Elisabeth: Das Musical im Deutschen Theater - eine Kritik

Der Musical-Klassiker "Elisabeth" hat am Donnerstag in München Premiere gefeiert

München - Der Musical-Klassiker "Elisabeth" hat am Donnerstag in München Premiere gefeiert. Obwohl die Tourneeversion mit der Opulenz des Theaters in Wien nicht mithalten kann, sucht sie im Deutschen Theater ihresgleichen. Eine Kritik:

Wiener Blut ist ein besonderer Saft – und im Musical-Klassiker „Elisabeth“, der bis 15. Januar wieder im Deutschen Theater läuft, fließt es reichlich. Das Stück, das nächstes Jahr 20-Jähriges Jubiläum feiert, ist mit Unheilschwangerschaften, Todessehnsucht und heimtückischem Feilenmord dem Zentralfriedhof näher als der Romy-Romantik der Fünfziger. Komm, großer schwarzer Vogel, flieg nach Schönbrunn – man denkt beim Zuschauen mehr an Ludwig Hirsch, Gott hab ihn selig, als an Karlheinz Böhm. Und gerade deshalb ist die morbide Musical-Sissi nach wie vor so exzellente Unterhaltung.

Natürlich kann die Tourneeversion nicht ganz mit der Opulenz des Theaters an der Wien mithalten – doch was Original-Regisseur Harry Kupfer und sein Team für die „Sissi to go“ auf die Bühne gezaubert haben, sucht im Deutschen Theater seinesgleichen. Kaffeehaustische sausen wie Autoscooter über die Bühne, eine ausgefuchste Drehbühne sorgt für Dynamik, der Bürger-Pöbel des 19. Jahrhunderts glotzt der Kaiserin bei der Vermählung auf einem Riesenbild von Meister Deix auf den Busen – ein Augenschmaus!

Und natürlich auch ein Ohrenschmaus. Gegenüber dem ersten München-Gastspiel von 2009 ist von den Hauptdarstellern nur noch Holland-Sissi Annemieke van Dam über, die mit glockenheller Stimme und quellfrischem Jungmädchen-Charme als Wildfang in die Kaiserinnenkarriere startet, und im Laufe der nächsten über zwei Stunden langsam verlischt. Brillant macht sie das, genau wie Kurosch Abbasi als vom Wahnsinn gepeitschter Feilen-Anarchist Luigi Lucheni, der Elisabeth am Ende, Feile Feile Segen, von ihrem Elend erlöst. Die Besetzung wirkt noch kaiserlicher als 2009, und die Musik von Sylvester Levay bleibt eh klasse. Man hört seine Vergangenheit als Munich-Disco-Produzent („Silver Convention“), es rockt und discokugelt über Schönbrunn. Fly Robin Fly, with Sissi to the Sky!

Jörg Heinrich

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