Bedenken wegen Umwelt

Deutscher Alpenverein: Nein zu Olympia 2022

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Der Deutsche Alpenvereinsagt Nein zu einer Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2022. 

München - Kein „ja, aber“ dieses Mal: Der Alpenverein hat in Sachen Olympische Winterspiele in den bayerischen Alpen Stellung bezogen - und zwar mit einem eindeutigen Nein.

Der Deutsche Alpenverein zeigt Flagge: Ein klares Nein zu Olympischen Winterspielen 2022 in den bayerischen Alpen ist das Ergebnis der Hauptversammlung des weltgrößten Bergsportverbandes am Samstag in Ulm. Der DAV ist nicht nur Sport- sondern auch anerkannter Naturschutzverband - und als solcher hatte er sich mit seiner „ja, aber“- Haltung bei der Bewerbung 2018 durchaus Kritik ausgesetzt. Mit der Entscheidung gegen 2022 setzt der auf eine Million Mitglieder angewachsene Verband auch ein Zeichen unabhängig vom Ausgang der Bürgerentscheide.

Gerade Winterspiele sind alles andere als umweltfreundlich. Kunstschnee, neue Sportanlagen, Straßen - das alles würde den sensiblen Alpenraum belasten. Trotz seines Neins fordert der DAV eine Einbindung in einen eventuellen Bewerbungsprozess. „Wir können essenziell dazu beitragen, dass der Umweltschutz bei einer Bewerbung besser berücksichtigt wird“, sagte Präsident Josef Klenner.

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Das hatte der Verband bei der Bewerbung für 2018 noch anders gesehen: Man wirke in der Bewerbungsgesellschaft mit, um Naturschutz und Umweltprojekte durchzusetzen, hieß es damals. Nun geht es doch anders.

Schon vor der Hauptversammlung hatte sich die Jugend des DAV gegen Olympia gestellt: „JDAV ist der Meinung, dass der DAV seiner Aufgabe und seinem Selbstverständnis als Naturschutzverband nur mit einer Ablehnung dieses Großereignisses in den bayrischen Alpen gerecht werden kann. Eine grundsätzliche Befürwortung mit 'kritischer Begleitung' von Olympia 2022 in München wird dem nicht gerecht.“ Das Präsidium hatte sich in einem Schreiben an die Sektionschefs eben für eine solche „kritische Beteiligung“ ausgesprochen - eine ähnliche Haltung wie bei Olympia 2018.

Olympiafrage: Zwickmühle für DAV

Die Olympiafrage brachte den DAV stets in die Zwickmühle. Er hat sich als Naturschutzverband gegen eine massive Erschließung der Alpen ausgesprochen und sich in seiner Satzung zur Aufgabe gemacht, „die Schönheit und Ursprünglichkeit der Bergwelt zu erhalten“.

Andererseits muss er seiner wachsenden Mitgliederschaft gerecht werden. Von seinem früheren strikten Nein zu Schneekanonen oder zum Bau neuer Klettersteige ist er abgerückt; manche sehen darin den Verlust einer klaren Linie. Und der DAV ist Mitglied im Olympischen Sportbund (DOSB) und kämpft hier für die Anerkennung des - freilich nicht umweltbelastenden - Sportkletterns als olympische Disziplin.

Als die Verbände des DOSB Ende September das Konzept für Olympia 2022 einstimmig absegneten, enthielt sich der DAV als einziger. „Dass sich der deutsche Sport ein leichtes Ja vom DAV erhofft hat, war uns bekannt. Aber wir können erklären, wie wir zu dem Ergebnis gekommen sind. Es ist keine tendenziöse Entscheidung gewesen, sondern eine sachorientierte“, sagte Klenner nun. Günther Manstorfer, Vorsitzender der Sektion München, die den Antrag zur Ablehnung mitverfasst hatte, findet: „Soviel Pluralität muss ein DOSB vertragen.“

Breite Basis für Entscheidung gesucht

Bei der Bewerbung 2018 hatten Präsidium und Verbandsrat entschieden. Dieses Mal war klar: Die Entscheidung braucht eine breitere Basis - die Hauptversammlung, an der Delegierte aller gut 350 Sektionen teilnehmen. „Wir wollten das dieses Mal auf eine höhere Ebene bringen. Es ist doch eine Aussage, die eine gewisse Tragweite hat“, sagt Manstorfer. Er glaube, dass die Mehrzahl der Mitglieder die nun getroffene Entscheidung mittrage.

Die Stimmung an der Basis: Viele dagegen, die anderen jedenfalls nicht euphorisch. „Das IOC würde den Alpenverein doch nur als grünen Deckmantel missbrauchen“, schrieb ein Teilnehmer im Internet-Forum des DAV. Ein anderer schimpfte: „Weil die Spiele woanders noch mehr Schaden anrichten, als hier, soll man die Spiele nach Deutschland holen? Was ist das für eine Logik?“ Und: „Es gibt letztlich nur ein einziges hieb- und stichfestes Argument für die Spiele in Bayern: Felix Neureuther hat seinen Arbeitsplatz vor der Haustür.“

Von Sabine Dobel

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