tz-Hilfsaktion „Gemeinsam gegen Hunger“

Armut kann jeden treffen

Margret Maul schneidet in ihrer winzigen Küche den Weihnachtsstollen auf - ein Spende.
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Margret Maul schneidet in ihrer winzigen Küche den Weihnachtsstollen auf - ein Spende.

Schicksalsschläge, Krankheit, Jobverlust - keiner ist davor gefeit. Überall. Hier in München sind es kleine Ereignisse, für die Familien in Ostafrika sind es nicht beeinflussbare Katastrophen wie Heuschreckenplage und Überschwemmung, die Hungersnöte auslösen und Kinder krank machen. Armut kann einfach jeden treffen.

Drei Wünsche hat Margret Maul (78). 1. Sie würde gerne noch mal die Füße ins Meer strecken. 2. Eine Welt ohne Kriege. Und 3.: „Ich möchte noch so viel sparen können, dass meine Asche nach dem Tod im Ozean verstreut werden kann.“ Viel hat sie dafür nicht gespart. Sparen können. Denn die gebürtige Österreicherin ist arm - knapp 1000 Euro hat sie im Monat. 475 Euro Miete zahlt sie für ihre 32 Quadratmeter große Wohnung, in der sie seit über 40 Jahren lebt. „Mal bleiben mir 350, mal nur 300 Euro nach Abzug aller Kosten.“ Und das nach 30 verschiedenen Arbeitsstellen in ihrem Leben.

Margret Maul lebt seit über 40 Jahren bescheiden in ihrer Einzimmerwohnung.

Margret Maul hat immer gearbeitet. Ab ihrem 14. Lebensjahr. Erst als Frisörin, dann für einen Diskothekenausstatter, dann im Hotel als Zimmermädchen und, und, und. „Ich habe mir aber nie Gedanken gemacht, dass die Rente mal nicht reichen könnte“, erzählt sie. „Und ich hätte nicht geglaubt, dass ich mal Gast bei der Tafel sein würde.“

Seit 2011 ist der Donnerstag an der Ausgabestelle in Milbertshofen ihr Einkaufstag. Das erste Mal war schwer. „Ich bin mir komisch vorgekommen, ich wollte auf gar keinen Fall eine Bettlerin sein.“ Doch dann hat sie gesehen, dass viele Menschen, von denen sie nicht gedacht hätte, dass sie auch Tafelgäste sind, mit Taschen und Trolleys auf Lebensmittel warten.

Derzeit ist der Gang besonders beschwerlich. Margret Maul hatte einen Schlaganfall und kann ihr rechtes Bein nicht immer voll belasten. Meist schafft sie es irgendwie von ihrer Wohnung am Luitpoldpark zur Tafel. „Aber wenn ich mal nichts habe, weil ich es nicht hinbekomme, esse ich eben mal nichts“, sagt sie mit ihrem österreichischen Schmäh.

Dieses Schicksal teilt die 78-Jährigen, die nie verheiratet war, mit vielen Senioren in München. „Wir haben genug Gäste, vor allem Frauen, die trauen sich niemanden einzuladen, weil sie ja nichts zum Anbieten haben“, erklärt Angela Zacher von der Münchner Tafel. Deshalb gibt es jedes Jahr die Stollenaktion. Heuer versorgen die Andreas und Elfriede Zäch-Stiftung in Kooperation mit der Bäckerei Ziegler und Dallmayr sowie der Münchner Altenhilfe Marinus Stemmer Stiftung Tafelgäste mit Stollen und Kaffee.

Margret wird vermutlich niemanden einladen, wird auch Weihnachten alleine verbringen. Das mache ihr nichts aus, sagt sie. Sie sei gerne alleine und in ihrer Wohnung. Die hat die 78-Jährige liebevoll eingerichtet. Im Regal der Schrankwand stehen Fotos ihrer Lieben, in der kleinen Vitrine Mineralien, die ihr verstorbener Bruder gesammelt hat. An den Wänden hängen Bilder ihrer Sehnsuchtsorte. „Ich habe noch nie viel zum Leben gebraucht, weder Schmuck, noch ein Auto, aber gereist bin ich immer gerne.“ Vor allem in die Ferne.

An ihrer Wohnungstür hängt eine Weltkarte. Markiert mit roten Punkten. 30 Stück sind es. Jedes Land, in dem sie einmal war, hat einen Punkt. Jeder verbunden mit einer Erinnerung an glückliche Tage. „Die hatte ich definitiv. Die schönsten immer am Meer“, das sie so gerne noch einmal sehen würde.

Der schreckliche Schwarm in Afrika

Die Bauern am Horn von Afrika hatten Anfang des Jahres große Hoffnung, dass sie ihre Familien gut durch die kommenden Monate bringen würden. Doch dann kamen Corona und auch noch die Heuschrecken… Die schlimmste Wüstenheuschreckenplage seit 25 Jahren sucht derzeit Ostafrika heim. Innerhalb weniger Minuten vernichten die Insekten ganze Felder und Ackerlandschaften. Eine Katastrophe für die Tausende Familien. Vor allem als sie dann noch obdachlos wurden, weil es zu schlimmen Überschwemmungen kam. Über 25 Millionen Menschen sind so derzeit in der Region von Lebenmittelknappheit betroffen. 

Die Heuschreckenplage in Ostafrika vernichtet die Lebensgrundlage der Bauern.

Die Zahl der schwer akut mangelernährten Kinder ist um 20 Prozent gestiegen, und es werden immer mehr. Eines der Kinder ist Adut (14 Monate) aus dem Südsudan. Sie wollte nicht essen, war zu schwach, um laufen zu lernen, hatte immer wieder starken Durchfall und Fieber. Genau das macht Mangelernährung so gefährlich: Die Kinder können Infektionen und andere Krankheiten nicht abwehren. Adut bekam in diesem Zustand Malaria, die Eltern bangten jeden Tag um das Leben ihrer Tochter. Unicef-Helfer haben die Kleine in ihrem Dorf gefunden, untersucht und behandelt. Zwei Monate lang wurde Adut mit Erdnuss-paste versorgt, kam wieder zu Kräften. Regelmäßig besucht Unicef die Kleine, kontrolliert ihren Zustand un d hilft den Familien im Dorf.  Ohne die Hilfe von Unicef haben die Menschen in Afrika kaum eine Chance, auf die Beine zu kommen, ihre Felder neu zu bestellen und ihre Kinder zu versorgen

Die Spendenkonten

Für die Münchner Tafel e.V.

HypoVereinsbank

IBAN: DE37 7002 0270 6850 1933 10

BIC: HYVEDEMMXXX

Für Unicef:

Commerzbank

IBAN: DE78 7008 0000 0326 9000 00

BIC: DRESDEFF700

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