"Wintermärchen 2022"

Dieses Konzept soll Olympia nach München holen

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München - Am 10. November entscheiden die Bürger über eine erneute Olympia-Bewerbung. Wir zeigen, wie das "Wintermärchen 2022" organisiert werden soll und was die Gegner dazu sagen.

Eisschnelllauf: Nördlich des Olympiaparks soll eine temporäre Eisschnelllaufhalle für rund 8000 Zuschauer entstehen. Nach den Spielen würde die Halle wieder verschwinden. Weil sie im „Modulbau“ errichtet werden soll, könnten die Module nach dem Rückbau erneut genutzt werden.

81 zu 0 - klarer konnte das Votum für eine zweite Olympia-Kandidatur kaum ausfallen. Bei der Tagung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) enthielt sich am Montag nur der Deutsche Alpenverein der Stimme. Die DAV-Basis ist gespalten in der Frage, ob Winterspiele den Alpen mehr nutzen oder doch mehr schaden würden. Abgesehen davon bejubelten Politik und Sport einhellig die Entscheidung. Jetzt brauchen die Befürworter ein 4 zu 0 bei den Bürgerentscheiden.

Nachdem der DOSB den Weg für eine Kandidatur freigemacht hat, kann der Kampf um die Wählergunst in die heiße Phase gehen. „Ich habe keinen Zweifel, dass der weit überwiegende Teil der Bevölkerung Spiele in Deutschland will“, sagte DOSB-Interimspräsident Hans-Peter Krämer. „Wir müssen die Ja-Sager mobilisieren, die Nein-Sager werden in Scharen zur Urne laufen.“

NOlympia fürchtet "Jahre des Stillstands"

Freestyle: Eine gigantische Halfpipe für Ski- und Snowboard-Wettbewerbe soll am Nordhang des Olympiabergs errichtet und nach den Spielen wieder abgerissen werden. Um einen Zielbereich aufbauen zu können, würde der See entleert und provisorisch aufgefüllt.

Zu dieser Schar wird auch Katharina Schulze gehören. Die Chefin der Münchner Grünen ist eine der Sprecherinnen von „NOlympia“. Das Netzwerk kämpfte lautstark gegen die 2018er Bewerbung und bringt sich nun für die nächste Runde in Stellung. „Seit Wochen wird hinter verschlossenen Türen an der Bewerbung geplant“, ärgert sich die Vizechefin der Landtagsfraktion. „Bis auf eine Konzeptstudie voller Schönrederei ist dabei nichts herausgekommen.“

Die von Schulze so gescholtene Studie wurde am Montag bei der Tagung des Sportbunds verteilt. 67 Seiten ist sie stark, samt Hochglanz-Fotos, Grafiken und ersten Budget-Rechnungen. Die Gesamtkosten werden auf 3,3 Milliarden Euro taxiert. Davon sind 1,5 Milliarden als „Veranstaltungbudget“ für laufende Kosten während der Spiele eingepreist. 1,8 Milliarden sind für Bauinvestitionen vorgesehen.

Olympia 2022: Deckel für Bewerbungskosten

Die Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, das Jahr 2022 ist weit weg, eine seriöse Schätzung schwierig. Die Höhe der Einnahmen während der Spiele sowie die Höhe der Sponsorengelder kann man heute allenfalls grob über den Daumen peilen. Klar ist nur: Die bayerischen Spiele sollen vergleichsweise günstig und außergewöhnlich nachhaltig werden.

Olympiadorf: Platz für 3500 Sportler-Betten soll im Süden des Olympiaparks geschaffen werden, auf einem Grundstück der Bundeswehr neben der Dachauer Straße. Bei den Plänen für das Olympiadorf stehen viele Entscheidungen aber noch aus. Der Entwurf für die ovalen Punkt-Hochhäuser (Simulation oben) stammt von der 2018er Bewerbung. Wie stark die neue Kandidatur darauf aufbauen wird, ist noch unklar.

Vor allem der Rückgriff auf vorhandene Infrastruktur soll die Kosten in Grenzen halten. 50 Jahre nach den Münchner Sommerspielen von 1972 soll der olympische Tross wieder in den Olympiapark einziehen. Wie unsere Grafik zeigt, sind die bestehenden Sportstätten in das neue Konzept integriert. Im altehrwürdigen Olympiastadion sollen die Eröffnungs- und Schlussfeier stattfinden sowie die Freestyle-Wettbewerbe der Skifahrer und Snowboarder. Nebenan in der Olympiahalle finden die Disziplinen Eiskunstlauf und Shorttrack statt. Die Olympia-Schwimmhalle soll für die Zeit der Spiele umgebaut werden, damit hier die Curling-Wettbewerbe ein Zuhause finden.

Olympia 2022: Aktuelle Infos und Hintergründe

Am Standort der Event-Arena - dem ehemaligen Olympia-Radstadion - ist eine neue, multifunktionale Halle für Eishockeyspiele mit einer Kapazität von etwa 10.000 Zuschauern geplant. Möglicherweise finanziert Red Bull dort eine neue Halle als Eishockey- und Basketball-Arena. Wenn nicht, muss wohl die Stadt einspringen. Wegen der hohen Anzahl der Eishockey-Wettkämpfe muss München in der Bewerbung eine zweite Halle nachweisen. Die könnte im Osten des Parks auf dem Gelände des alten Eissportzentrums entstehen. Noch ist unklar, ob man das seit 1967 bestehende Gebäude sanieren kann oder eine neue Halle für rund 6000 Zuschauer baut.

Auf jeden Fall neu gebaut werden soll eine Eisschnelllaufhalle für rund 8000 Zuschauer. Sie soll nördlich des Parks entstehen, auf dem Campus der Technischen Universität - und nach den Spielen wieder abgerissen werden. Ebenfalls nur temporär errichtet wird eine gewaltige Halfpipe am Olympiaberg für die Ski- und Snowboard-Wettbewerbe (siehe Simulationen oben).

Olympisches Dorf auf einem 23 Hektar großen Grundstück

Das Mediendorf im Süden taucht in der aktuellen Konzeptstudie zwar nicht auf, entsprechende Pläne werden aber trotzdem für 2022 geschmiedet.

Wie schon bei den Plänen für 2018, soll das Olympische Dorf auf einem 23 Hektar großen Grundstück der Bundeswehr beheimatet werden. In der Nähe ist zudem ein Mediendorf angedacht, die Pläne hierzu sind aber noch nicht in trockenen Tüchern. Das Messezentrum in Riem soll Arbeitsplätze für 6000 Journalisten bieten.
Die Entscheidung über die Kandidatur liegt am 10. November in der Hand der Bürger in München und Garmisch-Partenkirchen sowie den Landkreisen Traunstein (Ruhpolding) und Berchtesgadener Land (Königssee). Fällt nur einer der vier Entscheide negativ aus, ist die Bewerbung gescheitert.
Genau darauf hofft das Bündnis „NOlympia“. Es lehnt die Bewerbung aus ökologischen und ökonomischen Gründen klar ab. Die Bürgerentscheide „sehen wir jetzt als Chance, mit der Bevölkerung ehrlich und offen über die Auswirkungen einer Bewerbung zu sprechen und zu informieren“, sagt Bündnis-Sprecherin Schulze. „Genau das werden wir die nächsten Wochen tun.“

Olympia skurril

Olympia skurril

Bei der Bewerbung für 2018 sorgten vor allem Grundstücksstreitigkeiten in Garmisch-Partenkirchen für Widerstand. Durch die Verlegung der Biathlon- und Langlaufwettbewerbe nach Ruhpolding kamen die Organisatoren den Gegnern zumindest ein Stück weit entgegen. „Das hat uns mehr Akzeptanz verschafft“, sagt Oberbürgermeister Christian Ude.

Eine gmahde Wiesn sind die Entscheide deswegen noch lange nicht. „Die zweite Hürde ist schwieriger als die erste“, mahnt Ude. Wir werden uns anstrengen müssen, denn wir brauchen eine unbestreitbare Legitimation vor Ort.“ Die Befürworter werden mit einer millionenschweren Kampagne für ein Ja werben - und die Gegner mit einer großen Portion Idealismus für ein Nein.

Von Thomas Schmidt

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