Einstiger Bohème-Hit

Zum Tag des Absinths: Wie gefährlich ist die "grüne Fee" heute noch?

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Der Kräuterschnaps Absinth übt immer noch eine Faszination aus.

Als "grüne Fee" verzauberte das Getränk viele Künstler der Jugendstilzeit. Andere trieb der Absinth in den Ruin. Inzwischen gibt es den Kräuterschnaps wieder...

  • Grünschillernd, bitter, ein wenig verrucht und lange Zeit verboten - das ist Absinth.
  • Die Spirituose ist bis heute Mythos-umrankt.
  • Vincent van Gogh soll sich im Absinth-Rausch ein Ohr abgeschnitten haben.

Tatsächlich war der Tujon-haltige Kräuterschnaps Absinth zu Anfang des 20. Jahrhunderts die Droge der Künstler-Bohème: Manche Maler und Schriftsteller inspirierte die "Grüne Fee", wie manche Absinth nannten, zu ganz Großem. Andere trieb der berauschende, oft aus minderwertigem Alkohol hergestellte Schnaps ins Verderben. So soll sich der Maler Vincent van Gogh einst im Absinth-Rausch ein Ohr abgeschnitten haben.

Absinth: Vom Künstler-Verderben zum Szene-Geheimtipp

Heute – gut 22 Jahre nach dem Fall des jahrzehntelangen Absinth-Verbots in Deutschland – hat sich die aus der Wermutpflanze und grünem Anis gewonnene Spirituose zu einem kultigen Szene-Drink* entwickelt – beliebt vor allem unter Studenten und jungen Intellektuellen.

Schon seit mehr als zehn Jahren gehört dagegen in der Freiburger Studentenkneipe "Schlappen" Absinth zum Bar-Sortiment. In dem Lokal geht pro Monat der Inhalt von 100 Flaschen Absinth über den Tresen, berichtet Geschäftsführer Christian Schäuble. "Absinth ist vor allem bei Studenten und jungen Intellektuellen angesagt", berichtet der Lokalchef. Aber auch ältere Gäste bestellten gerne mal ein Gläschen. Manche fasziniere einfach der Mythos Absinth. Andere seien schlicht neugierig auf das schon von dem französischen Impressionisten Paul Gauguin geschätzte Getränk.

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Die Gefahr im Absinth: "Alkohol und Thujon wirken zeitversetzt"

Dass Gäste mit dem Absinth-Konsum den großen Rausch suchen, bezweifelt Schäuble aber. Dazu sei in dem heute zugelassenen Absinth wohl zu wenig des berauschenden Stoffs Thujon drin – dessen Beteiligung an den berüchtigten Rauschzuständen inzwischen von Forschern bezweifelt oder sogar abgestritten wird. Eine Vorsichtsmaßnahme hat der Kneipenchef dennoch getroffen: "Bei uns gibt es Absinth erst ab 21 Jahren" – eine Konsequenz aus früheren Erfahrungen. "Da gab es junge Leute, die glaubten, Absinth könnte man wie Tequila runterschütten." Absinth müsse man aber in Ruhe und in Maßen genießen. "Denn Alkohol und Thujon wirken zeitversetzt", das unterschätzten manche.

Eines der größten deutschen Vertriebsunternehmen für Absinth, die Firma Lion Spirits in Eschbach/Breisgau, sieht seit Jahren einen "stabilen Absatz" des Thujon-haltigen Kräuterschnapses. Das nach der Aufhebung des Absinth-Verbots gegründete Unternehmen beliefert neben vielen Privatkunden rund 100 Absinth-Bars in Deutschland. Weltweit setzt Lion Spirits pro Jahr rund 50.000 Flaschen Absinth ab, etwa ein Drittel davon gehe nach Deutschland.

Im Vergleich mit anderen Spirituosen sei Absinth dennoch nur ein Nischenmarkt, räumt Firmenchef Markus Lion ein. Als Absatzbremse wirkt nach seiner Auffassung nicht nur das noch immer verbreitete Image, Absinth sei ein "flüssiger Joint", sondern auch der verhältnismäßig hohe Preis von 20 bis 100 Euro pro Flasche. Der Grund für Letzteres sei die geringe Produktionsmenge im Unterschied etwa zu Gin und Whisky.

Keine Entwarnung bei Absinth: Institut warnte Konsumenten

Das verruchte Image der Bohème-Droge Absinth hatte die Behörden schon 2003 auf den Plan gerufen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kam damals zu einer eher zwiespältigen Einschätzung: Für problematisch halten die Wissenschaftler dabei vor allem das im Absinth enthaltene Thujon. Der Stoff sei ein starkes Nervengift, das Halluzinationen und epileptische Krämpfe auslösen könne, heißt es auf der Instituts-Webseite. Wegen der gesetzlich festgelegten Höchstmenge erwartet das Institut dennoch keine Gefährdung für die Verbraucher, rät aber wegen des hohen Alkoholgehalts dennoch zur Vorsicht.

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d pa

Was mit dem Alkohol im Essen passiert

Theoretisch verdampft Alkohol beim Kochen - wie lang das dauert und ob wirklich alles verdampft, ist aber unklar. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn
Theoretisch verdampft Alkohol beim Kochen - wie lang das dauert und ob wirklich alles verdampft, ist aber unklar. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn © Zacharie Scheurer
Karl Haaf ist Mitglied im Verband der Köche Deutschlands (VKD). Foto: Verband der Köche Deutschlands/dpa-tmn
Karl Haaf ist Mitglied im Verband der Köche Deutschlands (VKD). Foto: Verband der Köche Deutschlands/dpa-tmn © Verband der Köche Deutschlands
Alkohol im Essen ist bei vielen Gerichten fast Standard - auch beim Käsefondue. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Alkohol im Essen ist bei vielen Gerichten fast Standard - auch beim Käsefondue. Foto: Christin Klose/dpa-tmn © Christin Klose
Auch Profiköche nutzen in vielen Gerichten ganz selbstverständlich Alkohol - im Crêpe Suzette etwa. Foto: Mascha Brichta/dpa-tmn
Auch Profiköche nutzen in vielen Gerichten ganz selbstverständlich Alkohol - im Crêpe Suzette etwa. Foto: Mascha Brichta/dpa-tmn © Mascha Brichta
Sybille Schönberger führt eine Kochschule und berät Gastronomie-Betriebe. Auf Alkohol im Essen verzichtet sie inzwischen weitgehend. Foto: Sybille Schönberger/dpa-tmn
Sybille Schönberger führt eine Kochschule und berät Gastronomie-Betriebe. Auf Alkohol im Essen verzichtet sie inzwischen weitgehend. Foto: Sybille Schönberger/dpa-tmn © Sybille Schönberger

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