„Gefahr einer Verbreitung minimieren“

Kuriose Corona-Posse: Behörde schlägt wegen Treff im Park Alarm - Aufseher mischen sich ein

Eine Gesangsdozentin verlegte die Chorproben ihres Volkshochschulkurses coronabedingt nach draußen in die Maximiliansanlagen. Die Parkverwaltung sah das gar nicht gern.

  • Eine Gesangsdozentin verlegte die Chorproben ihres Volkshochschulkurses wegen des Coronavirus* nach draußen in die Maximiliansanlagen.
  • Die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung untersagte das Trällern im Grünen – wegen Ruhestörung!
  • Auf Nachfrage der tz* zeigte die Verwaltung nun jedoch eine andere Reaktion.

München* - Es lässt sich doch nirgends einfacher Abstand halten als an der frischen Luft. Dachte sich auch Gesangsdozentin Hana Katsenes (33), und verlegte die Chorproben ihres Volkshochschulkurses coronabedingt nach draußen in die Maximiliansanlagen. Doch die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung untersagte das Trällern im Grünen – wegen Ruhestörung!

Die Chorprobe in den Maximiliansanlagen.

Coronavirus München: Parkaufseher melden Chorprobe bei den Behörden

Acht Kursteilnehmer lernen bei Hana Katsenes gerade die Solmisation, eine spezielle Methode, sich Melodien ohne Instrument vorzustellen. Letzte Woche startete die erste Probe, die die Dozentin auf der Wiese in der nahe der Münchner Volkshochschule (MVHS) gelegenen Grünanlage abhielt: „Ich wollte die Gefahr einer möglichen Corona-Verbreitung minimieren. Draußen haben wir ausreichend Abstand, außerdem verteilen sich hier die Aerosole besser, die wir beim Singen ausstoßen.“

Am zweiten Kurstag wiesen sie zwei Parkaufseher darauf hin, dass sie eine Genehmigung bräuchte. „Meine Vorgesetzte hat sich daraufhin sofort an die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung gewandt.“ Deren Antwortschreiben sorgte allerdings für Ernüchterung. Die Maximiliansanlagen seien dem deutschen Naturschutzrecht unterstellt, heißt es darin. Die Grünanlagen dienten der Ruhe und Erholung, Lärm sei zu vermeiden: „Wenn man Ruhe sucht, empfinden viele Menschen auch zweistündigen Gesangskurse der VHS als Lärm und als Belästigung“. Zudem führt die Verwaltung auf, dass in den Anlagen nicht gestattet sei, Handel und Gewerbe jeglicher Art zu betreiben. Die Infektionszahlen seien „kein Grund, bestehende Vorschriften zu ändern“.

Behörden-Starrsinn in Corona-Zeiten! „Wir wollten nur unseren Teil gegen die Coronapandemie leisten“, erklärt Hana Katsenes. „Und was die Lautstärke angeht: Wir konnten uns gerade noch gegenseitig hören, während die vorbeirasenden Autos uns eher gestört haben.“ Sie hielt ihren Kurs daraufhin wieder in den Räumen der MVHS ab – mit Maske. MVHS-Managementdirektor Klaus Meisel lobt den Einsatz seiner Mitarbeiterin: „Unsere Dozenten müssen die Hygieneregeln praktisch und lebensnah umsetzen und sind kreativ. Wir suchen weiter nach Lösungen für Fälle wie diesen.“

Tatsächlich scheint diese Lösung jetzt da zu sein. Auf Nachfrage der tz lenkte die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung ein: „Mit Blick auf die massiven Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie, auch für Chorproben, steht die Bayerische Schlösserverwaltung einer Nutzung für Übungen von Chören in dieser Sondersituation vorübergehend offen gegenüber.“ Wichtig sei eine vorherige Anmeldung und ausreichend Abstand zu anderen Parkbesuchern. Der Chor darf also aufatmen: Der nächsten Freiluft-Probe steht nichts mehr im Weg. Christina Meyer - *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Astrid Schmidhuber

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