Das Problem ist nicht einmal die Feier selbst ...

Geschäftsleute fordern Verlegung der FCB-Meisterfeier

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Der FC Bayern 2015 auf dem Rathausbalkon. Auch heuer wird wieder gefeiert - nur wann?

Der Bezirksausschuss und die Geschäftsleute am Marienplatz fordern, dass die geplante Meisterfeier des FC Bayern verlegt wird. Das Problem ist aber nicht einmal die Feier selbst.

Update vom 19. Mai 2017: Es ist soweit. Am Samstag feiert der FC Bayern offiziell seinen Titel. Auf dem Münchner Rathausbalkon am Marienplatz werden Philipp Lahm und Co. die Meisterschale hochhalten. Infos zum Ablauf der FC Bayern Meisterfeier 2017 finden Sie hier. Auch, wie Sie alles live im TV und im Live-Stream verfolgen können.

München - Die Spieler schunkeln auf dem Rathausbalkon, tausende Fans feiern am Marienplatz und Hunderttausende verfolgen das Spektakel über den Bildschirm. Die Meisterfeier des FC Bayern ist eine Institution. Aber sie ist nicht für alle ein Grund zur Freude: Der zuständige Bezirksausschuss und die Geschäftsleute fordern jetzt, die geplante Feier nach dem letzten Spieltag (20. Mai) von Samstag auf Sonntag zu verlegen!

„Die Anwohner kommen an diesem Tag nicht mehr aus ihren Häusern raus, und die Händler haben massive Einbußen“, erklärt Wolfgang Püschel (SPD), stellvertretender Vorsitzender des Bezirksausschusses Altstadt-Lehel. BA-Mitglied Haluk Sevengül (SPD) sagt: „Ich konnte letztes Jahr nicht mal Gassigehen in der Gegend, so voll ist es gewesen.“ Der BA hat den geplanten Termin einstimmig abgelehnt.

Party auf dem Marienplatz, aber kein Auto-Korso

Wolfgang Püschel ist sauer: „Wir verstehen nicht, dass man diesen Termin durchdrücken muss. Die letzten Jahre ging es ja auch am Sonntag …“ Tatsächlich hat die Feier 2015 und 2016 an einem Sonntag stattgefunden, 2014 an einem Samstag. Warum heuer der Samstag geplant ist, wollten der FC Bayern und die Stadt am Mittwoch nicht beantworten. Ein Argument soll sein, dass die auswärtigen Fans samstags gleich nach dem Spiel weiter zur Meisterfeier pilgern können. Fest steht, dass der Autokorso über die Leopoldstraße nicht stattfinden wird. Der FC Bayern hatte darauf verzichtet, diesen anzumelden.

Aufstand gegen den Samstag: Unterstützung bekommt der Bezirksausschuss von Wolfgang Fischer von der Händlervereinigung CityPartner. Das Problem sei nicht einmal die Feier selbst, die laut Stadt wohl erst gegen 19.30 Uhr beginnt. „Für die Meisterfeier werden wieder ab 10 Uhr Gitter aufgestellt. Schließlich müssen die Taschen der Besucher kontrolliert werden. Hinzu kommt, dass schon früh keine U- und S-Bahnen mehr am Marienplatz halten – aus Sicherheitsgründen.“ Zudem seien die öffentlichen Kosten für die Sicherheitsvorkehrungen an einem Samstag viel höher als an einem Sonntag.

Tausende Bayern-Fans drängen sich auf dem Marienplatz.

Das Problem: Der Bezirksausschuss muss zwar von der Stadt angehört werden, er hat aber keine direkte Möglichkeit, einzuwirken. Und so wird die Feier wohl wie geplant am Samstag stattfinden. „Die bisherige Abwägung ergibt, dass eine Durchführung an einem Samstag noch vertretbar ist“, sagt KVR-Sprecher Johannes Mayer. „Das Kreisverwaltungsreferat achtet darauf, dass die Einschränkungen so gering wie möglich ausfallen und die Veranstaltung sicher durchgeführt werden kann.“ Man achte darauf, dass große Kaufhäuser weiter zugänglich bleiben würden. Ob das in der Praxis umzusetzen ist? Die tz hat mit drei betroffenen Händlern gesprochen:

Nur halb so viel Umsatz

Peter Hanig (47), stellvertretender Filialleiter von Wormland: „Ich bin FC-Bayern-Fan, aber diese Feier kostet uns die Hälfte des Tagesumsatzes an einem Samstag. Das ist hart. Wir sind mitten in der Absperrung drin. Die Kunden müssen sich vorher durch die Kontrolle drängeln – und diese ­Mühe nimmt fast keiner auf sich. Wir können eigentlich um 14 Uhr ­zumachen, wenn die Feier am ­Samstag stattfindet.“

Kein Kunde kommt durch

Veronika Schmitt, Apothekerin in der Rathaus-Apotheke: „In früheren Jahren, als die Feier samstags stattgefunden hat, musste ich schon Angestellte heimschicken, weil einfach kein Kunde mehr zu uns durchkam. Wir haben den Sicherheitszaun direkt vor der Nase. Diese Feier schadet dem Einzelhandel vor Ort – und wir sind auf die Samstagseinnahmen angewiesen. An einem Sonntag wäre das dich für alle einfacher.“

Die Feier schreckt ab

Christian Greiner, Vorstand bei Kaufhaus Ludwig Beck: „Wenn die S- und U-Bahnen irgendwann sicherheitsbedingt nicht mehr fahren, kommen viel weniger Kunden. Die Feier schreckt auch Touristen und Ausflügler ab. Wir mussten in früheren Jahren auch mal vorübergehend schließen, weil es vor der Tür so voll war. Viele Fans kommen zwar zu uns rein, dann aber wegen der Toilette. Ich verstehe die Entscheidung nicht.“

Balkon-Zoff gab es schon früher

Der BR, der immer die Meisterfeier am Marienplatz fürs Fernsehen übertragen hatte, verzichtete 2016 auf die Liveschaltung. Grund für den TV-Zoff soll eine kurzfristige, zu hohe Geldforderung der Bayern gewesen sein. Sport1 übernahm damals die Übertragung. Für ­Riesen-Wirbel sorgte 2008 das Nichterscheinen des damaligen OB Christian Ude auf dem Rathausbalkon. Ude weilte im Urlaub auf Mykonos, stattdessen erschien sein Vertreter Hep Monatzeder. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hatte Ude damals vorgeworfen, er hätte aus Respekt da sein müssen.

Nina Bautz/Hüseyin Ince

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