Alles andere als eine Schnapsidee

Wie zwei Münchner mit dem "Aqua Monaco" durchstarten

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Voll im Trend: Florian Breimesser (links) und Timo Thurner mit ihrem „Aqua Monaco“, echtem Münchner Wasser.

München - Florian Breimesser und Timo Thurner sorgen mit ihrem "Aqua Monaco", echtem Münchner Wasser für Furore. Wir porträtieren sie.

Als Timo Thurner das erste Mal sah, dass jemand sein Wasser trank, ging ihm das runter wie Öl. Vor ein paar Jahren war das, bei einem Sommerfest auf der Praterinsel, als die Partygäste staunend zu den neuen Flaschen griffen, denen mit dem Schwan-Logo. Die Flaschen lagen gut in der Hand und sahen lässig aus. Das schicke Design, das Etikett, dazu die ­Größe, null Komma drei, Zeitgeist. „Da war mir klar“, sagt Thurner, „das alles war doch keine Schnapsidee.“ Das mit seinem Münchner Wasser. Dem „Aqua Monaco“.

Das Schlachthofviertel, Zenettistraße, der Bauch der Stadt. Metzgereien, Gaststätten, Bistros, Feinkostläden, bei so viel zum Essen, da braucht es auch etwas zum Runterspülen. Genau der richtige Ort fürs „Aqua Monaco“. In einem alten, kleinen Lebensmittelladen haben sie sich hier niedergelassen, Timo Thurner und sein Mitstreiter Florian Breimesser. Über dem Eingang steht noch aus früheren Zeiten „Milch“. Es stimmt nicht mehr ganz, denn hier gibt es nur noch Wasser. Wasser, das nach München schmeckt. Von tief drunten. Wäre Wasser fest, man könnte sagen, das „Aqua Monaco“ wäre fest verwurzelt im Münchner Boden.

Beide sind 38, Thurner stammt aus Seeon, Breimesser aus Ulm, getroffen haben sie sich genau dazwischen in München, die Stadt, in die sie vor 20 Jahren zum Studium kamen. Thurner wurde Grafiker, Breimesser Anwalt, dann aber, 2008, saßen sie eines Abends in der alten Osteria Santini beieinander. Das Santini war der legendäre Italiener an der Reichenbachbrücke, mit der schönsten aller Kastanienlauben, bevor er platt gemacht wurde für den nächsten Luxusneubau im Viertel, die sogenannten Glockenbachsuiten.

Hier jedenfalls fragten sich Thurner und Breimesser, warum man in München zwar Mineralwasser aus der Region bekommt, aus den Bergen, und darüber hinaus auch aus Italien oder Frankreich – aber keines aus München. Wo doch das allerbeste Wasser so nah liegt. 150 Meter unter uns.

Auch schon wieder 10 000 Jahre her, wie die Zeit vergeht, als am Ende der letzten Eiszeit das Schmelzwasser der Gletscher durch den Schotterboden sickerte und einen riesigen unterirdischen Speicher bildete, 1500 Quadratkilometer groß, ein Dreieck zwischen Weyarn, Maisach, Moosburg. Klarstes Wasser, weit unter der Erde, geschützt durch eine Schicht, 150 Meter Ton, Stein und Sand, ein natürlicher Bio-Filter, der alle Schadstoffe von oben abhält. In dieses Wasser kommt nichts rein. Ein See, aus dem heute nur die Brauereien schöpfen, mit eigenen Brunnen für ihr Bier. Thurner und Breimesser dachten, wenn in München damit so gutes Bier gebraut wird, dann müsste das doch auch ein großartiges Mineralwasser geben. Der Gedanke ans eigene Münchner Wasser ließ sie nicht mehr los. Nur flüssig waren sie eben nicht.

So bedurfte es einiger Kredite und Zuschüsse, und einen Brauerei-Brunnen brauchten sie natürlich auch. Ins Geschäft kamen sie da mit dem Schweiger-Bräu in Markt Schwaben. Seit 2011 nutzen sie nun die dortige Silenca-Quelle, füllen dort das Wasser in ihre Flaschen ab. Anfangs nur sprudelnd oder still, inzwischen auch mit sieben verschiedenen Geschmackssorten, vom Lemon bis zum Tonic, vom Ginger bis zum Cola. Das ist dann das Black Monaco, und auch da drauf ist wie überall im Logo der Schwan. Und warum ein Schwan? „Wegen der Assoziation zu Bayern, Ludwig, Linderhof, die Grotte“, sagt Thurner. Außerdem, Schwan und Wasser, passt auch gut zusammen.

Wie viele andere junge Münchner Unternehmen, ob der Duke’s Gin aus Schwabing, der Emilio-Kaffee vom Gärtnerplatz oder der Giesinger Bräu: Thurner und Breimesser haben den Nerv der Zeit getroffen. Das Heimische, das Lokale ist nicht mehr verstaubt und bieder – es ist jung, frisch, trendig.

Mit den kleinen Flaschen kann man sich auch in den Szenekneipen sehen lassen, mit dem „Aqua Monaco“ ist Wasser cool geworden. Vergangene Woche haben sie auch angefangen, in Berlin einige Clubs zu bestücken, längst exportieren sie auch bis nach Holland, Norwegen, Japan. Und ihre eigentlichen Berufe üben sie so richtig auch nicht mehr aus. Das Wasser hat sie fortgerissen.

Hätten sich die beiden nicht gedacht am Anfang, unter den Kastanien, die beiden Jungs aus der Zenettistraße. Dass es so gut läuft mit dem Münchner Aqua. Mein lieber Schwan.

Florian Kinast

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