Münchner Szenelokal

Drei Dekaden Kult: 30 Jahre Baader Café

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Vor Einbruch der Dunkelheit ist das Baader Café ein gediegenes Frühstückslokal.

Das Urgestein der Münchner Szenelokale feiert Jubiläum. An diesem Wochenende wird das Baader Café 30 Jahre alt.

Alles wird schneller, hipper und schicker im Gärtnerplatzviertel. Alles? Nein! Ein von unbeugsamen Freidenkern geführtes Lokal hört nicht auf, dem Zeitgeist Widerstand zu leisten. Dieses gallische Dorf unter den Szenelokalen ist das Baader Café.

Mary McLaughlin ist stolz auf die Qualität ihres Kaffees.

Hinter der Bar türmen sich alte Musikkassetten, zum größten Teil stammen sie noch aus dem Eröffnungsjahr 1985. CDs oder gar MP3-Playlists gibt es in der Baaderstraße 47 nicht. Wenn am Nachmittag sanfter Jazz von den giftgelben Wänden widerhallt, dann stammt er von den Magnetbändern historischer Audiokassetten. An den Tischen stehen sperrige alte Holzstühle – nicht gemütlich, aber charmant. Eine gerahmte Weltkarte hängt an der Wand. Sie ist mit dem monströsen Schatten eines Urvogels übermalt, mit schwarzer Ölfarbe. Das Baader Café hat Charakter. Und mindestens zwei Persönlichkeiten. Tagsüber präsentiert es sich als gediegenes Frühstückslokal. „Wir machen hier alles selbst“, sagt Geschäftsführerin Mary McLaughlin und lächelt. „Den Kuchen, das Essen. Und unser Kaffee ist richtig gut.“ Bis 16 Uhr können die Gäste Frühstück bestellen und in einer der vielen Zeitungen schmökern, die an der Theke ausliegen. Am späteren Abend und am Wochenende verwandelt sich der Raum in eine alternative Partylocation. Dann legen DJs auf, und es kann auch durchaus mal lauter werden. Als Anlaufstelle für Künstler, Andersdenkende und Nachtschwärmer hat das Baader Café seit Jahren einen legendären Ruf. „Einmal im Monat treffen sich hier die Sportfreunde Stiller mit den Leuten von ihrer Agentur“, führt Mary McLaughlin als Beispiel an. Die Deutschrocker hätten hier auch schon offizielle Pressekonferenzen abgehalten.

Rauer Charme: Die Einrichtung ist ebenso karg wie kultig.

Überhaupt wird Musik im Baader Café sehr ernst genommen. Auf den Audiokassetten hinter der Theke befinden sich maßgeblich Aufnahmen, die McLaughlins Ehemann Peter Nimmrichter in mühsamer Detailarbeit von alten Schallplatten überspielt hat. Gelbe, rote und blaue Aufkleber verraten dem Personal, zu welcher Tageszeit die Kassetten gespielt werden sollen. Gelb stehe für den Vormittag, erklärt Mc Laughlin. „Da läuft vor allem Klassik.“ Tapes mit roter Signatur seien für den Nachmittag gedacht, an dem eher Jazz laufe, und Blau bedeute Krachiges fürs spätabendliche Feiern. Gefeiert wird im Baader Café auch anlässlich des 30-jährigen Bestehens dieses Wochenende. Vom heutigen Freitag bis Sonntag, 25. Oktober, legen verschiedene DJs auf. Den Anfang macht das Duo „Schoko und Scheich“ heute Abend mit klassischem 80er Jahre Punk-Rock.

Erfolg hat das Lokal wohl auch, weil es bei aller Traditionsliebe so frisch wirkt. Schließlich schrieb schon Franz Xaver von Baader, Namenspatron der Baaderstraße und folglich auch des Baader Cafés: „Alles Leben steht unter dem Paradox, daß, wenn es beim Alten bleiben soll, es nicht beim Alten bleiben darf.“

Marian Meidel

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