küche) gibt’s Geld von der Pflegekasse. Dafür muss man einen Antrag stellen. Voraussetzung: Der Mieter ist in eine Pflegestufe eingruppiert – und der Umbau erleichtert häusliche Pflege oder stellt eine möglichst selbständige Lebensführstung des Pflegebedürftigen wieder her. Auch das Sozialamt kann den behindertengerechten Umbau einer Wohnung fördern – abhängig vom Einkommen des Antragstellers.

Anja Franz vom Mieterverein sagt: „Der Vermieter kann seine Zustimmung zu dem Umbauten übrigens nur dann verweigern, wenn sein Interesse an einem unveränderten Zustand des Gebäudes die Interessen an einer behindertengerechten Nutzung überwiegt.“ Falls ein Gericht in so einem Fall entscheiden muss, zählen als Kriterien unter anderen Art und Schwere der Behinderung, die Notwendigkeit der Maßnahme, die Möglichkeit des Rückbaus, mögliche Haftungsrisiken oder die Auswirkungen des Umbaus für die übrigen Mieter.

Susanne Sasse

GBW: Mieterverein bleibt skeptisch

Die ersten Gesprächsrunden mit Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein (70, CSU) sind gelaufen – mit durchwachsenem Ergebnis. Beckstein soll als Ombudsmann dafür sorgen, dass die GBW-Mieter auch unter dem neuen Eigentümer Patrizia besonderen Schutz genießen. Es geht um die so genannte Sozialcharta, deren Einhaltung Beckstein überwachen soll.

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Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein © dpa

Beatrix Zurek (SPD), Präsidentin des Münchner Mietervereins, sagt: „Wir erkennen Dr. Günther Becksteins Ernsthaftigkeit im Bemühen um die Sicherung der Rechte der GBW-Mieter an, wünschen uns jedoch mehr Kompetenzen für ihn als neuen Ombudsmann in Sachen GBW.“ Vorangegangen war ein Sondierungsgespräch zwischen Beckstein und Vertretern der Münchner und Nürnberger Mietervereine.

Zureks Hauptkritikpunkt: „Wir machen uns keine Illusionen über die Möglichkeiten, die ein Ombudsmann als Ratgeber haben kann.“

Beckstein war am 30. November von der Patrizia als Ombudsmann eingesetzt worden. Er kann dabei weder der Patrizia noch der GBW Weisungen erteilen. Hintergrund: Die GBW-Wohnungen waren an die Immobiliengesellschaft Patrizia verkauft worden, um die Landesbank zu entlasten. In München sind rund 10 000 Wohnungen betroffen.

Zurek: „Jeder Schritt in Richtung Mieterschutz wird von uns begrüßt. Allerdings gewährt die Sozialcharta den Mietern ohnehin keine nennenswerten Rechte. Deswegen werden auch die Anstrengungen eines Ombudsmannes zu deren Einhaltung zu keinem zusätzlichen Schutz führen können.“

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