Eröffnungsfilm zur Landesausstellung

Christoph Süß als Mönch und Mittelalter-Mafiosi

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Moderator und Kaberettist Christoph Süß hat den Eröffnungsfilm für die Bayerische Landesausstellung gedreht.

München - BR-Moderator Christoph Süß hat den Eröffnungsfilm zur Bayerischen Landesausstellung über Ludwig den Bayern gedreht. Darin ist er als Franziskaner und reicher Bürger zu sehen.

Ein Sendlinger in der schönsten mittelalterlichen Stadt Deutschlands: Das ist der BR-Moderator und Kabarettist Christoph Süß (46), der den Eröffnungsfilm zur Ausstellung in Regensburg gedreht hat. Hier läuft derzeit die Bayerische Landesausstellung über Ludwig den Bayern und den Dombau. Eine Schau – genauso wie die Schau überhaupt.

Herr Süß, Sie räumen zu Beginn Ihres Filmes gleich mal mit dem Klischee des „Dunklen Mittelalters“ auf …

Christoph Süß: Mich interessiert besonders dieser damalige Klimawandel: Die Stadt Regensburg boomt, es kommen immer mehr Menschen, es kommt immer mehr Geld in Umlauf, neue Eliten steigen auf. Das Bürgertum entsteht.

Also teils fast wie heute das boomende München …

Süß: Man darf aber nicht den Fehler machen, das zu vergleichen. Das Denken der Menschen im Mittelalter ist fundamental anders. Die Menschen hatten ein ernsthaftes spirituelles Problem: Ich kann nicht in den Himmel kommen, wenn ich reich bin. Geld ist böse, Jesus predigte Armut und lebte sie vor.

Und wie löste das neue reiche Bürgertum das Dilemma?

Süß: Indem es durch monumentale Bauten dem Herrn gefallen will. Es will sich Sicherheit einkaufen. Das lässt sich schon mit heute vergleichen: Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer. Mehr Reichtum zeitigt mehr Armut. Und wie lösen wir’s? Mit Charity-Aktionen. Aber wie gesagt: Das ist kein Vergleich mit unseren mittelalterlichen Vorfahren. Die glaubten wirklich, nicht in den Himmel kommen zu können. Gott schaut überall und immer zu.

Drehbuch in Absprache mit Haus der Bayerischen Geschichte erstellt

Stammt denn das Drehbuch zu dem Einführungsfilm zur Ausstellung ausschließlich von Ihnen?

Süß: Ja. Aber in ständiger Absprache mit den Leuten vom Haus der Bayerischen Geschichte. Und so schlüpfte ich in die verschiedensten Rollen des Films – vom Franziskaner über den reichen Bürger oder den Regensburger Bischof bis zum „Mafioso“ und dem französischen Boten vom päpstlichen Hof in Avignon. So mache ich das ja auch im Fernsehen. Und man muss die Gage nicht teilen.

Welche Ihrer Figuren mögen Sie besonders?

Süß: Bischof Nikolaus von Ybbs. Der war schon toll, ein raffinierter Mann. Für einen Bischof ein echter Realpolitiker. Die Art und Weise, wie er mit einer gewissen Heiterkeit mit Problemen umgeht, ist schon stark – nach dem Motto: Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Der Papst in Avignon hatte in den berühmten Fehden mit Kaiser Ludwig dem Bayern das kirchliche Leben in Regensburg verbieten wollen – keine Messen, keine Beerdigungen, keine Hochzeiten. Können wir uns heute noch vorstellen, was das bedeutet hätte?

Süß: Wohl schwer. Damals ging es ja ums Seelenheil. Für die Stadt wäre das ziemlich bitter geworden, wenn der Bischof dem Boten nicht das päpstliche Dekret abgenommen und es in der Donau versenkt hätte.

Was wäre in der heutigen Zeit vergleichbar bitter?

Süß: Hmm … ein permanenter Stromausfall.

Die Bayerische Landesausstellung 2014 Ludwig der Bayer. Wir sind Kaiser! ist bis 2. November in Regensburg zu sehen. Orte: die Minoritenkirche, St. Ulrich und der Domkreuzgang. Auch die Dombauhütte öffnet ihre Pforten. Ein Schwerpunkt liegt auf dem großen Streit zwischen Papst und Kaiser Ludwig. Weitere Infos hier oder unter oder Tel. 0821/32 950. ­Der Eintritt beträgt 9,50 Euro.

Matthias Bieber

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