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Strafakte Corona: Erschreckende Fälle aus München dokumentiert

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Mit dreisten Maschen versuchen Betrüger, die Corona-Krise auszunutzen. Vielen kamen die Ermittler auf die Schliche (Symbolbild).

Gauner nutzen die Corona-Krise für dreiste Straftaten. Jetzt wurden erschreckende Zahlen veröffentlicht.

  • Mit dreisten Maschen hat Betrüger zu Zeiten der Corona-Krise Erfolg.
  • Auf einer Pressekonferenz in München zogen die zuständigen Behörden Bilanz.
  • Ein Gauner aus München ging besonders dreist vor.

München - Die Pandemie hat Gauner auf völlig neue Betrugsideen gebracht. Während der Corona-Krise hat die bayerische Justiz bisher mindestens 771 Ermittlungsverfahren wegen Betrugs eingeleitet, 290 davon in München. 

„Wer die Sorgen der Bevölkerung in der Corona-Krise ausnutzt, um Straftaten zu begehen, wird konsequent verfolgt“, sagt Justizminister Georg Eisenreich (49, CSU). Gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft München I stellte er am Mittwoch (17. Juni) Verbrechenszahlen vor, die sich seit Mitte März ergeben haben. Die Erkenntnis: „Die Täter haben neue Betrugsmaschen in der realen und in der analogen Welt entwickelt, um Geld zu ergaunern“, sagte Eisenreich. Bislang seien mindestens 771 Verfahren wegen Corona-Betrugs eingeleitet worden.

Corona-Betrug: Mann aus München reicht 23 Anträge bei der Stadt ein

Die Zahl bezieht sich auf den ganzen Freistaat – mit eingerechnet sind auch 163 Ermittlungsverfahren wegen Soforthilfe-Betruges. Allein hier liegt die Schadenssumme der ausgezahlten Beträge bei rund 1,7 Millionen Euro. In einem Fall hatte ein Münchner online sogar 23 Anträge an die Stadt gestellt. „Bei Anträgen im Gesamtwert von weiteren 2,2 Millionen Euro besteht zudem der Verdacht auf falsche Angaben, ohne dass es allerdings zur Auszahlung gekommen ist“, erklärte Eisenreich. Er kündigte an: Alle Soforthilfe-Betrüger müssen die ergaunerten Beträge restlos zurückzahlen. Den Tätern drohen zudem „Geldstrafen und Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren“, so Eisenreich. „Es ist besonders verwerflich, wenn die Corona-Krise* ausgenutzt wird, um sich selbst zu bereichern“, sagt Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl. Genau 71 solcher Taten hatten sich in ganz München* ereignet.

Fast noch schwerer wiegen die reinen Corona-Betrugstaten: In 132 von 608 Ermittlungsverfahren war der Tatort München. Kriminelle gaben sich beispielsweise als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes aus. Um in die Wohnungen ihrer oft betagten Opfer zu gelangen, gaben sie vor, Corona-Tests durchführen zu müssen. Andere Täter gaukelten vor, dass einer ihrer Angehörigen durch Corona schwer erkrankt sei und dringend Geld für eine lebensrettende Behandlung benötige.

Corona München: Staatsanwaltschaft informiert über dreiste Maschen

Auch drei weitere Betrugsmaschen hat die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt. Auf gefälschten Internetseiten wurden etwa Masken und Desinfektionsmittel zum Kauf angeboten, aber nach Bezahlung nie geliefert. Gefälschte Webseiten und Massen-E-Mails nutzten Betrüger darüber hinaus, um an Kreditkartendaten oder Kontoinformationen der Besucher zu kommen. In Betrugs-E-Mails drohten Täter auch, Familienmitglieder gezielt anzustecken.

Der Justizminister will die Täter konsequent verfolgen – der Staatsanwaltschaft dankte er am Mittwoch. Denn viele Taten hatten die Ermittler noch verhindern können. „Es waren keine goldenen Zeiten für Straftäter“, fasste Hans Kornprobst, Leitender Staatsanwalt, zusammen. Kein Geld an der Haustür übergeben, niemanden einfach so hineinlassen – und Angebote im Internet genau überprüfen: Das sind die Tipps der Ermittler, damit weitere Betrugstaten verhindert werden können.

Corona-PK in München: Wirbel gab‘s auch um den FC Bayern

Deutliche Änderungen hätten sich daneben auch bei Drogendelikten ergeben: Der Handel auf der Straße ging zurück, verlagerte sich dafür aber mehr ins Internet. Bei Corona-bedingten Kontrollen seien trotzdem etliche Dealer aufgeflogen: Allein 65 Ermittlungsverfahren führt die Staatsanwaltschaft in diesem Zusammenhang.

Bei der Pressekonferenz wurde überdies die Zahl der Bußgeldbescheide bekannt: Rund 300 hat das Kreisverwaltungsreferat wegen Corona-Verstößen bisher erlassen – bis zu 10.000 weitere werden noch geprüft. Rund 100 Anzeigen aus ganz Deutschland hatte es zudem gegen den FC Bayern gegeben, nachdem sich Spieler im Training bei Jubelszenen sehr nahe kamen. „Es handelte sich aber nicht um einen Straftatbestand.“ Grund: Der Trainingsbetrieb war von den Behörden genehmigt.

Andreas Thieme

Dauerregen in München: Sommerfeeling stellt sich im Juni bislang nur selten ein. Der Wetter-Ticker für die Landeshauptstadt*.

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